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Ausgabe: 4-2014

IFLA Satellite Meeting : RDA status and perspectives

Themen


Im Vorfeld des 80. IFLA World Library and Information Congress in Lyon fand am 13.08.2014 das IFLA Satellite Meeting 2014 zum Thema „RDA Resource Description and Access status and perspectives“ statt. Dies ist eines von mehreren Satellite Meetings zu verschiedenen Themen, die an verschiedenen Orten abgehalten wurden.

Veranstaltungsort war der Vortragsraum der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main. Der Tag wurde moderiert von Hanne Hørl Hansen (Bibliographic Consultant des Danish Bibliographic Centre Ltd.) und Miriam Säfström (Metadata coordinator der National Library of Sweden). Beide gehören dem Standing Committee der Cataloguing Section der IFLA an.

Frau Dr. Niggemann, Generaldirektorin der DNB, Herr Stanislas Mrozek, Consul général adjoint, Consultat général de France à Francfort, und Frau Hanne Hørl Hansen, Vorsitzende der IFLA Cataloguing section, sprachen einleitende Worte.

Das Programm  unterteilte sich in drei Themenbereiche.
 

Session 1 - RDA Status


Zum ersten Themenbereich gab es drei Vorträge:
Chris Oliver (Canadian Committee on Cataloguing; JSC [Joint Steering Committee]) berichtete zum Thema 'RDA and internationally recognized principles, models, and standards' und stellte in ihrem Vortrag dar, wie RDA internationale Standards wie FRBR, FRAD und ISBD einbezieht. Beteiligt sind JSC (Joint Steering Committee mit ihren Working Groups) und die ISBN-Review-Group. Für die Zukunft wird auch die Synchronisation und die Kompatibilität mit Modellen anderer Einrichtungen (Archive/Museen) angestrebt.

Im Vortrag 'RDA-Status' stellte Gordon Dunsire (Vorsitzender des JSC) die beteiligten Institutionen und ihre Aufgaben vor und zeigte die Abhängigkeiten der verschiedenen Einrichtungen zum JSC (EURIG, ISBD …). Er gab einen Überblick über die Länder, die RDA anwenden. Kein Land übernimmt RDA komplett. Gründe sind u.a. nationale Infrastrukturen, unterschiedliche Standards der Katalogisierungsausbildung, „Lücken“ im Regelwerk RDA.

Im letzten Beitrag zum 1. Themenkomplex berichtete Verena Schaffner (OBV; Vorsitzende EURIG Executive Committee) über EURIG and its activities.
EURIG (European RDA Interest Group) entstand 2010 als Interessenvertretung der europäischen RDA-Anwender bzw. zukünftiger Anwender. Mitglieder sind Nationalbibliotheke-n, Bibliotheksverbände etc., zzt. 34 Mitglieder aus 20 Ländern. Es gibt jährliche Treffen und Arbeitsgruppen zu speziellen Themen. Ergebnisse fließen in Discussion Papers und Proposals ein.

  EURIG-Webseite

Session 2 - RDA Implementation
or considerations to implement RDA


Im Themenbereich der 'session 2' konnte man in fünf Vorträgen einen guten Überblick über die Aktivitäten in verschiedenen Ländern erhalten.

Den Beginn machte Thurstan Young (RDA-Projektleiter der British Library) mit 'RDA application and development: British Library perspectives'. Das Projekt startete 2008, die Katalogisierung nach RDA in 2013. Ein Umstieg auf RDA bot sich an, da dadurch viel Fremddatennutzung (Copy-Cataloguing) möglich war. Gearbeitet wird mit Aleph ILS und Primo. Die notwendigen Anpassungen von MARC zu Aleph waren recht umfangreich.

Sehr interessant waren Details zur Einführung des neuen Regelwerks, wie Schulungsaufwand und Anzahl der „Schulenden“. Der Schulungsaufwand für Katalogisierer belief sich auf jeweils ca. 3 Wochen. Andere Gruppen (wie z.B. Erwerber) erhielten nur eine Grundschulung (ohne Toolkit-Zugang/-Nutzung). In der Einführungsphase wurde die verzögerte Bearbeitungszeit von ca. 20.000 zu katalogisierenden Titeln in Kauf genommen. Nach vollständiger RDA-Einführung wird die Anzahl der täglich erfassten Titel wieder annähernd auf dem Ausgangslevel erwartet. Allerdings ist die Anzahl der Authority Records (Normdaten) mit RDA stark angestiegen. Aufgrund des starken Anstiegs des Zeit- und Arbeitsaufwandes für die Katalogisierung hat man sich auf eine Beschränkung auf „rule-of-three“ (= max. 3 beteiligte Personen / Körperschaften) geeinigt.

Renate Behrens (Deutsche Nationalbibliothek) gab einen Überblick über den Stand der RDA in Deutschland: 'Managing the change preparing the future: RDA in the German-speaking library community'.

  Seite der DNB zu RDA

Daniel van Spanje (OCLC) und Lian Winterman (Koninklijke Bibliotheek, Den Haag) illustrierten mit 'The Dutch implementation' die RDA-Einführung in den Niederlanden. Die Einführung der RDA war in den Niederlanden geleitet vom Wunsch nach Internationalisierung und der Notwendigkeit eines neuen Regelwerks. Zur Anpassung an holländische Bedürfnisse wurde ein „dutch-profile“ entworfen. Für die Praktiker gibt es eine Konkordanz des bisherigen Regelwerks zu RDA. Interessant war die Aussage, dass man sich auf die Arbeitssprache Englisch geeinigt hat, um Sinnverfälschungen durch eine Übersetzung zu vermeiden und vor allem keinen Zeitverzug zwischen Regelwerksanpassungen im englischen Original und einer Übersetzung zu haben. So wurde nur das Glossar, die Definitionen und bestimmte Workflows auf Holländisch übersetzt. Die Einführung in die praktische Arbeit erfolgte fließend. Projektstart war 2013, eine Policy für RDA-Aufnahmen wurde im Nov. 2013 erstellt, im Oktober 2014 folgen die Normdaten. Danach wird die Einführung der RDA in den Niederlanden abgeschlossen sein.

Francoise Leresche (Bibliothèque Nationale de France) gab mit ihrem Vortrag 'The French perspective on RDA' einen Überblick über die Überlegungen zu RDA aus französischer Sicht. Bisher gibt es keinen Bezug zu AACR, die französische Regeln basieren auf ICR. MARC21 wird in Frankreich nicht genutzt, Verlinkungen zu Werken (z.B. der Musik) schon länger praktiziert. Die Notwendigkeit zu einer Änderung wird daher nicht gesehen.

Da die französische Bibliotheksgemeinschaft keine Rückschritte wollte, wurde RDA zuvor eingehend analysiert. Die Ergebnisse aus französischer Sicht waren nicht zufriedenstellend: die Kosten der Übernahme erscheinen zu hoch, der Arbeitsaufwand zur Anpassung von Fremddaten an französische Katalogpraxis zu groß. Französisches Interesse besteht hauptsächlich an FRBR. Da die FRBRisierung jedoch nicht weit genug vorangeschritten ist, wird kein Grund zur Eile gesehen. Die französischen Regeln sollen an bestimmten Stellen zu RDA angepasst werden. BNF bevorzugt Interoperabilität der Systeme im Gegensatz zur Einführung neuer Katalogregeln. Eine Einführung der RDA wird zurzeit nicht als notwendig erachtet. Der Wunsch zur Internationalisierung ist natürlich vorhanden. Daher arbeitet Frankreich seit 2012 in EURIG mit.

Ossama Mahmoud (Bibliotheca Alexandrina) gab mit 'RDA in the Arab Region: Challenges and proposed solutions' einen sehr interessanten Einblick in die Katalogisierungspraxis der arabischen Länder und deren Überlegungen zu RDA. In arabischen wissenschaftlichen Bibliotheken ist AACR verbreitet. Am neuen Regelwerk interessiert besonders der Werkgedanke, da in der arabischen Welt Manuskripte mit Bearbeitungen in der wissenschaftlichen Arbeit sehr verbreitet sind.
Voraussetzung für eine breite Einführung von RDA ist eine Übersetzung ins Arabische und ausreichendes Training der Bibliothekare. Die meisten arabischen Länder benötigen dabei finanzielle Unterstützung (wie alle anderen Dritte-Welt-Länder). Von 22 arabischen und nordafrikanischen wissenschaftlichen Bibliotheken arbeiten bereits 4 nach RDA. Der Arab Union Catalogue (AUC) entschied sich 2013 für eine Katalogisierung nach RDA.


Session 3 - RDA and formats


Nach einer Mittagspause, die man in der Kantine der DNB verbringen konnte, startete 'Session 3':
Brigitte Wiechmann und Sarah Hartmann (beide Deutsche Nationalbibliothek) gaben mit 'RDA and authority files: Impact on GND' einen Überblick über die Geschichte der GND, den Inhalt der Datenbank und den aktuellen Stand der Einführung der RDA in der GND mit den notwendigen Anpassungen. Geplant ist u.a. die Erfassung der Verlagsdaten unter Nutzung der Daten des Börsenvereins als Normdatensätze für eine spätere Verlinkung.

Informationen zur GND

Sally McCallum (LoC): RDA and BIBFRAME
BIBFRAME soll MARC für mehr Flexibilität ablösen. Mehr Verlinkungen und ein besserer Umgang mit Nicht-Buch-Materialien sollen damit möglich werden. Ziel ist eine Verbesserung in Datentausch, Speicherung und semantischer Technologie.

  http://www.loc.gov/bibframe/

Gordon Dunsire (Vorsitzender des Joint Steering Committee) brillierte mit seinem zweiten Vortrag 'RDA and linked data applications: Registries, namespaces, maps, and profiles. What tools are available when creating RDA desciptions for the Semantic Web'. Er stellte die Webseite www.rdaregistry.info vor und erläuterte die Darstellung der Elemente und Beziehungen der RDA in Linked Data oder dem Semantic Web.


Session 4 RDA - the future: future strategy future scenarios


James Hennelly (ALA Publishing) berichtete mit Translations and RDA Toolkit über den Stand der Übersetzungen von RDA. Zurzeit sind Übersetzungen in Französisch und Deutsch ins Toolkit integriert, in Arbeit sind Italienisch und Finnisch. Mandarin wird übersetzt, aber nicht ins Toolkit integriert, da die Zeichendarstellung noch unzureichend ist.

ALA und Facet Publishing favorisiert jeweils 1 Übersetzung pro Sprache. Es werden neben der vollständigen Übersetzung weitere Modelle angeboten, z.B. nur die Übersetzung einzelner Teile des Toolkit (wie in den Niederlanden) oder nur Übersetzungen von Schulungen. Sehr wichtig ist, dass Updates der Übersetzung zeitnah erfolgen. Angestrebt sind zwar kürzere Abstände nach einem Update, eine zeitgleiche Veröffentlichung von Updates in Englisch und den Übersetzungen ist in naher Zukunft jedoch nicht geplant.

Simon Edwards (CILIP; JSC-Mitglied) zeigte mit RDA the future: Future strategy, future governance die Zukunftsziele auf. RDA soll ein echtes internationales Standardformat werden und anpassbar auf die jeweiligen speziellen oder nationalen Bedürfnisse sein. Die RDA-Verwaltungsstruktur soll verbessert werden. Zurzeit gibt es dazu ein „discussion-paper“. Antworten und Vorschläge aus der bibliothekarischen Fachwelt sind erwünscht (Deadline ist 31.1.2015).

Die Veranstaltung umspannte den Bogen rund um das neue Regelwerk RDA. 152 Teilnehmer aus 29 Ländern nahmen teil, die Konferenzsprache war Englisch. Der Tag war sehr informativ und der „Blick über den Tellerrand“ sehr gewinnbringend. In den Pausen hatte ich Gelegenheit zu vielen Gesprächen mit Kollegen, u.a. mit Hørl Hansen vom Danish Bibliographic Centre, das ich 2012 im Rahmen meines ERASMUS Staff Program besuchen konnte. Hier werden alle Dänischen Medien innerhalb von vier Wochen erfasst und verzeichnet. Ein weiteres interessantes Gespräch konnte ich mit einer Teilnehmerin aus Kalkutta führen, die genau wie im Beitrag zur Arabischen Region dargestellt die Kostenfrage und Vielsprachigkeit in ihrem Land als Hürde für eine RDA-Einführung sieht.

Der Weg zu einem international praktizierten Regelwerk ist also noch weit, zumindest die bibliothekarische Community arbeitet jedoch intensiv daran. Die nächsten Jahre bleiben sicher sehr spannend.

   Präsentationen der Vorträge



Barbara Ganz (UB Mainz) mit Unterstützung von Frau Dagmar Preuschoff-Böhmer (Hochschule Rhein-Main Wiesbaden/Rüsselsheim)



Barbara Ganz
UB Mainz

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