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Ausgabe: 3-2008

Thema E-Books – und wie beginnen….?

Themen

Das Thema E-Books beschäftigt die Bibliothekswelt nun seit den ersten Anfängen im Jahre 2001 mit wachsender Präsenz auch auf den Bibliothekartagen.

So war auch in Mannheim am 4. Juni 2008, trotz beeindruckender Saalgröße (390 Sitzplätze), die Vortragsreihe mit dem Titel „E-Book – das ewig neue Medium“ überbelegt. Was bewegt die Bibliothekswelt an diesem Medium? Dieser Frage nachgegangen waren fünf Vortragende, die sich vom Reifezustand des Marktes bis hin zum praktischen Umgang bei der Einführung eines E-Book-Angebotes Gedanken gemacht haben.

Und wenn auch alle Vortragenden letztendlich zu dem Schluss kamen, dass der Markt für E-Books noch nicht den professionellen Reifegrad erreicht hat, den man sich wünschen würde, um den Erwerb und das Angebot von E-Book-Titeln als „Normalfall“ betrachten zu können, so war doch auch zu erkennen, dass die gesammelten Erfahrungen der letzten zwei, drei Jahre einen Katalog konkreter Anforderungen und Wünsche haben entstehen lassen, den man den Anbietern von E-Books präsentieren kann und dessen praktische Umsetzung den Verlagen den gewünschten Erfolg sicher näher bringen würde, kurz, die Fachwelt mehr Sicherheit im praktischen Umgang mit dem neuen Medium gewonnen hat.


Die wichtigsten Erfordernisse seien kurz aufgezählt:

  1. Integration von E-Book-Titeln in Neuerscheinungsdiensten als Bestellunterlage
  2. Verlagsunabhängige Bestellmöglichkeiten über den Buchhandel (auch als Einzelbestellung)
  3. Lieferung von verwertbaren Metadaten zur Integration in OPACS, Portalen und anderen Nachweisinstrumenten

    Kurz: das neue Medium soll im Geschäftsgang einer Bibliothek so domestiziert werden und beherrschbar sein, wie wir es von seiner gedruckten, viel älteren Schwester her kennen.

  4. und vor allen Dingen: Mehr deutschsprachige (!) Titel und darunter auch Lehrbücher für das Studium, und nicht nur retrodigitalisierte Ladenhüter, Ratgeber für Kakteenzucht oder hochspezielle Titel für Fachwissenschaftler.

Eine, man möchte fast schon sagen, ideologisch befrachtete Grundsatzfrage ist die des Umgangs mit Verlagspaketen.

Die Befürworter bringen das Argument der kritischen Masse ins Spiel, nur so würden die Nutzer von den Vorteilen der elektronischen Bücher überzeugt werden können, nach dem Motto „Viel hilft viel“. Pakete werden teilweise hoch rabattiert, das spare Gelder. Da E-Books keinen Raum in Magazinen belegen, sei auch hier die Frage der Quantität nicht von Belang.

Die Skeptiker und Gegner von Paketkäufen hingegen führen an, dass durch solche Käufe große Anteile der Etats gebunden werden, das Marketingkonzept der Verlage in den Bibliotheken als Erfüllungsgehilfen aufgehe, ohne dass eine konkrete Nachfrage bei den Nutzern bestünde. Dazu käme viel irrelevantes Material ins Angebot, also auch Titel, um die man in gedruckter Form einen großen Bogen gemacht hätte (siehe oben).

Letztendlich muss aber jede Bibliothek vor Ort entscheiden, welchen Weg sie gehen möchte und dies – hoffentlich – orientiert an den konkreten Bedürfnissen der Nutzer und nicht an einer - temporär günstigen - Kassenlage.


Wer diese Ausführungen ausführlicher nachlesen möchte, kann die Vorträge auf BIB-OPUS die Folien, teilweise auch mit Vortragstexten zum Thema "E-Book - das ewig neue Medium" einsehen.1


So bleibt es immer noch spannend mit den E-Books. Wie sich die Marktentwicklung orientieren wird und ob es den großen Durchbruch gibt, wird sich in den nächsten zwei, drei Jahren zeigen. Die normative Kraft des Faktischen wird das ihrige dazutun, dass sich dieses Medium am Markt etabliert. Funktionieren erst einmal die Geschäftsgänge im Routinebetrieb und werden die „richtigen“ Titel angeboten, werden die Bibliotheken auch dieses Medium in größeren Stil in ihr Angebotsspektrum inkorporieren.

Und dann wird das Thema auf dem Bibliothekartag sicherlich heißen: „E-Books: das alte neue Medium“.





1 Auch wichtig zu wissen und zu kennen: http://ebookstandards.ub.uni-muenchen.de/wiki/Hauptseite eine Zusammenstellung von Qualitätsanforderungen an E-Book-Standards aus bibliothekarischer Sicht, die von der AG E-Books im Bibliotheksverbund Bayern erstellt wurde.

Schon etwas älter (1,5 Jahre) aber immer noch relevant: „Vier Jahre E-Books ... und kein bisschen weise? (Seminar der Hochschule der Medien in Kooperation mit der Universitätsbibliothek Stuttgart und der Expertengruppe Erwerbung und Bestandsentwicklung im Deutschen Bibliotheksverband am 23. April 2007)“ http://elib.uni-stuttgart.de/opus/portal/3070/

Ganz aktuell: Michaela Hammerl, Klaus Kempf, Hildegard Schäffler :“E-Books in wissenschaftlichen Bibliotheken: Versuch einer Bestandsaufnahme“ In: ZfBB 55 (2008) 2, S. 68-78.


Dr. Klaus Junkes-Kirchen
UB Frankfurt

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