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Ausgabe: 3-2008

Veränderungen, Wandlungen und Umbrüche

Aktuell

Mit Ablauf des Monats Juli tritt Rolf Dieter Saevecke nach exakt 23 Jahren und 9 Monaten als Leiter zunächst des Hessischen Zentralkatalogs und dann später der HeBIS Verbundzentrale in den Ruhestand. Diese – seine Zeit – war geprägt von permanenten Veränderungen, von Wandlungen und Umbrüchen. Im Bibliothekswesen gibt es kaum Einrichtungen, die gerade in dieser Phase so stark von den technologischen Entwicklungen tangiert waren, wie die Zentralkataloge. Saevecke begann seine bibliothekarische Laufbahn nach Abschluss des Jura-Studiums und der bibliothekarischen Ausbildung 1973 an der „Deutschen Bibliothek“, wo er nach einer zunächst kurzen Phase als persönlicher Referent des Generaldirektors alsbald die Abteilung „zentrale Dienste“ übernahm. Schon in dieser Tätigkeit musste er sich mit den ersten Anwendungen der Datenverarbeitung (der Begriff IT wurde damals noch nicht verwendet) vertraut machen, gehörte doch die DB zu den Protagonisten einer maschinell erzeugten Nationalbibliographie. Aber es waren Anwendungen, die den Alltag der meisten Bibliothekarinnen und Bibliothekare nur am Rande tangierten. Sie waren ähnlich bedeutsam wie die Debatten über die Vor- und Nachteile von KWIC, KWOC und KWAC Indizes, also sagen wir ruhig, es waren Randphänomene.

Mit seinem Wechsel in den Dienst der Stadt Frankfurt am Main – der Hessische Zentralkatalog war damals noch eine Abteilung der Stadt- und Universitätsbibliothek – verschlug es ihn sozusagen in eine andere Welt. Zum Einen war es die dem HZK zugeordnete Aufgabe der Fernleihsteuerung, die neu war, neu schon deshalb, weil gerade die Fernleihe nun gar nicht zu den Kernaufgaben der DB gehörte, zum Anderen wurde die Datenverarbeitung gerade in dieser Phase von Stapelprozessen auf dialogorientierte Verarbeitung umgestellt und damit sozusagen direkt an den Arbeitsplatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter transportiert.

Mit der damals schon weit fortgeschrittenen Entwicklung von HeBIS-Mon und HeBIS-Kat musste er sich den vielfältigen Anforderungen stellen, die als Begleiterscheinungen der Einführung einer neuen Technologie im Raum standen. Hierzu gehörte nicht zuletzt auch die aktive Vertretung von als zukunftsweisend erkannten Positionen, die nicht auf – sagen wir vorsichtig uneingeschränkte Gegenliebe – bei etlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stießen. Saevecke ließ sich mit seiner ruhigen und sachlichen Art nie in emotional geführte Debatten hineinziehen; er blieb immer an der Sache orientiert, dem Ziel einer Verbesserung der Dienstleistungen verpflichtet.

Aber auch nach HeBIS-Kat blieb die Welt nicht stehen. Nach der Dialogverarbeitung folgte in einem zweiten Schritt die Konzentration auf die Endnutzer basierten Dienstleistungen sozusagen „auf dem Fuße“. Auch hier bei der Realisierung der Einführung aller Facetten der PICA Software erwies sich das hohe Maß an analytischen Fähigkeiten bei Rolf Dieter Saevecke für die hessische Leihverkehrsregion als Glücksfall. Er war es, der die Konzepte zur Einführung flächendeckender Schulungen erstellte, immer wieder überprüfte und verfeinerte und so technische Innovation und menschliche Ressourcen erfolgreich zusammen führte. Ich darf heute mit Fug und Recht sagen, dass es ohne ihn auch für mich wesentlich schwerer gewesen wäre, die zeitgleiche und fristgerechte Migration einer ganzen Region zu bewerkstelligen. Aber auch den klassischen Leihverkehr und diverse Zusatzaufgaben, wie die verschiedenen Metamorphosen der Hessischen Bibliographie galt es zu meistern.

Auch als absehbar war, dass die herkömmliche Funktion der Leihverkehrssteuerung ein Auslaufmodell wurde, fügte er sich nicht nur in das Unvermeidliche – die zu erwartende Schließung des HZK – nein, er gestaltete diesen Prozess aktiv und kontinuierlich in einer Weise, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter davon persönlich nicht negativ berührt wurden. Dabei vermied er es, große Versprechungen zu verkünden, denen dann nur kleine Realisierungen folgten, seine Stärke war die Umsetzung der notwendigen Änderungen ohne Pathos und ohne Selbstinszenierung.

Um erfolgreich zu sein, bedarf es aber nicht nur intensiver Arbeit, sondern auch einer Portion Glück. In Gestalt von Hanspeter Schneider, dem Leiter des IT-Teils von HeBIS wurde ihm dieses zu teil. Beide sind in gewisser Weise wesensverwandt und konnten sich so in geradezu idealer Weise ergänzen.

Rolf Dieter Saevecke war es vergönnt, an der Umgestaltung der Informationsregion Hessen von einer antiquierten, zettelbasierten Leihverkehrssteuerung hin zu einem umfassenden Nachweis- und Informationssystem an vorderer Stelle mit zu wirken und diesen Prozess aktiv mit zu gestalten. Er war und ist kein Mann der lauten Töne, eher ein Mann der konsequenten stetigen Durchdringung. Probleme sollten nicht verdrängt, aber auch nicht mit einem Paukenschlag, sondern eher evolutionär gelöst werden. Mit dieser Strategie hatte er letztlich dauerhaft Erfolg. Bei seiner Verabschiedung im letzten Monat zeigte sich das hohe Maß an Achtung, das er sich bei den Kolleginnen und Kollegen erworben hat; waren doch auch viele zugegen, die längst vor ihm in den Ruhestand getreten sind.

Rolf Dieter Saevecke hat in seiner beruflichen Zeit erfahren, dass kleine Schritte große Veränderungen nach sich ziehen können. Er hat eigentlich in 35 „Bibliotheksjahren“ nur einmal die Straßenseite gewechselt. Trotzdem diente er als Beamter dadurch nicht weniger als 4 „Dienstherren“. Zunächst war es die Deutsche Bibliothek, danach die Stadt Frankfurt am Main, anschließend das Land Hessen und zuletzt die Goethe Universität Frankfurt. Für den Juristen Saevecke lässt sich das auch so beschreiben: von der Anstalt über die Gebietskörperschaften bis zur Stiftung: eine Reise durch die juristischen Personen des Öffentlichen Rechts.

Aber auch im Kreise der anderen Teilnehmer der Leihverkehrsregion hat sich Rolf Dieter Saevecke hohes Ansehen erworben. Er war inzwischen das dienstälteste Mitglied der hessischen Direktorenkonferenz - und für manche aus diesem Teilnehmerkreis sicherlich wohltuend - der ruhende Gegenpol zu dem doch gelegentlich aufbrausenden Direktor der UB Frankfurt.

Allen, die mit ihm zusammengearbeitet haben bleibt nur, ihm jetzt noch vlele Jahre bei guter Gesundheit im Kreise seiner Familie zu wünschen. Er wird weiterhin die Produkte seines Wirkens umfassend nutzen können. An den Diskussionen der kommenden Jahre, ob wir überhaupt noch Katalogaufnahmen brauchen, oder diese nicht durch Abbildungen von Schutzumschlägen ersetzt werden können also sozusagen vom „catalogue record“ über das „enrichment“ zum „replacement“ muss er sich nicht mehr beteiligen. Und vielleicht ist es für jemand, der sich immer der Qualität verpflichtet fühlte auch leichter, diesen Strukturwandel hin zur Beliebigkeit nicht mehr mitmachen oder gar auch noch mitgestalten zu müssen.

Berndt Dugall
UB Frankfurt, HeBIS-Verbundleiter

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