HeBIScocktail
Ausgabe: 2006-1
Editorial
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

zum Jahresbeginn möchten wir Ihnen alles Gute wünschen. Wir von der Verbundzentrale freuen uns auf ein neues Jahr mit spannenden Entwicklungen und weiterhin guter und erfolgreicher Zusammenarbeit mit Ihnen, unseren Partnern im Verbund.

Das Jahr 2005 war bei uns geprägt von grossen Veränderungen in verschiedenen Bereichen.
Wir konnten etliche Projekte erfolgreich realisieren: Die Einführung des HeBIS-Portals, Weiterentwicklungen in der Fernleihe und die Integration zusätzlicher Kataloge in die HeBIS-Datenbank, um nur einige zu nennen.

Personell musste die Verbundzentrale leider einige Einbussen hinnehmen. Unter anderem hat unser langjähriges Redaktionsmitglied und Cocktail-Webmaster Andrea Arndt die Verbundzentrale verlassen (s. Personalia).

Der HeBIScocktail wird jedoch weiterhin erscheinen und wir werden Sie auch in Zukunft mit den Neuigkeiten rund um den Verbund versorgen!

Pica-System

Aktuelle Pica-Informationen

... gibt es wie üblich auf der Pica-Hompage.

(tak)

Neues von den Datenbanken

HeBIS-Portal: Neue Meilensteine zum einjährigen Jubiläum

Ende 2005 konnte das HeBIS-Portal sein erstes kleines Jubiläum feiern. Seit gut einem Jahr steht es den Benutzern des HeBIS-Verbundes als neue Recherche- und Bestelloberfläche nun zur Verfügung, und obwohl es ohne Frage noch Verbesserungsbedarf und vielfältiges Entwicklungspotential gibt, beweisen die steigenden Nutzungszahlen, dass es seine erste Bewährungsprobe erfolgreich bestanden hat.

 

KARLA und FRANKA

Der Schwerpunkt der Entwicklungsarbeiten im letzten Jahr lag auf dem Ausbau des HeBIS-Portals zu "lokalen Sichten" für die UB Kassel und die Fachhochschulbibliothek Frankfurt, die sich dafür als erste Pilotpartner zur Verfügung gestellt hatten. Den Anfang machte die UB Kassel, deren lokales Portal KARLA jetzt seit gut einem halben Jahr in der Benutzung im Einsatz ist. Die Bilanz ist durchweg positiv. Wie die KollegInnen der UB Kassel berichten, wird KARLA von den Benutzern ausgesprochen gut angenommen. Nach einer Testphase in den Semesterferien wurde das lokale Portal in die Benutzerschulungen der UB Kassel integriert, und obwohl KARLA parallel zum lokalen Kasseler OPAC angeboten wird, verzeichnet die Portal-Statistik für die UB Kassel seit Beginn des Wintersemesters einen sprunghaften Nutzungsanstieg.

Die hohe Benutzerakzeptanz von KARLA ist auch deshalb so erfreulich, weil sie bestätigt, dass wir mit dem Konzept der "lokalen Portalsichten" den richtigen Ansatz gefunden haben. Auch wenn die Bibliotheksbenutzung dank Internet zunehmend vom Arbeitsplatz des Benutzers aus stattfindet, hat sie nach wie vor eine starke lokale Komponente, bedingt durch die Fächerschwerpunkte der jeweiligen Hochschule und Bibliothek und die Besonderheiten der lokalen Bibliothekslandschaft. Mit den "lokalen Sichten" können wir diesem Aspekt Rechnung tragen und dem Benutzer gleichzeitig einen deutlichen Mehrwert bieten, indem wir zentrale Dienste wie die Fernleihe in ein einheitliches lokale Recherche- und Bestelloberfläche integrieren.

Das Portal für die Fachhochschulbibliothek Frankfurt am Main wurde als zweite lokale Portalsicht am 1. Dezember 2005 eingeführt. Mehr darüber lesen Sie in einem Beitrag des Portal-Teams der Fachhoschulbibliothek unter FRANKA - lokales Portal für die Fachhochschule Frankfurt am Main.Wer sich außerdem einen persönlichen Eindruck von FRANKA verschaffen möchte, findet den Link dorthin auf der Hompage der Bibliothek.

Ob sich die Benutzerakzeptanz in der FHB Frankfurt ebenso gut entwickeln wird wie in Kassel, lässt sich in diesem HeBIScocktail natürlich noch nicht sagen. Wir möchten diesen Cocktail aber endlich einmal dazu nutzen, den Portal-Teams der UB Kassel und FHB Frankfurt unseren Dank auszusprechen! Als Pilotanwender hatten die beiden Teams es nicht immer leicht. Trotz aller Unwägbarkeiten sind sie beherzt ins kalte Wasser gesprungen und hatten eine Engelsgeduld mit dem HeBIS-Portal-Team auch in Phasen, in denen nicht alles so schnell und so glatt ging wie geplant. Vor allem aber haben beide Teams durch ihre Erfahrung in Benutzungsfragen und ihre konstruktiven Verbesserungsvorschläge einen Riesen-Beitrag zur Weiterentwicklung des HeBIS-Portals geleistet. Dank ihrer tatkräftigen Mithilfe konnten wir die bestehenden Funktionalitäten optimieren und weiter ausbauen und wichtige Erfahrungen in der Administration von Portalsichten sammeln. Alle Nachanwendern werden es der UB Kassel und der FHB Frankfurt danken!

 

Neu im HeBIS-Portal seit Dezember 2005

Ähnlich wie die Einführung von KARLA Mitte des Jahres (s. HeBIScocktail 3/2005) war auch die Einführung von FRANKA mit einer Reihe genereller Erweiterungen der Portalfunktionalitäten verbunden. Im Folgenden eine Übersicht über die wichtigsten seit dem 1. Dezember 2005 geltenden Neuerungen:

Nachträgliche Anmeldung

Benutzer, die eine Bestellung aufgeben wollen, sich im Portal aber noch nicht angemeldet haben, können die Anmeldung dank einer Programmerweiterung von SISIS jetzt direkt im Bestellfenster nachholen. Bisher war eine nachträgliche Anmeldung nur im Hauptfenster des Portals möglich, was den Nachteil hatte, dass der Bestellvorgang für den gewünschten Titel durch erneute Auswahl aus der Trefferliste und Anklicken des Bestellbuttons ein zweites Mal gestartet werden musste. Dank des neuen Anmeldeverfahrens ist das nicht mehr nötig, und der Bestellvorgang wird nach erfolgter Anmeldung automatisch fortgesetzt.


Verfügbarkeitsrecherche: Bessere Antwortzeiten bei lokaler Bestellung

Die integrierte Bestellfunktion des Portals ist leider mit hohen Antwortzeiten verbunden, weil die Verfügbarkeit des gewünschten Titels in allen Katalogen eines vordefinierten Sets überprüft wird (alle lokalen OPACs der HeBIS-Bibliotheken und alle Verbundkataloge). Das ist einerseits erforderlich, um im Fall einer Fernleihbestellung für die automatische Generierung des Leitwegs eine Information über die besitzenden Bibliotheken bzw. Verbünde zu haben. Andrerseits ist die damit verbundene schlechte Performance jedoch lästig und für einen Benutzer schwer nachvollziebar, wenn ein Medium aus der eigenen Bibliothek bestellt werden soll.

Durch eine Weiterentwicklung der Verfügbarkeitsrecherche (VR) konnte das Problem inzwischen entschärft werden. Wird die Bestellung für einen Titel aus der Treffermenge des OPACs der eigenen Bibliothek aufgerufen, wird die VR abgekürzt, indem der Titel nur noch im OPAC der eigenen Bibliothek ermittelt wird (um Informationen über die Ausleihbarkeit und den Ausleihstatus zu erhalten), und dem Benutzer kann nach minimaler Antwortzeit die lokale Bestellung angeboten werden. Das neue Verfahren ist insbesondere in den lokalen Portalsichten von großem Vorteil, bei denen der eigene OPAC für die Recherche vorausgewählt ist. Außerdem lässt sich das neue Verfahren in den lokalen Sichten auch noch weiter verfeinern, indem die Kataloge weiterer für die eigenen Benutzer relevanter Bibliotheken in die Ermittlung der Verfügbarkeit einbezogen werden (z.B. in FRANKA der OPAC der UB Frankfurt).

Die verkürzte VR ist zur Zeit noch auf die Bestellung von Monografien beschränkt. Bei Zeitschrifen z.B. lässt sie sich noch nicht anwenden, weil zwar die Zeitschrift als solche in der eigenen Bibliothek nachgewiesen sein kann, nicht aber der gewünschte Jahrgang. Trotzdem ist ein erster Schritt in die richtige Richtung getan, und die Optimierung des neuen Verfahrens wird einer der Arbeitsschwerpunkte im 1. Quartal 2006 sein.


Recherche: Hinweis bei 0 Treffern in allen ausgewählten Katalogen

War die Recherche in allen ausgewählten Katalogen ergebnislos, blieb der Trefferlistenbildschirm bisher einfach leer und der Benutzer seinen eigenen Schlussfolgerungen überlassen. Dem ist jetzt durch einen entsprechenden Hinweistext abgeholfen, der anstelle der fehlenden Trefferliste angezeigt werden kann.

Anmelde- und Benutzerdatenbildschirm

Da es immer wieder Missverständnisse bei der Anmeldung gab, wurde in der Verbundsicht der Anmeldebildschirm überarbeitet. Benutzern, die für lokale Ausleihe und Fernleihe unterschiedliche Passwörter benutzen, macht häufig die Wahl des Passworts Schwierigkeiten. Deshalb haben wir versucht, den Hinweis zur Eingabe von Benutzerkennung und Passwort noch etwas deutlicher zu formulieren. Was natürlich nicht ganz einfach ist, zumal die Begrifflichkeiten in den HeBIS-Lokalsystemen stark voneinander abweichen (die Benutzerkennung kann heißen: Bibliotheksausweisnummer, Leserausweisnummer, Lesernummer ...). Darüber hinaus vergessen die Benutzer oft, die eigene Bibliothek auszuwählen. Um diese Fehlerquelle auszuschließen, lautet die erste Option in der Liste der Bibliotheken jetzt "Keine Bibliothek ausgewählt". Wird die Auswahl der eigenen Bibliothek vergessen, erhält der Benutzer eine Fehlermeldung und einen entsprechenden Hinweis, was zu tun ist.

Im Bildschirm "Benutzerdaten" wurden die Optionen für die Abfrage der lokalen und Fernleihnutzerdaten an den Anfang gestellt, so dass man sie jetzt bei jeder Bildschirmeinstellung sehen kann, ohne scrollen zu müssen. Diese Änderung gilt in allen Sichten.


Buttons für Bestellung und Merkliste in der Trefferliste

Die Buttons für die Bestellung und die Abspeicherung eines Titels in der Merkliste wurden in der Trefferliste direkt unter den Angaben zum Titel platziert. Dort können sie nicht so leicht übersehen werden wie am rechten Bildschirmrand. Die Änderung geht auf eine Anregung der UB Kassel zurück, die sich dasselbe für KARLA gewünscht hatte, und fand auch für FRANKA bereits breite Zustimmung.

 

Planungen für das 1. Quartal 2006

Im Rahmen der Weiterentwicklung sind als Nächstes geplant:

Lokales Portal für die UB Marburg

Das wichtigste Etappenziel für das 1. Quartal 2006 ist die Einführung des lokalen Portals für die UB Marburg. Die UB Marburg ist die dritte im Bunde der Pilotbibliotheken für den Aufbau lokaler Portalsichten. Die Testinstallation ist inzwischen so weit gediehen, dass mit dem Marburger Portal-Team für Mitte Januar bis Mitte März eine intensive Phase abschließender Tests und Korrekturen vereinbart werden konnte.

Optimierung der Verfügbarkeitsrecherche

Wie oben bereits erwähnt, soll die Verfügbarkeitsrecherche weiter optimiert werden, um bessere Antwortzeiten beim Bestellvorgang zu erzielen.

Mehrbändige Werke und Schriftenreihen

Es ist immer noch ein großes Defizit, dass im Portal vom Nachweis des Gesamtwerks aus keine Bände von mehrbändigen Werken und Schriftenreihen abgerufen werden können. Um Abhilfe zu schaffen hat das HeBIS-Portal-Team inzwischen einen Lösungsansatz entwickelt. Im Testsystem wurde mit ersten Realisierungsversuchen begonnen, die in den nächsten Wochen zur Produktionsreife weiterentwickelt werden sollen.


 

Heike Nienerza / Uwe Reh E-Mail an AutorIn
HeBIS-Verbundzentrale / HRZ Frankfurt, Abt. BibliotheksDatenVerarbeitung

Mitteilungen der Verbundzentrale

Personalia

In der HeBIS Verbundzentrale hat es eine personelle Veränderung gegeben: Andrea Arndt, unsere langjährige Kollegin und Mit-Redakteurin beim HeBIScocktail, hat die Verbundzentrale verlassen und eine Stelle an der UB Kiel angetreten. Seit 01.12.2005 leitet sie dort das Dezernat Katalogbearbeitung und Information. Wir wünschen ihr für ihre neue Tätigkeit alles Gute und viel Erfolg!

(tak)

Aus den Bibliotheken und Lokalsystemen

FRANKA – lokales Portal für die Fachhochschule Frankfurt am Main

Seit dem 1.12.2005 finden FH-Angehörige und Interessierte unter der Homepage der Bibliothek (http://www.fh-frankfurt.de/wwwbibl) den Link zum lokalen Frankfurter Katalog- und Datenbankportal: FRANKA.
Es handelt sich um eine „Schwester“ von KARLA, dem lokalen Kasseler Portal, das im letzten HeBIS-cocktail bereits ausführlich vorgestellt wurde.
FRANKA ist im Rahmen der Pilotprojekte zu lokalen Portalsichten im Laufe des zweiten Halbjahres 2005 entwickelt worden. Beteiligt waren die Verbundzentrale (HeBIS) und die Abteilung Bibliotheksdatenverarbeitung des Hochschulrechenzentrums sowie die Bibliothek der FH Frankfurt am Main.

Die technische Basis bildet SISIS Elektra bzw. das daraus entwickelte HeBIS-Portal sowie die Weiterentwicklungen durch die BDV - insbesondere das Verfahren der Verfügbarkeitsrecherche.
Um als Pilotbibliothek zu fungieren, galt es, einige Besonderheiten im Rahmen des Projektes umzusetzen:

a)
Auf Wunsch der FH-Bibliothek Frankfurt am Main wurden fachliche Sichten (für 4 FH-Fachbereiche) ergänzend zu regionalen Sichten (FH, Frankfurt, überregional) eingerichtet. In diese fachlichen Sichten werden OPAC’s regionaler Bibliotheken, die für den Fachbereich besonders interessante Bestände bieten, eingebunden. Beispielsweise Architektur/ Bauingenieurwesen: Die Recherche verknüpft gleichzeitig den OPAC der FH FFM, des Deutschen Architekturmuseums und der ULB Darmstadt mit SSG-Gebiet. Die fachlichen Sichten sollen in Zukunft ausgebaut werden. Auch die Einbindung fachspezifischer Datenbanken (möglichst mit Metasuche) oder relevanter weiterer Links ist geplant. Die Datenbankpräsentation stützt sich auf DBIS (Datenbank-Infosystem). Dies wurde eingeführt, damit die Nutzer sich nicht mehrfach an neue Zugangswege gewöhnen müssen.

b)
Zu Beginn des Pilotprojektes nahm die FH Frankfurt am Main nicht an der Fernleihe teil, so daß verschiedene Accounting-Verfahren für das Angebot der beiden Dienstleistungen hätten vorgesehen und eingerichtet werden müssen. Um den NutzerInnen aber den vollen Service-Umfang von FRANKA bieten zu können, den ja gerade die Verfügbarkeitsrecherche mit dem Angebot von Fernleih-Bestellungen bietet, wurde kurzfristig entschieden, dass die Einführung des lokalen Portals für die FH-Bibliothek nur in Kombination mit der Fernleihe sinnvoll ist.
So konnte mit der Hochschulleitung die Einführung der Online-Fernleihe zumindest im Rahmen einer Testphase - von zunächst einem Jahr - vereinbart werden. Durch den Einsatz und die Kooperation aller Beteiligten in der FH-Bibliothek Frankfurt am Main und in der Verbundzentrale wurde dieser neue Service für die FHB-NutzerInnen dann auch tatsächlich zeitgleich mit dem Produktionsbeginn von FRANKA zum 1.12. gestartet! Die Schulungen zur Thema „Fernleihe“ fanden in der UB Frankfurt bzw. UB Marburg statt.

c)
Auf die regionalen Suchmöglichkeiten wurde besonderer Wert gelegt, um die in Frankfurt am Main vorhandenen Bibliotheksressourcen einzubeziehen. Dank sehr kreativer Lösungen von Herrn Reh (BDV) gelang die Einbindung unterschiedlicher OPAC-Systeme, weitere sind geplant.
Durch Gespräche mit der Stadtbücherei Frankfurt wurde verabredet, dass die Einbindung des OPAC über eine Z39.50-Schnittstelle geplant werden kann und somit zukünftig noch optimiertere Rechercheergebnisse erwartet werden.

Da der bessere Nachweis von Literatur über das Suchportal evtl. ein anderes Nutzungsverhalten innerhalb Frankfurter Bibliotheken nach sich zieht, trafen sich am 2.12. einige VertreterInnen der zunächst eingebundenen Bibliotheken, um über Kooperationen und Perspektiven zu sprechen.
 
Das Portal kann auch für andere FrankfurterInnen oder sonstige LeserInnen von Interesse sein, da die Recherchefunktion mit der Verfügbarkeitsrecherche frei über das Web zugänglich ist. FH FFM-Angehörige, die FRANKA mit ihrem Bibliotheksaccount nutzen können, bekommen als zusätzliche Dienstleistungen Profildienste und Anmeldung zur Online-Fernleihe angeboten.

Wir danken allen Beteiligten im HRZ, in der Verbundzentrale, in den beteiligten Bibliotheken sowie in der FH Frankfurt für Ihre Mithilfe und Unterstützung. Wir werden FRANKA gemeinsam weiterentwickeln und hoffen unseren Studierenden und Lehrenden wieder ein weiteres Fenster in die Informationswelt zu bieten, das sie von der Leistungsfähigkeit und Notwendigkeit der Bibliotheken jenseits von „Google“ überzeugt.

Das Portalteam der FHB Frankfurt am Main
(Anneke Jäger, Stefan Klein, Martina Moos, Christina Thomann)
Nachweis alter Drucke der Bibliothek der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen, Frankfurt in VD 16 und VD 17

Die Bibliothek der Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt verfügt über einen quantitativ wie qualitativ nicht unbeträchtlichen Altbestand (detaillierte Informationen s. Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. Bd. 5. Hessen, A – L. – Hildesheim u.a., 1992, S. 221-235).

Im Rahmen unserer Retrokatalogisierung bearbeiten wir auch die alten Drucke. Zudem haben wir in den letzten Jahren immer wieder Altbestände aus anderen Jesuitenniederlassungen übernommen, so dass die Katalogisierung alter Drucke ohnehin zu unserem Geschäft gehört. Den damit verbundenen Aufwand wollten wir bei größtmöglichem Nutzen so gering wie möglich halten, bibliothekarisch ausgedrückt: Möglichst effektive Fremddatennutzung und gleichzeitig Verzeichnung in für diese Spezialbestände einschlägigen Nachweisinstrumenten. So lag die Überlegung nahe, unsere Drucke des 16. und 17. Jahrhunderts auch im „Verzeichnis der im deutschen Sprachbereich erschienenen Drucke des XVI. Jahrhunderts“ (VD 16) und im „Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 17. Jahrhunderts“ (VD 17) als nationalbibliographischen Verzeichnissen nachzuweisen.

Aus Kapazitätsgründen wurde vereinbart, dass die Bestände der Bibliothek Sankt Georgen zunächst nur an bereits vorhandenen Titelaufnahmen nachgewiesen werden.


VD 17
Mit der Bibliothek Sankt Georgen startet das VD 17 zum ersten Mal den Versuch, den Bestand einer Bibliothek, die nicht zum Kreis der eigentlichen VD-17-Projektpartner gehört, zu erfassen und diese selbst in der VD-17-Datenbank katalogisieren zu lassen. Das VD 17 liegt als PICA-Datenbank vor, die vom GBV gehostet wird. Das kommt uns als PICA-Anwender selbstverständlich sehr entgegen. Der konkrete Arbeitsablauf sieht folgendermaßen aus: Wir recherchieren über die WinIBW direkt in der VD-17-Datenbank, kopieren bei positivem Ergebnis die dortige nach VD-17-Richtlinien erstellte Titelaufnahme mit Hilfe der GBV-Titelkopiefunktion, die wir für diesen Zweck leicht modifiziert haben, in HeBIS und hängen umgekehrt unsere Lokaldaten in der VD-17-Datenbank an.

Der größte Aufwand liegt darin, den vorliegenden Druck und die Aufnahmen zu identifizieren. Das geschieht außer durch Vergleich der üblichen bibliographischen Daten mit Hilfe von Fingerprints und vollständiger Kollationierung, also Zählung auch unpaginierter Blätter. Dies hat den positiven Nebeneffekt, dass man auf unvollständige Exemplare auf¬merksam wird. Die im VD-17-OPAC enthaltenen eingescannten sogenannten Schlüsselseiten erleichtern die Identifikation sehr, insbesondere wenn das eigene Exemplar kein Titelblatt mehr hat, was nicht selten vorkommt. Mitunter entdecken wir auch Werke, die an andere angebunden sind und deshalb bisher übersehen wurden.

Wir (und der HeBIS-Verbundkatalog) haben bei diesem Verfahren den Vorteil, mit relativ geringem Aufwand eine Titelaufnahme von hoher Qualität zu erhalten. Das VD 17 profitiert durch zusätzliche Besitznachweise und unsere gelegentlichen Korrekturen und Hinweise auf weitere Drucke oder Varianten.

Die Titel, die im VD 17 nicht nachgewiesen sind, müssen selbstverständlich ohne Kopierfunktion in HeBIS aufgenommen werden. Diese und andere ungeklärte Fälle werden mit einem lokalen Schlüssel versehen, der jederzeit eine Selektierung und Nachbearbeitung erlaubt.

Auf unsere Initiative hin wurde in HeBIS als bislang einzigem Verbund eine indexierte Kategorie für den bibliographischen Nachweis (2035) eingerichtet, in die wir die VD-17-Nummer übernehmen, die für die Identifikation der Drucke etwa die Bedeutung einer ISBN hat und so in WinIBW, Verbund- und lokalem OPAC suchbar ist. Sie wird inzwischen auch von etlichen anderen Teilnehmerbibliotheken genutzt.

Die Arbeit in zwei PICA-Datenbanken unterschiedlicher Verbünde zeigt freilich auch, wie lästig und effizienzmindernd jegliche Abweichung - z.B. bei Kategorien oder Suchschlüsseln – ist. Die in den letzten Jahren häufig geforderten internationalen Standards verfehlen durch solche überflüssigen Unterschiede ihre Wirksamkeit.

Zwei Überraschungen hat die Arbeit für uns bisher mit sich gebracht: Erstens scheinen wir mehr Drucke des 17. Jh. aus dem deutschen Sprachraum zu besitzen als vermutet. Eigentlich dachten wir, im Bestand aus dieser Zeit seien überwiegend italienische, französische und spanische Drucke. Zweitens ist der Anteil der Drucke, die bisher nicht im VD 17 nachgewiesen sind, beträchtlich. Daraus auf Alleinbesitz zu schließen, wäre allerdings falsch. Die bisherigen VD-17-Teilnehmer sind mit Ausnahme der BSB München eher im evangelischen Raum angesiedelt, so dass etwa Köln als bedeutender Druckort im VD 17 noch unterrepräsentiert ist.


VD 16
Grundstock des Nachweises im VD 16 ist eine etwa 300 Titel umfassende Sammlung von Lutherschriften aus der Reformationszeit. Leider ist die Arbeitsweise beim VD 16 noch eine andere. Dort erfolgt die Identifizierung der Drucke, die sich teilweise nur durch wenige Zeichen unterscheiden, mit Hilfe der Druck- und der CD-ROM-Ausgabe, was selbstverständlich weniger komfortabel ist, nicht zuletzt was die Titelkopie betrifft. In gewissen Abständen schicken wir Listen mit VD-16-Nummern und Signaturen an die Redaktion bei der BSB München, die unsere Bestände dann eingibt.

Die Eingabe der VD-16-Nummern in Kategorie 2035 und der lokalen Schlüssel für nicht abschließend bearbeitete Titel erfolgt analog zum VD 17. Die Zahl der noch nicht im VD 16 verzeichneten Titel ist aufgrund der längeren Dauer des VD-16-Projektes gering.

Von der derzeit stattfindenden Migration des VD16 von Allegro auf Aleph erhoffen wir uns ein erleichtertes Verfahren, idealerweise mit Onlinezugriff wie beim VD 17.

Fazit
Da die katalogisierten Bände nötigenfalls ambulant oder stationär von unserer Restauratorin „behandelt“ werden, geht die Bestandserhaltung einher mit dem im Vergleich zu den teilweise handschriftlichen Zettelkatalogeinträgen sehr viel besseren, vor allem aber ortsungebundenen Onlinenachweis. Die ansteigende Nutzung retrokatalogisierter alter Drucke ist dafür eine schöne Bestätigung.

Kerstin Schalk, Peter Schönhofen
Bibliothek der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen, Frankfurt

Gremienberichte

Bericht von der 33. Sitzung der AGDBT 2005
Am 7. und 8. November fand in Berlin die 33. Sitzung der Arbeitsgemeinschaft der Datenbankteilnehmer (AGDBT) statt.
Im Folgenden eine Übersicht der wichtigsten Diskussionsthemen, Informationen und Beschlüsse (das Protokoll der Sitzung wird nach seiner Genehmigung auf der Homepage der ZDB unter http://www.zdb.spk-berlin.de/publikationen/agdbt.html zur Verfügung stehen)

Diverses

  • ein Skript zur automatisierten Erzeugung von 4024 (Erscheinungsverlauf in maschinell interpretierbarer Form) aus 4025 (Erscheinungsvermerk) soll Ende 2005 zur Verfügung gestellt werden Dieses Skript wird die Angaben aus 4025 nicht immer hundertprozentig umsetzen können, sodass eventuell manuelle Ergänzungen vorzunehmen sind.
  • Gravkorr-Kennungen in Titelaufnahmen bleiben zukünftig 2 Jahre lang erhalten.
  • die Idee zur Einrichtung einer Verlegerdatei wird bei der DDB zur Zeit nicht als Arbeitsschwerpunkt weiter verfolgt.
  • Die DDB will die Realisierungsmöglichkeiten der von den Teilnehmern seit längerem gewünschten Anzeige im ZDB-CBS prüfen, die den jeweiligen Teilnehmer erkennen lässt, mit welcher Kennung er sich angemeldet hat.
  • einem HeBIS-Antrag folgend, soll die Erschließung der ZDB-Homepage (Verlinkung der einzelnen Kapitel untereinander, Suchfunktionen, Einsatz eines CMS) verbessert und ausstehende Kapitel ergänzt werden. Einige Verbesserungen waren kurz vor dem Sitzungstermin bereits realisiert.
  • Eine Software, mit deren Hilfe die Website der ZDB inkl. der dort angebotenen Dokumente durchsucht werden kann, soll in absehbarer Zeit installiert werden

Regelwerksfestlegungen (ZETA)

  • in den ZETA-Kapiteln E 456 „Maschinenlesbare Ausgaben“ und ZETA B 4085 sind die Regelungen zur Behandlung von Email-Newslettern ergänzt worden. Wichtig in diesem Zusammenhang: eine Zugriffsart wird in 4085 nur angegeben, wenn es sich um eine elektronische Ressource handelt, die ausschließlich per Email-Subskription zu beziehen ist. Beispiel: 4085 *E-Mail*=u business-news@rent.com=x H=z KF.  Für alle anderen elektronischen Ressourcen gilt, dass die Angabe einer Zugriffsart nicht nötig ist!
  • Zur Frage der Katalogisierung von OPACS in der ZDB wurde nach längerer Diskussion vereinbart, dass eine Katalogisierung nicht generell verboten wird, sich aber auf wichtige große OPACs beschränken sollte. Wenn jedoch Teilnehmer für Verzeichnisse, die sie früher auf Mikrofiche oder auf CD-ROM bezogen haben, oder für Kataloge, die Spezialbestände und sammlungen erschließen, eine Titelaufnahme für die elektronische Ressource im Fernzugriff anlegen möchten, ist auch dies durch die Möglichkeit, Continuing Integrating Resources in der ZDB zu katalogisieren, abgedeckt.
  • Beim Vorliegen von zwei Veröffentlichungen in einem Band mit mehreren Titelblättern wurde für die Katalogisierung folgende Änderung vereinbart: Nach der bisherigen Regelung wurden Einheitsaufnahmen nur für die enthaltenen Werke angelegt, jedoch nicht für den Gesamttitel, der nur in einer Fußnote nachgewiesen wurde. Künftig soll jedoch vor allem der Gesamttitel mit einer eigenen Einheitsaufnahme bedacht werden, denn eine korrekte Verbuchung des Exemplars im Erwerbungs- und im Ausleihsystem ist nur bei der Aufnahme unter dem Gesamttitel möglich. Die Erfassung der enthaltenen Werke kann demgegenüber fakultativ erfolgen.
  • im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen EZB und ZDB ist ein gemeinsamer Datendienst zum Transport der Lizenzinformationen in den Exemplarsätzen geplant. Voraussetzung dafür sind einheitliche Entitäten in beiden Systemen, sodass die vorgesehene maschinelle Zuordnung von Lizenzsätzen zu den Titelsätzen der ZDB gewährleistet werden kann.
  • Der gemeinsame Antrag von ZDB und EZB, bestimmte elektronische Ressourcen im Fernzugriff mit inhaltlichen Gliederungen / Sektionen (die auch einzeln abonniert werden können), sofern sie über eine eigene ISSN bzw. URL verfügen, mit einer eigenen Titelaufnahme nachweisen zu können. (Biochimica et biophysica acta, Mutation research), wurde angenommen. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Lizenzsätze der einzelnen Gliederungen / Sektionen eindeutig zugeordnet werden können und für den Benutzer eine eindeutige Aussage darüber gemacht werden kann, welche inhaltliche Gliederung von welcher Bibliothek lizenziert wurde. Die Titelaufnahmen der zugehörigen Druckausgaben bleiben von dieser Regelung unberührt.
  • die derzeit gültige Bindestrichregelung für die Transkription ostasiatischsprachiger Publikationen wird beibehalten. Einem Antrag zu Umsetzung der, 1998 von der RAK-Expertengruppe beschlossenen, Abschaffung der Bindestrichregelung wurde nicht entsprochen. Die Beibehaltung der jetzigen Regelung wurde mit dem Hinweis auf die bisher nicht geänderte RAK-Tanskriptionsliste und eine geplante Neufassung der Transkription für das Japanische begründet.
  • die DFG wünscht einen breiten Nachweises der, mit Hilfe von National-Lizenzen erworbenen, Datenbanken in den unterschiedlichen Bibliotheksinformationssystemen. Dennoch wurde ein ZRT-Vorschlag, diese Datenbanken zentral in der ZDB zu verzeichnen und dabei ausnahmsweise auch die Erfassung begrenzter Werke zuzulassen, mit Hinweis auf den originären Charakter der ZDB als überregionales Nachweisinstrument für fortlaufende Sammelwerke abgelehnt.
  • In diesem Zusammenhang wurde die generelle Frage diskutiert, in wie weit die ZDB bereit ist, versehentlich in die ZDB eingebrachten monographische Titel (mehrbändig begrenzte Werke) zu löschen oder zumindest eine Kennzeichnung einzurichten. Durch solche Aufnahmen, die ja von der ZDB an die Verbünde ausgeliefert werden, kommt es immer wieder zu Dubletten, die einerseits zur Verunsicherung der Benutzer führen und andererseits aufwendige Bereinigungsarbeiten mit sich bringen. Die ZDB und einige Verbünde sehen keine Notwendigkeit, diese Titel zu löschen, wenn sie bereits für die Bestandsverzeichnung durch mehrere ZDB-Teilnehmer genutzt wurden. Sie halten die Behandlung als Gravkorr-Fall und die Kennzeichnung einer solchen Aufnahme mit einem Warnhinweis in 4701 für ausreichend. Auf Vorschlag von HeBIS sollen entsprechende Aufnahmen allerdings zukünftig mit einer Codierung in 0600 „mw“ MAB 076c ausgeliefert werden, anhand derer entsprechende Aufnahmen von der Übernahme ausgeschlossen werden können.

Neues von den ZDB-Betreibern (DDB ZDB) und aus den Verbünden

  • die 3 ILTIS-Bestände DDB, DMA und ZDB waren bisher mit eigenem Datenformat, eigener Indexierung und eigener Präsentation getrennt gehalten worden. Als wichtiger Schritt zur Zusammenführung sind jetzt DDB- und ZDB-Bestand zusammengespielt und damit eine der Voraussetzung für das Einbringen der Zeitschriftendaten der DDB in die ZDB geschaffen worden.
  • die österreichischen Lokaldaten wurden in einer Grundlieferung eingespielt.
  • für den von ZDB und EZB angestrebten, gemeinsamen Datendienst (Transport der Lizenzdaten im Lokaldatenbereich) sind Vorbereitungen getroffen worden. Die endgültige Umsetzung kann erst im Rahmen des bei der DFG beantragten Projekts zur Kooperation zwischen EZB und ZDB erfolgen.
  • die von der AG-Bestandsstruktur erarbeiteten Vorschläge und Anforderungen zur neuen Exemplarstruktur liegen gegenwärtig noch bei der EG Datenformate. Nach Zustimmung dieses Gremiums wird eine Abstimmung unter den AGDBT-Mitgliedern über die konkrete Umsetzung im Umlaufverfahren erfolgen. Die Umsetzung der Altdaten in die neue Struktur wird von ZDB und DDB als schwierig eingeschätzt und sicherlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
  • der BVB erfasst seit Mitte 2005 Zeitschriftentitel, Körperschaften und Bestände direkt in der ZDB/GKD, die dann durch das OAI-Harvesting-Verfahren zeitnah in die BVB-Verbunddatenbank übertragen werden. Der BVB hat einen abschließenden Bericht über den Einsatz von OAI angekündigt. Im Laufe des Jahres 2006 soll das Verfahren für interessierte Verbünde freigegeben werden. Für das 1. Quartal 2006 plant die DDB eine Informationsveranstaltung, auf der das OAI-Verfahren interessierten Verbünde vorgestellt werden soll.

Felder und Codierungen in der ZDB

  • Im Sommer diesen Jahres hatte Pica einen Workshop der deutschen Pica-Partner zur Neustrukturierung des Pica-Felds 0500 veranstaltet. Hintergrund war die derzeitige unbefriedigende Vermischung von „Content- “ und „Carrier-Inhalten“ (also Inhalt- und Trägerform) in diesem Feld. Im Ergebnis hatten sich alle Teilnehmer für eine klare Trennung des Trägermediums in 0500 Pos. 1 und des Inhalts in einem neuen, noch einzurichtenden, Feld ausgesprochen. Da eine solche Umstellung große Auswirkungen auf die DDB-Geschäftsgänge hätte und auch nur langfristig realisiert werden kann, stellte die ZRT zur kurzfristigen Verbesserung der Lage eine überarbeitete Tabelle zur Codierung aller Materialarten in 0500 Pos. 1 vor. Analog zur PICA-Partner-Initiative soll zukünftig in der ZDB ausschließlich das Trägermedium an erster Position in 0500 codiert werden. Alles Inhaltliche wird (bis zur Einrichtung des neuen, zusätzlichen Felds) in 0600 verankert.


  • Seit dem 1.7.2005 stehen den Teilnehmerbibliotheken in der ZDB diverse Sacherschließungsfelder zur Verfügung.


5056 SSG-Angaben
5400-5404 DDC-Notation der DDB
5410 DDC-Notation (vollständig)
5411  DDC-Notation (Grundnotation)
5412  DDC-Notation (Notationen anderer Haupttafeln)
5413 DDC-Notation (Notationen aus Hilfstafeln)
5414 DDC-Notation (Notationen aus e. Anhängetafel)
5420-5424 Angaben z. 2. DDC-Notation
5430-5434 Angaben z. 3. DDC-Notation
5440-5444 Angaben z. 4. DDC-Notation
5450 Notation eines Klassifikationssystems
5550 Schlagwörter (Einzelschlagwörter nach RSWK = IDN-Nr. d. SWD bzw. PND, Form- u. Zeitschlagwörter im Klartext / Schlagwortreihen)


Die ZRT möchte, mit Ausnahme derjenigen Felder, die für die DDB reserviert bleiben sollen, die Sacherschließungsfelder dauerhaft für Korrekturen freigeben und vertraut darauf, dass nach den Gepflogenheiten der kooperativen Sacherschließung, vorhandene Daten nicht ohne Not von Dritten geändert werden.

  • Im Zusammenhang mit der bereits auf der 32. Sitzung geäußerte Absicht, die ZDB-Fachgruppen aus Feld 5080 in absehbarer Zeit durch eine DDC-basierte Erschließung abzulösen, wurde inzwischen eine vorläufige Konkordanz zwischen den ZDB-Notationen aus 5080 und den DDC-Sachgruppen der DDB erstellt.. Die neue Liste soll eventuell ab Herbst 2006 zum Einsatz kommen, wobei die Altdaten vorher entsprechend angepasst werden müssten. Zusätzlich wäre die Liste allerdings daraufhin zu überprüfen, ob die DDB-Sachgruppen wenigsten eine sachliche Zuordnung zulassen, wie sie die ZDB-FN anboten.

  • Im neuen Feld 5450 (Notationen eines Klassifikationssystems) sollen sowohl bekannte Notationen (UDC, Eppelsheimer Regensburger Verbundklassifikation usw.) wie auch spezielle Notationen der Virtuellen Fachbibliotheken erfasst werden können. Um die verschiedenen Notationen zuordnen zu können, wird das Feld in der Form „[Notations-Abkürzung]Notation“ erfasst. Für einige Klassifikationssysteme existieren bereits MAB-Indikatoren, alle anderen erhalten bei der Auslieferung einen Sammelindikator, der z.Zt. beim MAB-Ausschuss beantragt wird. Endgültige Erfassungsregelungen werden erst publiziert, wenn dieser MAB-Indikator existiert.

  • Im Zuge der Datenmigration der DDB in die ZDB sollen noch folgende weitere Sacherschließungsfelder in der ZDB eingerichtet und mit Daten aus der DDB besetzt werden:
5050 Sachgruppen (ab 2004: DDC-Sachgruppen)
5100-519X 1.-6. Kettenglied der 1.-10. RSWK-Kette inkl. Permutationsmuster u. Angaben zur jeweiligen RSWK-Kette
5301-5309 1.-9. Verknüpfung zur Basisklassifikation
5560 Deskriptoren aus einem Thesaurus (Fremddaten) oder Sachliche Angaben zu Sätzen im Neuerscheinungsdienst der DDB

Schlussendlich werden also folgende Sacherschließungsdaten aus der DDB übernommen und damit auch den ZDB-Teilnehmern zur Verfügung stehen:
Sachgruppen der DNB bis Ende 2003
DDC-Sachgruppen ab 2004
RSWK-Ketten ab 1986
falls gewünscht, Schlagwörter vor 1986
  • Seit dem 1.7.2005 steht in der ZDB das Feld 5056 zur Eingabe der SSG-Nummer der DFG in der Titeldatei zur Verfügung.
Die rückwärtige Besetzung des Feldes erfolgt maschinell durch die ZDB mittels Umsetzung vorhandener oder gelieferter Daten (ID-Nummern, Umsetzung des Lokalfeldes 8510) und ist für das 4. Quartal 2005 vorgesehen.
Gegenwärtig kann in der ZDB bereits mit dem Suchschlüssel „SSG“ nach SSG-Nummern (Ausgabe: chronologische Kurztitel-Anzeige) und (auch kombiniert) mit „FZA“ nach der Finanzierungsart gesucht werden. Eine Suchmöglichkeit nach Sondersammelgebieten im ZDB-OPAC ist geplant.
Das angekündigte Skript zur Erstellung von alphabetischen Listen nach SSG-Nummern ist noch nicht fertig gestellt soll aber rechtzeitig für den nächsten Bericht an die DFG in 2006 bereitgestellt werden.

  • Die Codierung von Nationallizenzen in 4085 soll zukünftig folgendermaßen erfolgen:

4085 =u Verlags-URL =x H =z NL
4085 =u DBIS-URL =x T

Die Angabe „Nationallizenz“ wird als Kosteninformation angesehen, die vor allem dem Endnutzer in den OPACs deutlich machen soll, dass nach Einzelregistrierung keinerlei Kosten entstehen
Zur Erleichterung der Weitergabe werden entsprechende Publikationen im Feld 0600 zusätzlich mit „nl“ codiert.

  • Pay-per-Use-Datenbanken werden zukünftig folgendermaßen codiert.

4085 =u Verlags-URL =x H
4085 =u DBIS-Frontdoor-URL =x T (für lokale Nutzer)
4085 =u DBIS-Frontdoor-URL =x T=z PU (spezielle DBIS-URL für externe Nutzer)

Im Titelbereich erfolgt eine Kennzeichnung „pu“ im Feld 0600.

  • Wegen einer Lieferung von Restitutionsbeständen aus der Russischen Staatsbibliothek Moskau an die Zeitungsabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin und wegen eines vergleichbaren Bedarfs im SWB, wurde die Einführung eines Exemplardaten-Felds 4820 (Provenienzvermerke) und zusätzlich eine Codierung „re“ im Feld 0600 für die ZDB beschlossen.

H. Adam
Expertengruppe GKD

Sitzung am 14.11.2005 in DDB Frankfurt, 10.30 - 17.00 Uhr


Persönliche Amtsbezeichnung bei Organen einer Gebietskörperschaft

Aus aktuellem Anlass (Wahl der Bundeskanzlerin) wurde ein Beschluss über die Frage "Split oder nicht Split" bei Wechsel zwischen weiblicher und männlicher Form einer Amtsbezeichnung benötigt.  (Erschwerend kam hinzu, dass zu diesem Zeitpunkt das "Wort des Jahres" noch nicht veröffentlicht war!)

Die ausführliche und durchaus politische Diskussion führte zu folgendem Ergebnis:

Staatsoberhäupter und Spitzenämter der Exekutive und Legislative auf Bundes- und Landesebene  werden - als Ausnahme von der Regel - beim Wechsel zwischen weiblicher und männlicher Namensform gesplittet.

Beispiele:
1. Split
             Schleswig-Holstein / Ministerpräsident
früher:    Schleswig-Holstein / Ministerpräsidentin

2. kein Split
             Chemnitz / Ausländerbeauftragte
Vw.:       Chemnitz / Ausländerbeauftragter

GKD-Zugangskennungen

Mit Umstellung auf das neue Bestandskonzept in DDB hat sich an den Befugnissen nichts geändert.  Es wird derzeit jedoch noch über eine feinere Gliederung der Urheberkennungen diskutiert. Damit würden sich die Chancen einer direkten Adressierung von Rückfragen verbessern. 

Neuorganisation der Expertengruppen

Es zeichnet sich ab, dass spätestens mit Einführung einer Gemeinsamen Normdatei auch die Expertengruppen SWD, PND und GKD zu einer EG zusammengefasst werden. Die sehr konkreten redaktionellen Fragen sollen dann jedoch in - ggf. befristeten - Unterarbeitsgruppen behandelt werden.

Online-Kommunikation mit Normdatenbanken

Die ursprüngliche Projektplanung verzögert sich, da OCLC|PICA erst im Januar 2006 mit ihren Softwareentwicklungen im Bereich der Z39.50-Schnittstelle beginnen. Mit dem Eintritt in die produktive Phase (nach Durchführung der Tests bei DDB) kann deshalb nicht vor Beginn des Jahres 2007 gerechnet werden.  In der Zwischenzeit werden sich die Verbünde auf einen gemeinsamen Standard bei der Online-Validation verständigen.

Projektberichte

Im Projekt "Gemeinsame Ansetzungsregeln für Körperschaften (GKR)"  liegt mittlerweile eine detaillierte Analyse der Entitätenvergleiche mit daraus resultierenden Schlussfolgerungen vor.  Für das Projekt "Entwicklung eines gemeinsamen Normdatenformates" hat die Arbeitstelle für Standardisierung (AfS) eine Tabelle erstellt, die die Abweichungen von MARC 21 auflistet.  Die vorläufigen Ergebnisse beider Projekte werden auf dem Server der DBB zur Verfügung gestellt.  

(mod)
M. Denker
RDA – Resource Description and Access

Auf dem Weg zu einem neuen Regelwerk


Es sollte der große Wurf werden: die lange geplante Revision der Anglo-American Cataloguing Rules (AACR) von ihrer zweiten hin zu einer neuen, dritten Version. Das für die Revision der Katalogisierungsregeln zuständige "Joint Steering Committee" (JSC) hatte dazu einen ambitionierten Strategie- und Zeitplan vorgelegt und einen hauptamtlichen Herausgeber eingestellt. Doch die zu einem ersten Teilentwurf eingegangenen Stellungnahmen und Kommentare veranlassten das JSC dazu, das Ruder komplett herumzureißen und die Entwicklung von AACR3 zugunsten eines völlig neu konzipierten Regelwerkes einzustellen. Kritik war unter anderem darüber laut geworden, dass die AACR3 die Einbettung in eine digitale Welt nicht ausreichend berücksichtigten, ausschließlich für die Anwendung in Bibliotheken konzipiert und wenig anwenderfreundlich seien.

Mit der Entwicklung von "RDA – Resource Description and Access" geht das JSC nun völlig neue Wege. Für RDA wurde festgelegt, dass das neue Regelwerk so gestaltet sein müsse, dass es auch für Anwenderkreise abseits von Bibliotheken Akzeptanz finden könne. Ausdrücklich genannt werden Archive und Museen, es ist aber auch eine Annäherung an Metadatenstandards von Verlagen ausdrücklich erwünscht. Dazu soll das Regelwerk auch sprachlich "entrümpelt" und deutlich anwenderfreundlicher gestaltet werden.

Was sich bereits in der Namenswahl ausdrückt, ist ebenfalls Konzept: RDA soll kein anglo-amerikanisches Regelwerk mehr sein, sondern international ausgerichtet werden. Das noch in der Diskussion befindliche, auf internationaler Ebene entstehende "Statement of International Cataloguing Principles" wird dort ebenso berücksichtigt werden wie die in einer IFLA-Studie erarbeiteten "Funktional Requirements for Bibliographic Records" (FRBR)". Das entscheidende Element der internationalen Ausrichtung aber ist die Öffnung des gesamten Entwicklungsprozesses für alle interessierten Bibliothekarinnen und Bibliothekare. Sämtliche Textentwürfe werden über das Internet der interessierten Fachöffentlichkeit zur Verfügung gestellt und können von dieser kommentiert werden.

Dies eröffnet nunmehr auch den deutschen Bibliothekaren, sich in diesen Prozess einzubringen und damit einen Arbeitsauftrag des Standardisierungsausschusses zu erfüllen. Diese ambitionierte Aufgabe, an deren Ende im Jahr 2008 ein auch für die deutschen Anwender akzeptables neues Regelwerk stehen soll, wird gemeinsam von der Arbeitsstelle für Standardisierung (AfS) und den ihr zugeordneten Expertengruppen wahrgenommen. Anfang Dezember 2005 wurde der erste Teilentwurf der RDA vorgelegt. Er umfasst eine allgemeine Einführung, Richtlinien für die formale Beschreibung von Resourcen, Vorgaben für die inhaltliche Beschreibung, Angaben zu Bezugsbedingungen, Informationen zum vorliegenden Exemplar sowie einen Anhang mit Vorgaben zur Titelpräsentation. Die Abkehr von bibliothekarischer Insider-Terminologie und die Berücksichtigung der Belange anderer Anwenderkreise wird in diesem ersten Entwurf bereits deutlich spürbar. Sie finden ihn zusammen mit weiteren Papieren (Überblick, Strategiepapier, Hinweise zum Stellungnahmeverfahren, Zeitplan etc.) unter http://www.collectionscanada.ca/jsc/rda.html.

Im Februar werden die Expertengruppen über den Entwurf beraten und zusammen mit der AfS eine deutsche Stellungnahme vorbereiten. Mit dieser Vorgehensweise soll der deutschen Stimme ein besonderes Gewicht verliehen werden. Sie bedeutet aber keinesfalls, dass nicht auch über die Expertengruppen hinaus die Regelwerksentwürfe diskutiert und kommentiert werden sollten. Die entsprechenden Fach-Arbeitsgruppen im HeBIS-Verbund wurden bereits entsprechend informiert und zur Mitarbeit am Stellungnahmeprozess eingeladen; ihre Kommentare und Anmerkungen werden von den HeBIS-Vertreterinnen in den Expertengruppen in das deutsche Stellungnahmeverfahren eingebracht. Auch Einzelpersonen können ihre Kommentare und Anmerkungen direkt an die HeBIS-Vertreterin in der Expertengruppe Formalerschließung (Rita Albrecht, HeBIS-Verbundzentrale, Email: r.albrecht@ub.uni-frankfurt.de) richten.

(ria)
R. Albrecht

Fortbildung und Veranstaltungen

95. Deutscher Bibliothekartag in Dresden

Vom 21.-24.03.06 findet in Dresden der 95. Deutsche Bibliothekartag statt.

Die HeBIS-Verbundzentrale wird ebenfalls dabei sein und ihre Arbeitsschwerpunkte vorstellen. Nutzen Sie doch die Gelegenheit und besuchen Sie uns am Stand. Einzelheiten wie Stand-Nr. und Vortrags-Termine werden wir in Kürze auf unseren Webseiten veröffentlichen.

Allgemeine Informationen zum Bibliothekartag finden Sie unter http://bibtag.slub-dresden.de/cgi-bin/bibtag.pl

(tak)

Handbuch-Änderungen

Neue/aktualisierte Kapitel:

Keine Änderungen am HeBIS-Handbuch in dieser Ausgabe.

Protokolle

Keine neuen Protokolle vorhanden.

Impressum

HeBIScocktail 1/2006 (Januar 2006)

HeBIScocktail erscheint vierteljährlich als Hypertext (mit Druckausgabe) unter http://www.hebis.de/hebiscocktail/

Neue Ausgaben werden über Pica-List angekündigt.

Herausgeber: Hessisches BibliotheksInformationsSystem, Verbundzentrale, Frankfurt am Main
Redaktion: Monika Denker (mod), Tanja Kindt (tak), Heike Nienerza (hen), Herbert Adam (hea)
Weitere Autoren: Rita Albrecht (ria), Angelika Hinrichs (anh), Elmar Reith (elr)
Korrespondent: Hanspeter Schneider (BDV)
E-Mail-Adresse der Redaktion: hebiscocktail@ub.uni-frankfurt.de

Beiträge und Leserzuschriften sind sehr willkommen!

Hinweise für Autoren

HeBIScocktail 2/2006 erscheint April 2006.

Redaktionsschluss: 17. März 2006