HeBIScocktail
Ausgabe: 2006-3
Editorial

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

im heissen Juli erscheinen wir mit frischen Meldungen aus dem Verbund. Trotz der Urlaubszeit hat sich im HeBIS-Land einiges getan:

  • in Marburg wurden die ersten elektronischen Semesterapparate eingeführt
  • mit "Filou", dem von der Abtlg. Bibliotheksdatenverarbeitung entwickelten "automatisierten Quittierdienst" wird das Leben leichter und die HeBIS-Fernleihe schneller
  • die Giessener Kollegen berichten über ihre Erfahrungen mit einer Bibliotheks-Kreditkarte in der Erwerbung

Mehr über diese und andere Entwicklungen erfahren Sie in diesem Cocktail.



Ihr HeBIScocktail-Team

Mitteilungen der Verbundzentrale

Einladung zu den HeBIS-Nutzerversammlungen 2006

Im September finden die jährlichen HeBIS-Nutzerversammlungen statt. 
Wir freuen uns darauf, auch diesmal wieder zahlreiche Teilnehmer begrüssen zu dürfen.

Näheres entnehmen Sie bitte der  Aufzählungszeichen blauer PfeilEinladung.

(tak)
Nationallizenzen in HeBIS

Die von der DFG geförderten Nationallizenzen sind für die HeBIS-Teilnehmer, je nach ihrer Produktauswahl, mit dem bewährten Lizenzexemplarprogramm umgesetzt worden. Dazu wurde nach Vorarbeiten in der Verbundzentrale eine Lieferung der ZDB von ca. 2400 Lokaldatensätzen für die Zeitschriftenpakete der Nationallizenzen umgesetzt und im Anschluss die Lizenzexemplare erzeugt. Zusätzlich wurden die von uns monographisch zu behandelnden Datenbankprodukte manuell erfasst.

Damit ist der Nachweis der Produkte und Titel für die aktuell zu beziehenden Nationallizenzen in HeBIS vollzogen.

Weitere Erschliessungen der monographischen Datenbanken mit Metadaten werden folgen.

(ant)
Neues von der Online-Fernleihe

Ende Juni fiel der Startschuss für die verbundübergreifende Fernleihe von Aufsatzkopien zwischen HeBIS und dem GBV.

Damit können Benutzer und bibliothekarisches Fachpersonal des HeBIS-Verbundes im GBV Zeitschriften-Kopien bestellen (und umgekehrt). Wir nähern uns dem Ziel, demnächst mit allen Bibliotheksverbünden sowohl Monographien als auch Zeitschriftenaufsätze über die Online-Fernleihe bestellbar zu machen. Mittlerweile können HeBIS-Benutzer über das HeBIS Portal Zeitschriftenaufsätze im SWB, KOBV und im GBV bestellen.

Die folgende Tabelle stellt den aktuellen Stand für die Bestellmöglichkeiten der HeBIS Online-Fernleihe dar:

BVB 

 BSZ

 GBV

HBZ

KOBV

M:produktiv M:produktiv M:produktiv M:produktiv M:produktiv
Z: -
Z:produktiv
Z:produktiv Z: -
Z:produktiv


M = Monographien (Leihbestellungen) Z: Zeitschriften (Kopiebestellungen)

Stand: Juli 2006

 
(güp)
Personalia

In der HeBIS-Verbundzentrale hat es personelle Verstärkung gegeben:

Frau Carmen Wittich ist aus dem Erziehungsurlaub zurückgekehrt und mit einer halben Stelle im Bereich Zentralsystemverwaltung tätig.

(tak)

Mitteilungen der HeBIS-Informationstechnologie

FILOU – automatisierter Quittierdienst in der HeBIS-Fernleihe

FILOU(Fernleihe Im Lokalen OUS) soll das Leben leichter und die Fernleihe schneller machen.
Im HeBIS-Fernleihsystem werden Bestellungen aufgrund von Besitznachweisen des HeBIS-Zentralsystems (CBS) mit einem Leitweg versehen. Dieses Verfahren funktioniert tadellos. Es hat jedoch den Nachteil, dass die prinzipielle Ausleihbarkeit statt der tatsaechlichen, aktuellen Verfügbarkeit des gewünschten Dokuments berücksichtigt wird. Diesen Aktualitätsgrad weisen die Daten des CBS - im Unterschied zu den lokalen Bibliothekssystemen (LBS) - nicht auf.

Seit der Einführung des HeBIS-Portals verfügen wir jedoch mit der „Verfügbarkeitsrecherche" über eine Technik zur Ermittlung der aktuellen Verfügbarkeit in den angeschlossenen LBS.
Der von der Bibliotheksdatenverarbeitung (BDV) entwickelte Dienst FILOU macht dies fuer die Fernleihe nutzbar. Entwicklungsziel ist dabei die automtische Negativ-Quittierung von Fernleihbestellungen bei festgestellter Nicht-Verfügbarkeit des bestellten Dokuments. FILOU berücksichtigt ausschließlich Monografien, da bei Periodika die Verfügbarkeit nicht bis auf Bandebene überprüft werden kann.

Ersten Tests mit der UB Frankfurt (vielen Dank an Herrn Reiter) folgten im März/April dieses Jahres, weitere Tests mit fast allen großen Bibliotheken des Hessischen Bibliotheksverbundes. Nach kleineren Nachbesserungen kann FILOU heute in zwei aufeinander aufbauenden Varianten von der BDV angeboten werden:

FILOU-1 funktioniert in Verbindung mit dem Online-Druckprogramm und nutzt den Basisdienst FILOU, indem es zu jedem auszudruckenden Leihschein die aktuelle Verfügbarkeit des gewünschten Dokuments ermittelt. Datengrundlage ist dabei der im lokalen OPAC angezeigte Ausleihstatus des gewünschten Dokuments. Die Verfuegbarkeit wird durch den Aufdruck des HeBIS-Logos auf dem Leihschein signalisiert: ist ein HeBIS-Logo aufgedruckt, geht das System von der Ausleihbarkeit aus. Fehlt das HeBIS-Logo, hat FILOU festgestellt, dass das gewünschte Dokument nicht verfügbar ist (ausgeliehen, vermisst, etc).

FILOU-2 ist nicht mit dem Online-Druckprogramm gekoppelt, sondern überprüft als zentraler Dienst in regelmäßigen Zeitabständen die bei einer Bibliothek eingegangenen Fernleihbestellungen, analysiert die Verfügbarkeit des jeweils bestellten Dokuments und quittiert gegebenenfalls automatisch negativ. Das zuständige Fachpersonal muß diese Bestellungen nicht mehr bearbeiten, kann aber zur Qualitätskontrolle mit einem von der BDV bereit gestellten Webdienst die Prüfergebnisse von FILOU und die automatisch negativ quittierten Bestellungen mitverfolgen und wenn nötig im Detail überprüfen.

FILOU-1 läuft in fast allen grösseren Bibliotheken des Hessischen Bibliotheksverbundes seit Mai 2006 in Produktion. Für FILOU-2 begann der Produktionsbetrieb im Juni 2006 zuerst mit der UB Frankfurt, gefolgt von der UB Kassel, der UB Giessen und der UB Mainz und wird nun schrittweise auf die übrigen interessierten Bibliotheken ausgedehnt.
Die Fehlerquote bei den von FILOU indizierten bzw. ausgelösten Negativquittierungen liegt faktisch bei 0%. Erste statistische Erhebungen zeigen, dass die mittlere Bearbeitungszeit der Fernleihbestellungen bei Einsatz von FILOU-2 deutlich um ca 15 – 30% sinkt.

Dr. Uwe Risch, Bibliotheksdatenverarbeitung

Aus den Bibliotheken und Lokalsystemen

Elektronische Semesterapparate an der Philipps-Universität Marburg
S. Aumann, L. Kaiser, K. Lindenmayer, K. Troidl
UB Marburg

Gremienberichte

Aktualisierung der RAK-WB-Anlage 5.4 (Transliteration der hebräischen Buchstaben)

Am 15. Mai hat Die Deutsche Bibliothek auf ihrer Website die Aktualisierung des Regelwerkstextes der RAK-WB-Anlage 5.4 (Transliteration der hebräischen Buchstaben) veröffentlicht.
<http://nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:1111-2004072196>

Die Norm DIN 31636 wurde vom Deutschen Institut für Normung, Normenausschuss Bibliotheks- und Dokumentationswesen, Arbeitsausschuss 1 "Transliteration und Transkription" revidiert und nach Durchführung eines DIN-Stellungnahmeverfahrens im Februar 2006 veröffentlicht.
DIN 31636:2006-02 ersetzt DIN 31636:1982-04. Die revidierte Norm ist im Verlag Beuth zu beziehen.
Der Standardisierungsausschuss hat in einem Umlaufverfahren im Frühjahr 2006 seine Zustimmung zu einer Änderung der RAK-WB-Anlage 5.4 erteilt, die nunmehr die Fassung der DIN 31636 vom Februar 2006 als maßgebliche Norm für die Umschrift des hebräischen Alphabets nennt.

Damit ist die neue DIN 31636:2006 ab sofort auch für die HeBIS-Bibliotheken der maßgebliche Standard zur Umschrift des hebräischen Alphabets.

Die UB Frankfurt (zugleich Sondersammelgebietsbibliothek) hat bereits mit der Anwendung der neuen DIN begonnen. Sie verzichtet künftig zudem auf die bisher gebildeten besonderen Ansetzungsformen für Personennamen. Wenn Sie Fragen zur Anwendung der neuen Norm haben, wenden Sie sich am besten an die Expertinnen der UB Frankfurt (Frau vom Lehn, Frau Strobel, Frau Dr. Heuberger) oder aber auch an die KollegInnen der Verbundzentrale, die Ihre Fragen gerne weiterleiten.

(elr)
Bericht der Expertengruppen RSWK-SWD und DDC

Sitzung der EG RSWK-SWD am 10. 5. 2006, vormittags

Die zukünftige Form des Regelwerks für Formal- und Sacherschließer soll modulartig aufgebaut werden, sodass für den jeweiligen Zweck handliche Zusammenstellungen möglich sind. Dafür scheint eine Online-Ausgabe zwingend. Auf diese Weise könnten auch Desiderata wie RSWK für Musikalien und Musiktonträger leichter an-/eingegliedert werden (s.a. weiter unten).
Für die inhaltliche Revision der RSWK werden weiter Punkte gesammelt - auch aus den Verbünden werden Arnegungen und Nennung von Desiderata zum Regelwerk erwartet -, dann in kleineren Arbeitsgruppen behandelt, um anschließend im Plenum zeitsparend abgestimmt werden zu können.

Den Regelwerksänderungen in den §§ 7,5 (aufgrund der geänderten Form der Hinweissätze) und 18,3 (erweiterte Anwendung des Sprachcodes; jetzt auch bei literarischen Werken im weitesten Sinne) wird zugestimmt. In diesem Zusammenhang wird zugesagt, dass die Sprachcodes bald ins Netz gestellt werden sollen.

Betreffend RDA werden die für die Sacherschließung relevanten Bestimmungen benannt: Werktitel (zukünftig auch als Normdatensätze), Angaben über die Form (die alte inzwischen "eingeschlafene" Diskussion über die "Doppel-Erfassung" formaler Bestandteile und Codes durch Formal- und Sacherschließung wird wiederbelebt werden müssen) sowie Abstracs (es herrscht Übereinstimmung, dass dies in wissenschaftlichen Biblitheken allenfalls über Catalogue Enrichment erfolgen kann).
Die RDA werden als WEB-Produkt zu Verfügung gestellt werden.

Die Arbeitsergebnisse "Entwicklung eines gemeinsamen Normdatenformats (GND)" wurden vorgestellt. Sie sollen bis Mitte Juni von den Verbünden kommentiert werden., Die bislang nicht aufgeführten Bereiche Form, Zeit und Nichtdeskriptor (Hinweissatz) werden zur Ergänzung vorgeschlagen. Die Nennung weiterer fehlender Punkte ist erwünscht.

Unter dem Tagesordnungspunkt Verschiedenes konnten leider nicht alle vorgesehenen regelwerksbezogenen Einzelpunkte behandelt werden.
Die Übergangsregelungen für individualisierte Personennamenansetzungen, die ab 1. Juli 2006 gelten soll, wurden erläutert: Die Subfelder 310i+j werden DDB-Seitig geleert werden; Beruf und Funktion werden zukünftig im Feld 315 untergebracht und zwar sowohl die weite Berufsbezeichnung, die für die Individualisierung herangezogen wird, als auch weitere engere, auf die einige Anwender der PND Wert legen. Eine Liste der weiten Berufsbezeichnungen wird für den Juni diesen Jahres in Form eines Wiki avisiert. In der SWD sollen alle Berufsbezeichnungen, die für die Individualisierung herangezogen werden können, im Feld 011 mit einem Teilbestandskennzeichenversehen werden, um anzuzeigen, dass dieser Satz mit Feld 315b in der PND verknüpft werden darf.
Im Zusammenhang mit einer Renaissance der Nachfrage von sachlicher Erschließung von Musikalien und Tonträgern lagen Anleitung, Beispiele und Listen der Kooperativen Sacherschließung musikalischer Werke nach Besetzung sowie Form und Gattung des Südwest-Verbundes vor.
Auf Anfrage aus Österreich zur Nutzung der Einheitssachtitel der DMA wurde in Aussicht gestellt, dass im Zusammenhang mit der erweiterten Normdatenpflege ab Mitte 2007 von DDB auch eine Werktitel-Normdatei angeboten werden soll, in der dann auch die EST der DMA zugänglich gemacht werden. Begonnen wird die Datei wegen der überschaubaren Anzahl mit den biblischen Werken.
Interessierte Institutionen und Personen werden sich mit dieser Thematik auseinandersetzen.
Die Problematik der Ansetzung überörtlicher Pfarreien, die in den RSWK unzureichend geregelt ist, wurde besprochen. Das Regelwerk wird angesichts des laufenden GKR-Projektes nicht geändert; es werden auch keine MOs vergeben, aber k-Verweisungen können in 830 gemacht werden und ggf. sind MO-ähnliche Eintragungen in 808b unterzubringen.

Gemeinsame Sitzung der EG RSWK-SWD und EG DDC am 10. und 11. 5. 2006

Das Projekt Crisscross wurde in mehreren Vorträgen, Berichten und Präsentationen vorgestellt. Das Projekt beinhaltet das - in Teilen schon vorhandene - Mapping der drei Normdateien SWD, Rameau und LCSH untereinander und - neu - auf DDC-Klassen im Bereich Sachschlagwörter.
Ein solches Mapping wirft schon sehr viele Probleme beim verlinken der Normdateien auf, da Tiefenstruktur und Relationierung unterschiedlich sind. Die Problematik intensiviert sich, wenn dazu noch eine Verbindung mit einer  - mehr oder weniger - hierarchischen Klassifikation hergestellt werden soll.
Der Vortrag von Herrn Gödert setzte sich mit den theoretischen Implikationen des Projektes und seiner Strukturierung auseinander, was auch durch die Anforderung der Gutachter des Projektes nach einer "strategischen Einschätzung des zukünftigen Verhältnisses bibliothekarischer Sacherschließungsinstrumente zu Werkzeugen des Semantic Web" begründet war. Im wesentlichen verglich er DDC und SWD miteinander hinsichtlich ihrer Vor- und Nachteile für die Leitdatei (Backbone) des zukünftigen Instruments. Dieser Vergleich, bei dem die SWD nicht gut abschnitt, provozierte eine lebhafte Diskussion, und mündete u.a. in die allseitig begrüßte Forderung, die Relationen, die in hohem Maße in der SWD stecken endlich über die OPACs der Bibliothek für die inhaltliche Suche nutzbar zu machen.
Im Rahmen der Herbstsitzungen der Expertengruppen soll ein größerer zeitlicher Abschnitt für Informationen und Diskussionen zum Semantic Web vorgsehen werden.

Bei den CLIO-Betreibern (CLIO=Fachportal für die Geschichtswissenschaften) betehen Überlegungen, das für die sachliche Erschließung genutzte Vokabular der SWD (einen Thesaurus Geschichte gibt es nicht) durch die entsprechenden englischsprachigen Termini zu ergänzen, um CLIO für die internationale Nutzung attraktiver zu machen. Bislang sind in der SWD nur die im Deutschen gebräuchlichen englischsprachigen Synonyme zugelasssen. Die Absicht wird von den Mitgliedern der beiden Expertengruppen positiv beurteilt.

Durch die Umfrage der Sektion IV zur kooperativen Sacherschließung von Dissertationen und Reihe-B-Publikationen hat sich ergeben, dass doch eine ganze Reihe von Bibliotheken dazu bereit ist. Deshalb wird DDB ab 2007 die Kulturwissenschaften in Reihe B (Gruppen 700-900) doch wieder auch verbal erschließen. Im Bereich der Reihe B kamen die Angebote von Bayern (München), Mecklenburg-Vorpommern (Schwerin), Nordhesssen (Kassel) und Oldenburg (Oldenburg). Leider besteht noch keine technische Möglichkeit zum Datentransfer. Zur Zeit ist an eine Datenanreicherung über den "Katalogisierungspool der Verbünde" gedacht.

Sitzung der EG DDC am 11. 5. 2006, nachmittags

Seit dieser Sitzung ist Bayern mit Herrn Stumpf (Augsburg), der auch in der EG RSWK Bayern vertritt, in der Expertengruppe präsent.
Die DDC verkauft sich gut, auch "Melville", die Online-Lizenz von Melvil-Search und Melvil-Class, wurde schon 13 Mal lizensiert.
Die Einbindung von Melvil in den OPAC Der Deutschen Bibliothek wird ab Juni diesen Jahres erfolgen. Im Juli wird der erste Relaunch von Melvil erfolgen. Neu implementiert werden neue Klassen und Registereinträge von Web Dewey (die amerikanische "Online-DDC"), eigene neue Registereinträge, deutsche synthetische Notationen sowie die österreichischen und schweizerischen Parteien.
Um die Erschließung Der Deutschen Bibliothek mit DDC für die Verbünde attraktiver zu machen, steht die ERstellung einer Konkordanz mit der RVK an. Soweit bei einer späteren Nutzung einer solchen Konkordanz, die DDC-Daten im Hintergrund von Katalogen (OPACs, Portalen) bleiben, wird das copyright als unproblematisch angesehen. Bis zum Herbst soll seitens der Verbünde erhoben werden, welche Art Mapping gewünscht wird: von DDC zur RVK oder auch umgekehrt.
Auf der nächsten Sitzung, die im November stattfinden wird, soll das im GBV entwickelte Dekompositions-Tool zur DDC vorgestellt werden.



 


 

Christa Wittrock
UB Kassel
Gemeinsame Normdatei

Bericht über eine gemeinsame Sitzung der Expertengruppen RSWK-SWD und GKD am 9. Mai 2006

Es wurden die neuesten Entwicklungen bei den internationalen Katalogisierungsstandards (IME-ICC-Principles) und den internationalen Katalogisierungsregeln (RDA) referiert. Problematisch dabei erscheint die parallele Entwicklung; eigentlich müssen RDA auf den Principles aufbauen.  Im vorliegenden ersten Teil der RDA überraschen die vielen Optionen, da diese den internationalen Austausch erschweren. Erst im zweiten Teil werden u.a. die Sucheinstiege festgelegt.
Die endgültige Verabschiedung und Veröffentlichung der RDA ist in 2008 zu erwarten.
Mehr Informationen zum Thema auf den Webseiten der Arbeitsstelle für Standardisierung.

Zum eigentlichen Thema "Gemeinsame Ansetzungsregeln für Körperschaften (GKR)" wurde die in drei umfangreichen Papieren niedergelegte Vorarbeit zu den Entitätengruppen Körperschaften, Geographika bzw. Gebietskörperschaften und Kongresse mit Hinweis auf die wichtigsten Knackpunkte vorgestellt. Eine detaillierte Stellungnahme der Verbünde sollte bis zum 15.5.2006 erfolgen.

Bei der Entitätenbestimmung ist aus Sicht der Sacherschliessung (SE) die Namensänderung (Split-Entry) nach RAK-WB und AACR/RDA ein "Hauptknackpunkt". Die Ansetzung einer neuen Entität bei Namensänderung ist in der SE nicht üblich; bisher wurde unter der jeweils neuesten Namensform verzeichnet. Die Forderung der Projektgruppe "Für das Retrieval ist sicherzustellen, dass die sachliche Recherche mit älteren Namensformen auf den Datensatz mit den jeweils neuesten Namen führt" ist zwar begrüßenswert; aber die Umsetzung in lokalen OPACs und Portalen ist damit nicht getan.
Ein weiterer problematischer Punkt ist der größere Umfang bei der Entitätsbestimmung von Körperschaften und Kongressen. Die Trennung der Diskussionsstränge in Entitätenfestlegung und deren Verwendung ist schwierig und sehr theoretisch. Wozu sollen Entitäten bestimmt werden, wenn argumentiert wird, dass hinterher bei den Verwendungsregeln festgelegt werden kann, dass diese nicht zwingend in allen Fällen zur Titelbeschreibung benutzt werden müssen.

Klar ist, dass der derzeitige Abstimmungsprozess der Verbünde zunächst nur dazu dient, einen deutschen Standpunkt zu fundieren um diesen in die laufende RDA-Debatte einzubringen. Die Frage, ob und wo die künftigen gemeinsamen deutschen Regeln für Normdaten von den RDA abweichen kann erst zu einem späteren Zeitpunkt diskutiert werden.

Zum Thema Umstellung auf den Unicode-Zeichensatz gab DDB bekannt, dass für einen längeren Übergangszeitraum an die parallele Auslieferung von altem und neuem Zeichensatz gedacht ist. Das XML-Format wird allerdings jetzt schon in Unicode bedient.

Christa Wittrock/Monika Denker
UB Kassel/HeBIS-VZ
RDA – Resource Description and Access

Weiterer Schritt auf dem Weg zu einem neuen Regelwerk getan

Im Dezember 2005 hatte das Joint Steering Committee for Revision of AACR (JSC) den ersten Entwurfsteil für das neue Regelwerk "Resource Description and Access" (RDA) vorgelegt (wir berichteten darüber im HeBIScocktail 2006-1). Der Text hat ein breites Echo erfahren und wurde von verschiedenen Anwendergruppen ausführlich diskutiert und kommentiert. Einen Eindruck der Diskussionen vermittelt die den Entstehungsprozess begleitende RDA-Mailingliste, die jedem interessierten Bibliothekar/jeder interessierten Bibliothekarin offen steht. Das Archiv der Liste kann eingesehen werden unter http://www.collectionscanada.ca/jsc/rdadiscuss.html; dort sind auch Hinweise zur Subskription zu finden.

Am 13. Februar 2006 hat sich die Expertengruppe Formalerschließung getroffen und den ersten Teil des neuen Regelwerkes ebenfalls auf Herz und Nieren geprüft. Generell wurde festgestellt, dass man mit der Struktur und der terminologisch entrümpelten Sprache sehr zufrieden sei. In Detailfragen gab es jedoch inhaltlich abweichende Auffassungen oder Interpretationsunsicherheiten. Diese wurden in einer gemeinsamen deutschen Stellungnahme zusammengefasst, die dem JSC fristgerecht am 1. März überreicht wurde. Die deutsche Stellungnahme ist unter http://www.ddb.de/standardisierung/pdf/comments_rda_part1.pdf auf der Webseite der Arbeitsstelle für Standardisierung veröffentlicht worden.

Die eingegangenen Stellungnahmen sind auf der Sitzung des JSC Ende April gesichtet und bewertet worden. Als Reaktion darauf wurde eine Änderung der Struktur des Regelwerkes beschlossen: die auf drei Teile angelegte Gliederung wurde auf zwei Teile (A und B) reduziert; bibliographische Beschreibung und Sucheinsteige wurden entgegen der ursprünglichen Absicht wieder in einem Teil zusammengebracht. Die damit notwendig gewordenen Änderungen an dem bereits veröffentlichten Entwurfstext wurden bereits begonnen.

Am 20. Juni wurde nun der nächste Schritt auf dem Weg zu einem neuen Regelwerk getan und ein Entwurf für Teil A, Kapitel 6 und 7 vorgelegt. Kapitel 6 enthält allgemeine Vorgaben für Zitate, Sucheinstiege, eingebettete Beschreibungen, Verweisungen und ähnliches, mit denen die Bezüge eines beschriebenen Werkes zu anderen Werken hergestellt werden sollen. Außerdem werden spezielle Instruktionen für die Bezüge von Werken der Musik, der Kunst und des Rechts gegeben.

Kapitel 7 enthält allgemeine Richtlinien und Vorgaben für die Wahl des Haupt-Sucheinsteigs (zum richtigen Zitieren) sowie für weitere Sucheinstiege unter Personen, Familien und Körperschaften. Sonderregeln sind auch hier für den Umgang mit Werken der Musik und der Kunst, mit Gesetzestexten, religiösen Werken und anderen Schriftgattungen vorgesehen.

Der Textentwurf steht zur Verfügung unter der Adresse http://www.collectionscanada.ca/jsc/docs/5rda-parta-ch6&7.pdf und kann/soll wieder öffentlich diskutiert und kommentiert werden. Die Arbeitsstelle für Standardisierung wird abermals zusammen mit den zuständigen Expertengruppen eine deutsche Stellungnahme erarbeiten und an das JSC geben. Sollten Sie selbst Kommentare zum Regelwerksentwurf abgeben oder Vorschläge machen wollen, können Sie diese an die HeBIS-Vertreterin in der EGFE Formalerschließung, Rita Albrecht, übermitteln.

(ria)

Handbuch-Änderungen

Neue/aktualisierte Kapitel:

Keine Änderungen am HeBIS-Handbuch in dieser Ausgabe.

Protokolle

Keine neuen Protokolle vorhanden.

Impressum

HeBIScocktail 3/2006 (Juli 2006)

HeBIScocktail erscheint vierteljährlich als Hypertext (mit Druckausgabe) unter http://www.hebis.de/hebiscocktail/

Neue Ausgaben werden über Pica-List angekündigt.

Herausgeber: Hessisches BibliotheksInformationsSystem, Verbundzentrale, Frankfurt am Main

Redaktion: Monika Denker (mod), Tanja Kindt (tak), Heike Nienerza (hen), Herbert Adam (hea)
Weitere Autoren: Rita Albrecht (ria), Angelika Hinrichs (anh), Günter Pietzonka (güp), Elmar Reith (elr), Anja Tröger (ant)
Korrespondent: Hanspeter Schneider (BDV)
E-Mail-Adresse der Redaktion: hebiscocktail@ub.uni-frankfurt.de

Beiträge und Leserzuschriften sind sehr willkommen!

Hinweise für Autoren

HeBIScocktail 4/2006 erscheint Oktober 2006.

Redaktionsschluss: September 2006