HeBIScocktail
Ausgabe: 2008-3
Editorial

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Wissen bewegen...

so lautete das Motto des diesjährigen Bibliothekartages im Juni in Mannheim, der wieder ausreichend Gelegenheit für Informationsaustausch und Fortbildung bot.

Bewegt waren wir HeBIS-Mitarbeiter in diesem Quartal insbesondere jedoch vom Abschied unseres Leiters Rolf-Dieter Saevecke. Nach 24 Jahren im Hause der Universitätsbibliothek Frankfurt geht Herr Saevecke in den Ruhestand, die Leitung wird in Zukunft Hanspeter Schneider übernehmen. In diesem Cocktail erfahren Sie u.a., wie ereignisreich Herr Saeveckes Berufsjahre waren und welche umgreifenden Wandlungen er miterlebt und -gestaltet hat.

Um bei der Bewegung zu bleiben: Das Thema E-Books scheint nach gewissen Startschwierigkeiten mittlerweile doch endlich in Schwung zu kommen. Dr. Klaus Junkes-Kirchen von der UB Frankfurt analysiert die derzeitige Situation des "ewig neuen Mediums".

Am "ewigen Gebimmel" in Darmstadt ist u.a. eine Bibliothekarin schuld: Fr. Silvia Uhlemann aus der ULB Darmstadt, zu deren Aufgaben u.a. die Betreuung des Darmstädter Glockenspiels gehört, beweist, daß Bibliothekare durchaus flexibel (also beweglich) sein können.

(Die für diesen Beitrag neu eingeführten Rubrik "Der Aperitif" veranlasst vielleicht noch weitere Kolleginnen und Kollegen, über ausgefallene Tätigkeiten und Eigentümlichkeiten im Bibliotheks-Alltag zu berichten, wir sind gespannt!)

Viel Spaß bei der Lektüre wünscht

Ihr HeBIScocktail-Team





Aktuell

Verabschiedung Rolf-Dieter Saevecke
Brief von Rolf-Dieter Saevecke

Liebe Kolleginnen und Kollegen,



nach nun fast 24 Jahren StUB, UB, HZK, HeBIS-KAT, HeBIS96, HeBIS-Pica, HeBIS-OCLC heißt es für mich jetzt endgültig: Loslassen und Abschiednehmen. Es waren für mich viele Jahre voller Spannung (und gelegentlich auch voller Anspannung), in denen das Bibliothekswesen im Allgemeinen und das Hessische im Besonderen einige "Ruck-Jahre" (um es mit den Worten eines Alt-Bundespräsidenten auf den Punkt zu bringen) durchgemacht (und gelegentlich dabei auch durchlitten) hat. Ganz materialistisch mussten wir uns trennen vom so schön handlichen Katalogzettel (den man so herrlich kreativ nach eigenem Wissen und Gewissen gestalten konnte und mit dem man im HZK sogar Klavier spielen konnte !), gönnten uns noch eine kurze Verschnaufpause am Bildschirm (10 Min. pro Stunde .... das waren noch Zeiten !), um dann langsam Fahrt aufzunehmen mit Bits und Bytes und dann endgültig durchzustarten in die un-heimelige virtuelle Weite des World-Wide-Web, wo am Horizont immer neue Visionen (manchmal auch Versionen .. LBS4V2.8 lässt grüßen ....) auftauchen und wir versuchen, die Peilung nicht zu verlieren, um den nächsten Milestone zu erreichen.

Das alles lässt sich leichter tragen und ertragen (wie im richtigen Leben), wenn man nicht allein ist, sondern sich gemeinsam gegen die Informationsflut stemmen kann. Mit anderen Worten: ich danke Ihnen allen für die gute und (trotz einiger Versions-Schäden) erfolgreiche Zusammenarbeit im Verbund, schließe dabei meine Kolleginnen und Kollegen in Frankfurt nachhaltig mit ein, wünsche Ihnen weiterhin erfolgreiche Arbeit im Verbund zum Wohle unserer Kunden vor Ort und im Global-Net ..... und Ihnen persönlich wünsche ich Zufriedenheit, Erfolgserlebnisse und überhaupt: alles Gute!


Mit herzlichen Grüßen und tschüss, ich bin dann mal weg ....



Ihr Rolf-Dieter Saevecke

Verabschiedung Rolf-Dieter Saevecke
Gruss des HeBIS-Teams

Rolf-Dieter Seavecke
Rolf-Dieter Seavecke

Nach fast 24 Jahren im Haus der Universitätsbibliothek Frankfurt verabschiedet HeBIS seinen langjährigen Leiter Herrn Rolf-Dieter Saevecke in den Ruhestand und in einen neuen Lebensabschnitt mit anderen Herausforderungen als den bisherigen bibliotheksspezifischen Fragestellungen.

Mit Herrn Saevecke wandelte sich der Hessische Zentralkatalog (HZK) zum heutigen Hessischen Bibliotheks-Informations-System (HeBIS). Eine Entwicklung, die von Zettelkatalog und rotem Fernleihschein ins digitale Zeitalter mit OPAC und Online-Fernleihe führte. Heute ist HeBIS ein überregionaler Informations-Verbund mit mittlerweile weltweiter Vernetzung.

Die HeBIS-MitarbeiterInnen danken Herrn Saevecke für die langjährige Zusammenarbeit und wünschen ihm für den weiteren Lebensweg alles Gute, Glück und Gesundheit!

Verabschiedung Rolf-Dieter Saevecke
Veränderungen, Wandlungen und Umbrüche

Mit Ablauf des Monats Juli tritt Rolf Dieter Saevecke nach exakt 23 Jahren und 9 Monaten als Leiter zunächst des Hessischen Zentralkatalogs und dann später der HeBIS Verbundzentrale in den Ruhestand. Diese – seine Zeit – war geprägt von permanenten Veränderungen, von Wandlungen und Umbrüchen. Im Bibliothekswesen gibt es kaum Einrichtungen, die gerade in dieser Phase so stark von den technologischen Entwicklungen tangiert waren, wie die Zentralkataloge. Saevecke begann seine bibliothekarische Laufbahn nach Abschluss des Jura-Studiums und der bibliothekarischen Ausbildung 1973 an der „Deutschen Bibliothek“, wo er nach einer zunächst kurzen Phase als persönlicher Referent des Generaldirektors alsbald die Abteilung „zentrale Dienste“ übernahm. Schon in dieser Tätigkeit musste er sich mit den ersten Anwendungen der Datenverarbeitung (der Begriff IT wurde damals noch nicht verwendet) vertraut machen, gehörte doch die DB zu den Protagonisten einer maschinell erzeugten Nationalbibliographie. Aber es waren Anwendungen, die den Alltag der meisten Bibliothekarinnen und Bibliothekare nur am Rande tangierten. Sie waren ähnlich bedeutsam wie die Debatten über die Vor- und Nachteile von KWIC, KWOC und KWAC Indizes, also sagen wir ruhig, es waren Randphänomene.

Mit seinem Wechsel in den Dienst der Stadt Frankfurt am Main – der Hessische Zentralkatalog war damals noch eine Abteilung der Stadt- und Universitätsbibliothek – verschlug es ihn sozusagen in eine andere Welt. Zum Einen war es die dem HZK zugeordnete Aufgabe der Fernleihsteuerung, die neu war, neu schon deshalb, weil gerade die Fernleihe nun gar nicht zu den Kernaufgaben der DB gehörte, zum Anderen wurde die Datenverarbeitung gerade in dieser Phase von Stapelprozessen auf dialogorientierte Verarbeitung umgestellt und damit sozusagen direkt an den Arbeitsplatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter transportiert.

Mit der damals schon weit fortgeschrittenen Entwicklung von HeBIS-Mon und HeBIS-Kat musste er sich den vielfältigen Anforderungen stellen, die als Begleiterscheinungen der Einführung einer neuen Technologie im Raum standen. Hierzu gehörte nicht zuletzt auch die aktive Vertretung von als zukunftsweisend erkannten Positionen, die nicht auf – sagen wir vorsichtig uneingeschränkte Gegenliebe – bei etlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stießen. Saevecke ließ sich mit seiner ruhigen und sachlichen Art nie in emotional geführte Debatten hineinziehen; er blieb immer an der Sache orientiert, dem Ziel einer Verbesserung der Dienstleistungen verpflichtet.

Aber auch nach HeBIS-Kat blieb die Welt nicht stehen. Nach der Dialogverarbeitung folgte in einem zweiten Schritt die Konzentration auf die Endnutzer basierten Dienstleistungen sozusagen „auf dem Fuße“. Auch hier bei der Realisierung der Einführung aller Facetten der PICA Software erwies sich das hohe Maß an analytischen Fähigkeiten bei Rolf Dieter Saevecke für die hessische Leihverkehrsregion als Glücksfall. Er war es, der die Konzepte zur Einführung flächendeckender Schulungen erstellte, immer wieder überprüfte und verfeinerte und so technische Innovation und menschliche Ressourcen erfolgreich zusammen führte. Ich darf heute mit Fug und Recht sagen, dass es ohne ihn auch für mich wesentlich schwerer gewesen wäre, die zeitgleiche und fristgerechte Migration einer ganzen Region zu bewerkstelligen. Aber auch den klassischen Leihverkehr und diverse Zusatzaufgaben, wie die verschiedenen Metamorphosen der Hessischen Bibliographie galt es zu meistern.

Auch als absehbar war, dass die herkömmliche Funktion der Leihverkehrssteuerung ein Auslaufmodell wurde, fügte er sich nicht nur in das Unvermeidliche – die zu erwartende Schließung des HZK – nein, er gestaltete diesen Prozess aktiv und kontinuierlich in einer Weise, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter davon persönlich nicht negativ berührt wurden. Dabei vermied er es, große Versprechungen zu verkünden, denen dann nur kleine Realisierungen folgten, seine Stärke war die Umsetzung der notwendigen Änderungen ohne Pathos und ohne Selbstinszenierung.

Um erfolgreich zu sein, bedarf es aber nicht nur intensiver Arbeit, sondern auch einer Portion Glück. In Gestalt von Hanspeter Schneider, dem Leiter des IT-Teils von HeBIS wurde ihm dieses zu teil. Beide sind in gewisser Weise wesensverwandt und konnten sich so in geradezu idealer Weise ergänzen.

Rolf Dieter Saevecke war es vergönnt, an der Umgestaltung der Informationsregion Hessen von einer antiquierten, zettelbasierten Leihverkehrssteuerung hin zu einem umfassenden Nachweis- und Informationssystem an vorderer Stelle mit zu wirken und diesen Prozess aktiv mit zu gestalten. Er war und ist kein Mann der lauten Töne, eher ein Mann der konsequenten stetigen Durchdringung. Probleme sollten nicht verdrängt, aber auch nicht mit einem Paukenschlag, sondern eher evolutionär gelöst werden. Mit dieser Strategie hatte er letztlich dauerhaft Erfolg. Bei seiner Verabschiedung im letzten Monat zeigte sich das hohe Maß an Achtung, das er sich bei den Kolleginnen und Kollegen erworben hat; waren doch auch viele zugegen, die längst vor ihm in den Ruhestand getreten sind.

Rolf Dieter Saevecke hat in seiner beruflichen Zeit erfahren, dass kleine Schritte große Veränderungen nach sich ziehen können. Er hat eigentlich in 35 „Bibliotheksjahren“ nur einmal die Straßenseite gewechselt. Trotzdem diente er als Beamter dadurch nicht weniger als 4 „Dienstherren“. Zunächst war es die Deutsche Bibliothek, danach die Stadt Frankfurt am Main, anschließend das Land Hessen und zuletzt die Goethe Universität Frankfurt. Für den Juristen Saevecke lässt sich das auch so beschreiben: von der Anstalt über die Gebietskörperschaften bis zur Stiftung: eine Reise durch die juristischen Personen des Öffentlichen Rechts.

Aber auch im Kreise der anderen Teilnehmer der Leihverkehrsregion hat sich Rolf Dieter Saevecke hohes Ansehen erworben. Er war inzwischen das dienstälteste Mitglied der hessischen Direktorenkonferenz - und für manche aus diesem Teilnehmerkreis sicherlich wohltuend - der ruhende Gegenpol zu dem doch gelegentlich aufbrausenden Direktor der UB Frankfurt.

Allen, die mit ihm zusammengearbeitet haben bleibt nur, ihm jetzt noch vlele Jahre bei guter Gesundheit im Kreise seiner Familie zu wünschen. Er wird weiterhin die Produkte seines Wirkens umfassend nutzen können. An den Diskussionen der kommenden Jahre, ob wir überhaupt noch Katalogaufnahmen brauchen, oder diese nicht durch Abbildungen von Schutzumschlägen ersetzt werden können also sozusagen vom „catalogue record“ über das „enrichment“ zum „replacement“ muss er sich nicht mehr beteiligen. Und vielleicht ist es für jemand, der sich immer der Qualität verpflichtet fühlte auch leichter, diesen Strukturwandel hin zur Beliebigkeit nicht mehr mitmachen oder gar auch noch mitgestalten zu müssen.

Berndt Dugall E-Mail an AutorIn
UB Frankfurt, HeBIS-Verbundleiter
Verabschiedung Rolf-Dieter Saevecke / Fotos
Impressionen der Abschiedsfeier

Im Rahmen einer kleinen Abschiedsfeier verabschiedete sich Herr Saevecke von seinen Kollegen und Kolleginnen der Universitätsbibliothek Frankfurt.
Anfolgend einige Bild-Impressionen:

Abschieds-Buffet
Anrichten des Buffets
Abschiedsgeschenk
R. Saevecke mit Abschiedsgeschenk
HeBIS-Team beim Abschied
HeBIS-Team bei Geschenkübergabe
Abschiedsgeschenk des HeBIS-Team
R.Saevecke
Abschiedsrede Dugall
B.Dugall verabschiedet R.Saevecke

Eröffnung Buffet
Eröffnung des Buffets
Gäste
Gäste
Gespräch
R.Saevecke im Gespräch
Telefonat mit Schneider
Telefonische Abschiedsgrüße
Geschnkeübergabe
Geschenkübergabe
Geschenk
R.Saevecke



(miju)

Themen

Neue Medien
Thema E-Books – und wie beginnen….?

Das Thema E-Books beschäftigt die Bibliothekswelt nun seit den ersten Anfängen im Jahre 2001 mit wachsender Präsenz auch auf den Bibliothekartagen.

So war auch in Mannheim am 4. Juni 2008, trotz beeindruckender Saalgröße (390 Sitzplätze), die Vortragsreihe mit dem Titel „E-Book – das ewig neue Medium“ überbelegt. Was bewegt die Bibliothekswelt an diesem Medium? Dieser Frage nachgegangen waren fünf Vortragende, die sich vom Reifezustand des Marktes bis hin zum praktischen Umgang bei der Einführung eines E-Book-Angebotes Gedanken gemacht haben.

Und wenn auch alle Vortragenden letztendlich zu dem Schluss kamen, dass der Markt für E-Books noch nicht den professionellen Reifegrad erreicht hat, den man sich wünschen würde, um den Erwerb und das Angebot von E-Book-Titeln als „Normalfall“ betrachten zu können, so war doch auch zu erkennen, dass die gesammelten Erfahrungen der letzten zwei, drei Jahre einen Katalog konkreter Anforderungen und Wünsche haben entstehen lassen, den man den Anbietern von E-Books präsentieren kann und dessen praktische Umsetzung den Verlagen den gewünschten Erfolg sicher näher bringen würde, kurz, die Fachwelt mehr Sicherheit im praktischen Umgang mit dem neuen Medium gewonnen hat.


Die wichtigsten Erfordernisse seien kurz aufgezählt:

  1. Integration von E-Book-Titeln in Neuerscheinungsdiensten als Bestellunterlage
  2. Verlagsunabhängige Bestellmöglichkeiten über den Buchhandel (auch als Einzelbestellung)
  3. Lieferung von verwertbaren Metadaten zur Integration in OPACS, Portalen und anderen Nachweisinstrumenten

    Kurz: das neue Medium soll im Geschäftsgang einer Bibliothek so domestiziert werden und beherrschbar sein, wie wir es von seiner gedruckten, viel älteren Schwester her kennen.

  4. und vor allen Dingen: Mehr deutschsprachige (!) Titel und darunter auch Lehrbücher für das Studium, und nicht nur retrodigitalisierte Ladenhüter, Ratgeber für Kakteenzucht oder hochspezielle Titel für Fachwissenschaftler.

Eine, man möchte fast schon sagen, ideologisch befrachtete Grundsatzfrage ist die des Umgangs mit Verlagspaketen.

Die Befürworter bringen das Argument der kritischen Masse ins Spiel, nur so würden die Nutzer von den Vorteilen der elektronischen Bücher überzeugt werden können, nach dem Motto „Viel hilft viel“. Pakete werden teilweise hoch rabattiert, das spare Gelder. Da E-Books keinen Raum in Magazinen belegen, sei auch hier die Frage der Quantität nicht von Belang.

Die Skeptiker und Gegner von Paketkäufen hingegen führen an, dass durch solche Käufe große Anteile der Etats gebunden werden, das Marketingkonzept der Verlage in den Bibliotheken als Erfüllungsgehilfen aufgehe, ohne dass eine konkrete Nachfrage bei den Nutzern bestünde. Dazu käme viel irrelevantes Material ins Angebot, also auch Titel, um die man in gedruckter Form einen großen Bogen gemacht hätte (siehe oben).

Letztendlich muss aber jede Bibliothek vor Ort entscheiden, welchen Weg sie gehen möchte und dies – hoffentlich – orientiert an den konkreten Bedürfnissen der Nutzer und nicht an einer - temporär günstigen - Kassenlage.


Wer diese Ausführungen ausführlicher nachlesen möchte, kann die Vorträge auf BIB-OPUS die Folien, teilweise auch mit Vortragstexten zum Thema "E-Book - das ewig neue Medium" einsehen.1


So bleibt es immer noch spannend mit den E-Books. Wie sich die Marktentwicklung orientieren wird und ob es den großen Durchbruch gibt, wird sich in den nächsten zwei, drei Jahren zeigen. Die normative Kraft des Faktischen wird das ihrige dazutun, dass sich dieses Medium am Markt etabliert. Funktionieren erst einmal die Geschäftsgänge im Routinebetrieb und werden die „richtigen“ Titel angeboten, werden die Bibliotheken auch dieses Medium in größeren Stil in ihr Angebotsspektrum inkorporieren.

Und dann wird das Thema auf dem Bibliothekartag sicherlich heißen: „E-Books: das alte neue Medium“.





1 Auch wichtig zu wissen und zu kennen: http://ebookstandards.ub.uni-muenchen.de/wiki/Hauptseite eine Zusammenstellung von Qualitätsanforderungen an E-Book-Standards aus bibliothekarischer Sicht, die von der AG E-Books im Bibliotheksverbund Bayern erstellt wurde.

Schon etwas älter (1,5 Jahre) aber immer noch relevant: „Vier Jahre E-Books ... und kein bisschen weise? (Seminar der Hochschule der Medien in Kooperation mit der Universitätsbibliothek Stuttgart und der Expertengruppe Erwerbung und Bestandsentwicklung im Deutschen Bibliotheksverband am 23. April 2007)“ http://elib.uni-stuttgart.de/opus/portal/3070/

Ganz aktuell: Michaela Hammerl, Klaus Kempf, Hildegard Schäffler :“E-Books in wissenschaftlichen Bibliotheken: Versuch einer Bestandsaufnahme“ In: ZfBB 55 (2008) 2, S. 68-78.


Dr. Klaus Junkes-Kirchen E-Mail an AutorIn
UB Frankfurt
Provenienzerschließung
"… in Dankbarkeit zugeeignet …" – Die Widmung führt zum Vorbesitzer

Kooperative Provenienzerschließung im HeBIS-Verbund


Die Erschließung der Herkunft von Büchern innerhalb eines Bibliotheksbestandes ist ein besonderes Anliegen von Bibliotheken mit großen Altbeständen (Handschriften, Inkunabeln, Alte Drucke). Aufschluss über den Weg, den ein Buch durch die Hände von privaten Büchersammlern und Bibliotheken genommen hat, können zum Beispiel Besitzvermerke, Bucheinbände oder Widmungen geben.

Längst ist aber die Provenienzerschließung nicht mehr allein auf Altbestände beschränkt; eine besondere Bedeutung kommt ihr unter anderem im Zusammenhang mit der Aufklärung des Schicksals jüdischen Vermögens in und nach der NS-Zeit zu. Auch Nachlässe oder wertvolle Schenkungen aus jüngerer Zeit werden gerne zusätzlich nach ihrer Herkunft erschlossen.

Die Erschließung von Provenienzen ist ein äußerst aufwendiges und zeitintensives Geschäft, denn oft ist sie mit umfangreichen Recherchen, Korrespondenzen, detektivischem Spürsinn und einer guten Portion Beharrlichkeit verbunden1.

Unter ökonomischen Gesichtspunkten ist es somit mehr als sinnvoll, die Erkenntnisse aus einem solchen Prozess nicht in der Schublade eines Bibliothekars verschwinden zu lassen, sondern sie mit anderen Bibliotheken und Bibliothekaren zu teilen. Das bewusste Kooperieren zum Erreichen von Synergieffekten wiederum ist die klassische Grundlage jedes Bibliotheksverbundes.

Für den HeBIS-Verbund wurde deshalb von Experten entschieden, Provenienzerschließung künftig kooperativ zu betreiben. Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern/Vertreterinnen verschiedener Bibliotheken und Mitarbeiterinnen der Verbundzentrale hat in den letzten Monaten die Rahmenbedigungen einer solchen kooperativen Provenienzerschließung sowie deren praktische Ausgestaltung definiert; in der Verbundzentrale wurden die notwendigen technische Vorbereitungen umgesetzt.

Die Praxis der Provenienzerschließung im HeBIS-Verbund setzt darauf, bereits vorhandene Daten und Standards konsequent nachzunutzen. Ein Provenienzeintrag besteht immer aus der Angabe des oder der Vorbesitzer und fakultativ aus Angaben zu besonderen Merkmalen des vorliegenden Exemplars.

Die Erfassung erfolgt idealerweise normiert, um Zusammengehörigkeiten erkennen und herstellen zu können (z.B. versprengte Bestände einer aufgelösten Bibliothek oder Privatsammlung). Da in Deutschland mit der Personennamendatei (PND) und der Gemeinsamen Körperschaftsdatei (GKD) bereits normierte Daten vorliegen, liegt es nahe, diese für die Erfassung von Vorbesitzern zu nutzen.

Flankierend wurde bei der Deutschen Nationalbibliothek beantragt, die Normdatensätze um für die Provenienzerschließung wesentliche Informationen zu erweitern. Für die Fälle, in denen die Informationen zu einem Vorbesitzer (noch) nicht die Verzeichnung der Person in der überregionalen PND erlauben, wird in HeBIS ein neuer Typ von Personennormsatz eingeführt ("Tni"), der ausschließlich für die Provenienzerschließung zur Verfügung steht.

Neu wird für den HeBIS-Verbund auch sein, dass Normdatenverknüpfungen (für Vorbesitzer) in den Exemplardaten vorgenommen werden. Dafür stehen die Kategorien 6880 bis 6898 zur Verfügung. OCLC wurde damit beauftragt, im Sinne der kooperativen Arbeitsweise im Zentralsystem eine ILN-übergreifende Suche für die Vorbesitzer-Einträge in den Exemplardaten zu realisieren, die bisher nicht vorgesehen ist.

Exemplarspezifische besondere Merkmale werden unter Nutzung der Deskriptoren des Thesaurus der Provenienzbegriffe (T-PRO)2 in der wiederholbaren Kategorie 6899 erfasst. Auf eine prinzipiell mögliche Kettenbildung wird dabei aber bewusst verzichtet. Die Verbundzentrale stellt eine Tabelle aller Deskriptoren zur Verfügung, die in die WinIBW eingebunden werden kann. Zusätzlich steht Kategorie 4801 für eine ausführliche Beschreibung der exemplarspezifischen Merkmale mit einem Freitext zur Verfügung.

Wenn es sinnvoll erscheint, für eine genauere Identifizierung von besonderen Merkmalen eine Abbildung derselben zur Verfügung zu stellen (z. B. von einem Exlibris, einem Wappen, einer Widmung, einem Einband etc.), kann künftig ein Scan oder ein Foto hergestellt und auf einem zentralen Server abgelegt werden. Die elektronische Adresse der Abbildung wird in den Exemplardatensatz oder bei Bedarf auch in den Normdatensatz des Vorbesitzers eingesteuert.

Zur Unterstützung der praktischen Arbeit bei der Provenienzverzeichnung wird derzeit ein Praxisleitfaden unter Federführung der Stadtbibliothek Mainz erstellt, die bereits über einige Erfahrungen auf dem Feld verfügt.

Der gegenseitig Austausch von Provenienzexperten untereinander wird ab sofort von einer bundesweiten Mailingliste3 unterstützt, die auch über ein durchsuchbares Archiv verfügt, um einmal gewonnene Erkenntnisse dauerhaft zu sichern.



1 Siehe hierzu auch:
Ottermann, Annelen: Der Geschichte unserer Bücher auf der Spur. In: HeBIScocktail, 1/2008


2 In: Arbeitsgemeinschaft Alte Drucke (AAD) beim Gemeinsamen Bibliotheksverbund: Empfehlungen zur Provenienzverzeichnung. Weimar 2003 (PDF), S. 10ff.


3 Aufnahme auf die Liste nur über persönliche Kontaktaufnahme mit Rita Albrecht, HeBIS-Verbundzentrale, Email r.albrecht@ub.uni-frankfurt.de, möglich


R. Albrecht E-Mail an AutorIn
HeBIS

Verbundprojekte

Fernleihe

HeBIS-Projekt „BibDir“ stellt sich auf dem Bibliothekartag 2008 vor

Das von der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) geförderte Projekt „Ent­wick­lung und Implementierung eines verbundübergreifenden Informa­tions­dienstes für Bibliotheksdaten“, kurz „BibDir“ nutzte die Gelegenheit, sich der Fach­öffentlichkeit während des Bibliothekartages 2008 in Mannheim vorzustellen. Die Präsentationen am HeBIS-Stand weckten großes Interesse und wurden von vielen Besuchern gezielt aufgesucht. Die Besucher konnten nachvollziehen, dass BibDir trotz der eher abstrakt klingenden Zielstellung, eine „innovative, an internationalen Stan­dards orientierte technische Infrastruktur für Bibliotheken und Bibliotheksver­bünde aufzubauen“, gleich auf mehreren Ebenen die Arbeit in Bibliotheken und Bibliotheks­verbünden erleichtern und verbessern kann.

Mit BibDir werden die in den Verbünden relativ abgeschottet existierenden Daten zu Bibliotheken und deren Leistungen auch verbundübergeifend sichtbar und damit erst verwertbar. Was nutzen Kontaktdaten der Fernleihabteilungen oder Informationen zu Schließzeiten, wenn diese selbst verbundintern nur mühsam und verbund­über­greifend in der Regel gar nicht gefunden werden? Was nutzen filigrane elektronische Dienste wie Chatbots oder die Bereitstellung von speziellen OPACs, wenn selbst die Zugangsdaten hierüber in den Untiefen von ‚Homepages’ faktisch unter Verschluß gehalten werden?

BibDir zielt darauf, diese Daten in einem übergreifenden System zu bündeln und vor allem für bibliotheks- und verbundeigene Systeme (auch maschinell) lesbar zu machen. Mit BibDir als verbundübergreifendem Informationsdienst für Bibliotheks­daten

  • werden bestehende verbundübergreifende Dienste qualitativ und quantitativ verbessert (geringere Kosten, mehr Transparenz, höhere Geschwindigkeit, zielgenauere Angebote)
  • wird für Bibliotheken und Bibliotheksverbünde eine stets ak­tuelle Datenbasis an bibliotheksbezogenen Daten zur Verfügung gestellt und damit neue (ver­bund­übergreifende) Dienste erleichtert oder überhaupt erst möglich gemacht.

BibDir ist dabei nicht in erster Linie für die unmittelbare Nutzung als Auskunftsdienst für Bib­liotheks­nutzer oder Fachpersonal gedacht, sondern als Hintergrunddienst für die in Ver­bün­den und Bibliotheken eingesetzten Dienste. Entsprechend liefert eine An­frage an BibDir nicht nur Bibliotheksadressdatensätze, sondern detaillierte, gerade für die auto­matisierten Dienste not­wendigen biblio­theks- und bibliotheks­system­be­zo­genen Daten. Am Beispiel der verbundübergreifenden Fernleihe reicht dies von der Steuer­ung der verbundinternen und verbundübergreifenden Leitwege (Auffinden mög­licher und zulässiger Lieferbibliotheken für eine Fernleihbestellung, Ermittlung von zusätzlichen Fernleihdiensten und Ansprechparten), über die Unterstützung im Be­reich Formulardruck und Rechnungswesen (zentrale Datenbasis zur Erzeugung auch elektronischer Begleitschreiben, Unterstützung von Ab­rech­nungs­vorgängen und Mahn­wesen) bis zum Einsatz von BibDir beim Dokumenten­versand.


Aufzählungszeichen blauer Pfeil Präsentation BibDir (PDF)

Kontakt:      

Dr. Uwe Risch
Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, HeBIS-IT
bibdir.info@mlist.uni-frankfurt.de
Dr. Uwe Risch E-Mail an AutorIn
HeBIS-IT
Jubiläum

30 Jahre Hessische Bibliographie (1977-2007)

Ausstellung, Jubiläumsfeier und Teil-Ausstellungen

Konzept, Durchführung und Resonanz


Die Planungen für das 30jährige Jubiläum der Hessischen Bibliographie begannen im Jahr 2005 mit dem Wunsch der Arbeitsgemeinschaft Hessische Bibliographie, dieses Jubiläum nicht unbemerkt verstreichen zu lassen. Das Jubiläum sollte u. a. dazu genutzt werden, verstärkt auf die Hessische Bibliographie und ihre Dienstleistungen aufmerksam zu machen.

Im Juni 2006 begannen die gemeinsamen Planungen auf der Grundlage eines ersten Konzepts der Zentralredaktion, das eine Ausstellung mit Eröffnungs- bzw. Jubiläumsfeier in der Heimatbibliothek der Zentralredaktion, der UB Frankfurt, vorsah.


Die Ausstellung

Plakat \"7 Partner - Ein Ziel\"
Ausstellungsplakat

Der Focus der Veranstaltung war im ersten Teil der Ausstellung auf Geschichte und Entwicklung der Hessischen Bibliographie, auf allgemeine Informationen zum Inhalt und auf das aktuelle Erscheinungsbild der Datenbank gerichtet.

Besonders herausgestellt wurde die Bibliographie als Gemeinschaftsprojekt der sieben wissenschaftlichen Bibliotheken in Darmstadt, Frankfurt, Fulda, Gießen, Marburg, Kassel und Wiesbaden.


Im zweiten Teil der Ausstellung präsentierten deshalb die Teilnehmer-Bibliotheken jeweils ein Porträt ihrer Bibliothek und ihren Beitrag für die Hessische Bibliographie anhand einer exemplarischen Auswahl von dafür ausgewerteten und verzeichneten Büchern, Zeitschriften, Festschriften, CDs, Videos, DVDs, CD-ROMs.

Auf diese Weise wurde deutlich, wer ‚hinter’ der Hessischen Bibliographie steht, wie vielfältig das nachgewiesene Titelmaterial ist und wie die Titelnachweise in die Datenbank kommen. Einzelne Titelnachweise aus dem OPAC der Hessischen Bibliographie wurden gemeinsam mit der ausgewerteten Quelle gezeigt, so dass der Weg von der Quelle bis zum Titelnachweis in der Datenbank transparent wurde.


Die Eröffnungsveranstaltung / Jubiläumsfeier

Hessiche Amtsschriften
Hessische Amtsschriften

Die Veranstaltung fand am 6. Juni 2007 in der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg in Frankfurt am Main statt, zu der Bibliotheksdirektor Berndt Dugall gut 80 geladene Gäste begrüßen konnte.

Als Gastredner sprachen Aloys Lenz (MdL), Vorsitzender des Deutschen Bibliotheksverbandes des Landes Hessen und Dr. Andreas Hedwig, Direktor des Hessischen Staatsarchivs Marburg und Vorsitzender der Historischen Kommission für Hessen. Für die Arbeitsgemeinschaft Hessische Bibliographie sprach Rolf-Dieter Saevecke, Abteilungsleiter HZK/HeBIS in der UB Frankfurt.

Das Redaktionsteam der Zentralredaktion Hessische Bibliographie zeigte eine Powerpoint-Präsentation zur Hessischen Bibliographie, die von Frau Störch erläutert wurde.


Für den vergnüglichen Teil der Veranstaltung waren ein Rezitator nebst Begleitung engagiert worden, die in hessischer Mundart über Hessen, die Hessische Bibliographie u. v. m. plauderten. (Nachzulesen im ausführlichen Bericht im HeBIScocktail 3/2007: 30 Jahre Hessische Bibliographie)


Fotodokumentation

Auf Grund des über Hessen hinausgehenden Interesses wurde später eine Fotodokumentation der Ausstellung (PDF) erstellt, über die Seiten der Universitätsbibliothek Frankfurt für alle Interessierten bis zum Sommer 2008 einsehbar ist.


DVD

Über die Ausstellung und von der Jubiläumsfeier wurde eine DVD produziert, die im HeBIS-Verbund und damit auch im OPAC der Hessischen Bibliographie nachgewiesen ist und über Fernleihe bzw. Ortsausleihe ausgeliehen werden kann:


30 Jahre Hessische Bibliographie : 1977 – 2007“ / Produktion: Matthias Kromer. Frankfurt, 2007


Wander- bzw. Teil-Ausstellungen

Wander- bzw. Teil-Ausstellungen zum Jubiläum der Hessischen Bibliographie in den Teilnehmerbibliotheken der Arbeitsgemeinschaft bildeten von Beginn an einen Teil des Konzepts.


Zwischenzeitlich wurden folgende lokalen Ausstellungen realisiert:

  • Darmstadt, Universitäts- und Landesbibliothek, vom 6. bis 26.9.2007
  • Wiesbaden, Hessische Landesbibliothek, vom 6.11. bis 1.12.2007
  • Fulda, Hochschul- und Landesbibliothek, vom 6.12.2007 bis 31.1.2008
  • Gießen, Universitätsbibliothek, seit April 2008
Ausstellungsbereich in Gießen
Ausstellungsbereich der Universitätsbibliothek Gießen

Andrea Hartmann E-Mail an AutorIn
Hessische Bibliographie

Neues von den Datenbanken

PND
PND-Neuerungen / Integration der Personendatensätze des Deutschen Musikarchivs (DMA)
Im Zusammenhang mit der Einführung des Online-Redaktionsverfahrens für die PND wurden Anfang April neue Kennungen für die Arbeit in der ÜPND eingeführt sowie einige Änderungen im PND-Format vorgenommen. Alle neuen bzw. geänderten Felder werden auch in HeBIS angezeigt.

Neue / geänderte Felder:

  • In Feld 005 wird in ILTIS an der 3. Position bzw. in HeBIS an der 4. Position ein Katalogisierungslevel in Form einer Ziffer von 1-8 angegeben (z.B. 1 = Verbundredaktion, 3 = geschultes Personal, 4= ungeschultes Personal, 6= Altdaten, nicht redaktionell bearbeitet). Dieses steht in Zusammenhang mit den neuen Kennungen und wird bei der Erfassung eines PND-Satzes in ILTIS automatisch erzeugt.
  • Neu ist Feld 903 (ISIL): Hier wird in 903 |e| der ISIL (= "International Standard Identifier for Libraries and Related Organizations") der Urheber-Bibliothek des Datensatzes angegeben und in 903 |r| der des redaktionell zuständigen Verbundes bzw. der redaktionell zuständigen Institution. Die beiden Felder werden bei der Erfassung eines PND-Satzes in ILTIS automatisch aus der Kennung erzeugt (Pflichtfeld).
  • Feld 901 (Mailbox-Feld) ist neu strukturiert worden: Zur Mailboxadressierung werden nun die in Feld 903 |r| (redaktionell zuständiger Verbund bzw. redaktionell zuständige Institution) angegebenen ISILs verwendet. Die bisher verwendeten Buchstabenabkürzungen für Mailboxempfänger und –absender entfallen. Die älteren, bisher noch nicht abgearbeiteten Mailboxen bleiben aber vorläufig in der alten Struktur erhalten.
  • Die Felder 310 |z| (Studienfach), 310 |q| (Adelstitel) und 310 |f| (Exilland), die in ILTIS schon seit Jahren benutzt wurden, werden nun über MAB ausgeliefert und damit jetzt auch nach HeBIS übernommen.

Neue Kennungen / Katalogisierungslevel

Über die neuen Anmeldekennungen wird die Vergabe des Katalogisierungslevels und des ISILs gesteuert.
HeBIS-Bibliotheken benutzen nur die Kennungen für Level 1 (Redaktionskennung) und Level 3 (Katalogisierungskennung). Beide Kennungen erzeugen bei der Aufnahme eines Tp-Satzes in Kategorie 005 an der dritten Position den Katalogisierungslevel 3. Beide Kennungen erzeugen auch in den Feldern 903 automatisch den ISIL der Urheberbibliothek. Dabei werden sowohl 903|e| (ISIL der Urheber-Bibliothek des Datensatzes) als auch 903|r| (ISIL des redaktionell zuständigen Verbundes bzw. der redaktionell zuständigen Institution) jeweils mit dem gleichen ISIL besetzt, d.h. bei HeBIS-Bibliotheken sind Urheberbibliothek und redaktionell zuständige Institution immer identisch.

Die Level 1-Kennung beinhaltet gegenüber Level 3 folgende erweiterte Befugnisse:
  • Änderung des Katalogisierungslevel von 3 auf 1 (wenn man mit der Level 1-Kennung angemeldet ist, wird ein neu aufgenommener Tp-Satz zwar mit Level 3 abgespeichert, kann dann aber gegebenenfalls manuell hochgesetzt werden).
  • Ansetzungsänderungen in Personensätzen mit Level 1 und darunter (entspr. PND-Redaktionsanleitung)
  • Umlenkungen von Datensätzen, auch von Datensätzen fremder Urheber
  • Schreiben von Mailboxnachrichten.

Die Vergabe von Level 1 bedeutet u.a., dass:
  • der Tp-Satz von einer Verbundredaktion mit Katalogisierungslevel 1 redaktionell bearbeitet bzw. neu erstellt worden ist (mit Pflichtangabe der Quelle in Feld 101|a|) und
  • im Datensatz individualisierende Angaben ausreichend vorhanden sind, d.h. mindestens 1 Individualisierungsmerkmal der Gruppe 1 (Lebensjahre, Berufsbezeichnungen) sowie weitere Merkmale der Gruppe 1 oder 2 (Weitere Individualisierungsmerkmale) - hier gehen die Anforderungen also über die der PND-Individualisierungsrichtlinie hinaus.

Level 3 (Geschultes Personal):

Neu gegenüber der bisherigen Praxis ist, dass bei offensichtlichen Schreibfehlern auch an “fremden“ Datensätzen (bis zu Level 3 und darunter) die Ansetzung korrigiert werden darf. Level 3 berechtigt aber nicht zum Schreiben von Mailboxen. Alle Ansetzungsänderungen - außer bei Schreibfehlern - und Umlenkungen müssen daher bei der zuständigen eigenen lokalen Redaktion beantragt werden. Ergänzungen von individualisierenden Angaben in vorhandenen PND-Sätzen, Ergänzungen von zusätzlichen Feldern wie Verweisungsformen, individualisierenden Angaben usw. sowie Korrekturen bereits vorhandener Felder oder Feldinhalte (mit Ausnahme von Korrekturen in der Ansetzungsform) dürfen vorgenommen werden.

Neue ÜPND-Grundlieferung / Einspielung PND-Daten des DMA:

Ende Juni wurde in der HeBIS-PND eine Grundlieferung der Überregionalen PND eingespielt, mit der alle Tp- und Tnv-Sätze auf das neue Format upgedatet wurden. Diese Lieferung enthielt auch alle Personensätze aus dem Deutschen Musikarchiv (ca. 118.000 neue Datensätze und ca. 14.000 Merges mit vorhandenen Sätzen), die damit ebenfalls in die HeBIS-PND übernommen wurden. Für diese Personensätze sind folgende neue Felder eingerichtet worden (Angaben durch Codes):

  • Feld 320 "Weite Funktionsbezeichnung" (Komponist, Interpret, Sonst. Person)
  • Feld 321 "Angaben zu Interpreten" (Instrumente der E- und U-Musik)
  • Feld 322 "Angaben zu sonstigen Funktionen" (z. B. Herausgeber)
  • Feld 027 enthält die DMA-Nummer.
Elmar Reith E-Mail an AutorIn
HeBIS-VZ

Mitteilungen der Verbundzentrale

Metadateneinspielung zu „Deutschsprachige Frauenliteratur des 18. & 19. Jahrhunderts (Teil 1 und 2) abgeschlossen
Anfang Juli konnte eine weitere Metadateneinspielung für eine Monografien-Sammlung aus Nationallizenzen erfolgreich abgeschlossen werden. Wir haben die Katalogisate zu "Deutschsprachige Frauenliteratur des 18. & 19. Jahrhunderts" ins CBS importiert und anschließend Lizenzexemplare für diejenigen Bibliotheken gebildet, die eine Belieferung ihrer OPACs wünschten.

Die Sammlung umfasst insgesamt über 220.000 Seiten aus knapp 900 E-Books von Autorinnen des 19. Jahrhunderts. Die E-Books wurden von Büchern erstellt, die ursprünglich in der Zeit der Klassik, Romantik, Junges Deutschland und Vormärz sowie danach publiziert wurden und aus Beständen der Fürstlichen Bibliothek Corvey stammen.

Die E-Books enthalten digital verbesserte Faksimiles der historischen Buchseiten mit Links zu relevanten Textstellen der Werke. Diese E-Book- Sammlung enthält vor allem Kurzgeschichten, aber auch Dramen, Reiseliteratur, Kinderbücher, Biographien und Memoiren. Die Metadaten stammen vom Anbieter des Produktes, der Firma Belser Wissenschaftlicher Dienst, und wurden von der VZG in Göttingen in deutsches MAB2-Format umgesetzt. Die Personennamen wurden ohne Normdatenverknüpfung übernommen.

Falls Sie sich einige Datensätze anschauen möchten:
- Im CBS über die WinIBW suchen Sie am besten mit  f nlz "zdb 1 dfl" (nach dem Produktsigel; Suchbegriff muss in Anführungszeichen gesetzt werden). So finden Sie sämtliche Datensätze.
- Im VerbundOPAC (Bestandssicht Online-Publikationen) mit lzi: v199 (Lizenzindikator). So finden Sie nur Monographien und Bandsätze, da in c-Sätzen die Kategorie 4085 nicht besetzt wurde.
Maren Schwingel-Bechtold E-Mail an AutorIn
Personalia
Neue MitarbeiterInnen bei HeBIS

HeBIS begrüsst neue MitarbeiterInnen:

 

Verbundzentrale:

Frau Evgenia Heinz unterstützt seit 01.07. die VZ im Bereich Portal und Benutzeroberflächen.
Kontakt: E.Heinz@ub.uni-frankfurt.de, Tel. 069-798 39 657.

HeBIS-IT:

Frau Stanislava Trambabova ist seit 01.07. im Team für das DFG-geförderte Projekt BibDir tätig.
Kontakt: trambabova@hebis.uni-frankfurt.de, Tel.: 069-798 23 522.

Hr. Axel Doerrer hat seinen Aufgabenbereich erweitert und unterstützt neben seiner Tätigkeit in der HeBIS-IT (Bereich: Authentifizierung) ab 01.07. die Geschäftsstelle des  HeBIS-Konsortiums.
Kontakt: doerrer@hebis.uni-frankfurt.de, Tel.: (069) 798 22 651.

(tak)

Gremienberichte

GKD
GKD-Redaktionssitzung

Integration der DMA-Körperschaftssätze

Die Zusammenführung der Normdaten aus dem Deutschen Musikarchiv mit den Masterdateien der DNB ist abgeschlossen. In die GKD wurden ca. 60.000 neue Körperschaften eingespielt. Mit automatischen Verfahren wurden Dubletten bereinigt und Fehlerlisten erzeugt, deren Bearbeitung von der Redaktion des DMA noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird.


Mit dem Einspielen der vielen Musikgruppen in die GKD ergibt sich nun an einigen Stellen das Problem der Gleichnamigkeit von Musik-Körperschaft und Gebietskörperschaft bzw. Geografikum. Deshalb wird zur Unterscheidung in der Kurztitelanzeige künftig das Merkmal "Typ der Körperschaft" (Kat. 009) immer mit angezeigt.

Beispiel:

1  Tbv   Berlin     mx
2  Tbv   Berlin     gx

Unschön ist, dass alle Körperschaften des DMA derzeit noch den veralteten Code mz tragen. Dies soll jedoch in einem Lauf demnächst bereinigt werden.


Anfragen und Korrekturwünsche an Musik-Körperschaften sollten ab sofort direkt an die Zentralredation im DMA unter der Mailbox-Adresse: zr-dma (Frau Kohn) gerichtet werden.


Mit Teilnahme des DMA an der GKD wird auch erstmals der Wunsch nach Wiederholbarkeit des Feldes Typ der Körperschaft (009) formuliert. Da beim Zusammentreffen von formalen und inhaltlichen Kriterien bisher nur der formale Aspekt berücksichtigt wurde, fehlt Institutionen mit speziellen Sammlungen wie dem DMA die Möglichkeit, ihre inhaltlichen Codes einzubringen.

Sobald das Feld in Pica-Iltis wiederholbar gemacht wurde, werden wir dies in HeBIS nachvollziehen.

Beispiel:

Bachfest <2008, Leipzig>                                     (Kongress + Musik)   dx + mx
Deutscher Katholikentag <97, 2008, Osnabrück> (Kongress + Kirche)  dx + kx


Mailbox und Redaktionsverfahren

Aufgrund der Kritik am neuen Mailboxverfahren in der PND soll für die GKD zunächst alles beim alten bleiben. Evt. kann die DNB schon bis zur Aufnahme der Online-Kommunikation in der GKD im Frühjahr 2009 ein neues Mailboxsystem zur Verfügung stellen, das die derzeitigen Probleme mit der Unübersichtlichkeit und Satzlänge löst.


Alle weiteren Fragen, die sich mit Einführung der ISIL und Levels in 2009 stellen, sollen in einer nächsten Sitzung näher besprochen werden.


(mod)
GND
Bericht über die Sitzung der Expertengruppe Normdaten

die Sitzung am 15.Mai 2008 diente im wesentlichen dazu, die künftigen Arbeitsschwerpunkte der Expertengruppenarbeit zu besprechen.


Online-Kommunikaton

In der PND sind aktuell noch einige Fragen zur Online-Kommunikaton offen, z.B.

  • Überarbeitung der Redaktionsrichtlinie
  • Unzufriedenheit mit dem neuen Mailbox-Verfahren

Andere Probleme werden sich vermutlich erst im Massenbetrieb zeigen.


Weitere Themen in der PND sind:

  • Transportprobleme in MAB (keine Weiterentwicklung mehr bis zum Umstieg auf MARC21)
  • Nebeneinander von Tp- und Tn-Sätzen
  • Erzeugung von (Verbund-)Nutzungskennzeichen
  • Austausch von Korrekturinformationen

Für die SWD verschiebt sich die Einführung der Online-Kommunikation bis in den Herbst. Dies hat für HeBIS keine große Relevanz, da sowohl Neueingabe als auch Korrekturen an SWD-Daten über eine Zentralredaktion organisiert sind.

Da eine Umstellung auf Online-Kommunikation bei der GKD erst im Anschluss an die SWD erfolgen kann, ist der frühest mögliche Zeitpunkt das Frühjahr 2009.


Umstellung auf MARC21

Die Verbünde sind sich darin einig, keine Umstellung der einzelnen Normdateien auf MARC21 mehr durchführen zu wollen. Damit ist klar, dass zunächst die Zusammenführung der GKD, PND und SWD in eine gemeinsame Normdatei vollzogen werden soll, um diese dann im neuen MARC21-Authority-Format auszutauschen.


RDA

Nach Erscheinen der Gesamtausgabe der RDA wird auch die Expertengruppe GND über die Anwendung der neuen Regeln diskutieren müssen. Dabei wird u.a. die Frage der Einführung von Werktiteln als neue Normdatenart ein wichtiger Punkt sein.


DMA-Integration

Insgesamt wurden 110.000 Personendatensätze und 67.000 Körperschaftsdatensätze aus dem Deutschen Musikarchiv in die Masterdateien der DNB eingespielt. Dabei wurden viele Dubletten automatisch erkannt und zusammen geführt. Aber natürlich wurden auch zahlreiche Listen mit sog. Kandidaten (evt. Dubletten) erzeugt, deren Bearbeitung durch die Zentralredaktion im DMA noch einige Zeit beanspruchen wird.


Originalschrift

Der von HeBIS vorgelegte Antrag zur Einführung von Feldern für eine originalschriftliche Erfassung in den Normdateien wurde mit Sympathie aufgenommen. Für eine Realisierung sind allerdings noch einige Steine aus dem Weg zu räumen. Die IT-Abteilung der DNB hat derzeit keine Kapazität ein solches Projekt zu beginnen, zumal eine wichtige Voraussetzung – die Einführung der WinIBW 3 – erst zu Anfang des Jahres 2009 geplant ist.

Als weiteres Hindernis wird die fehlende Umsetzung nach MAB2 gesehen, die einen Austausch der Daten unmöglich macht. Dennoch soll – ggf. bilateral – über eine Zwischenlösung mit der Möglichkeit der Erfassung in Pica-Iltis gesprochen werden.


Provenienzen

Ebenfalls von HeBIS initiert wurde ein Antrag auf Erweiterung von Feldern in der PND und GKD zur Erfassung von Provenienzmerkmalen, wie z. B. URLs von gescannten Exilibris. (s. dazu auch: R. Albrecht: "… in Dankbarkeit zugeeignet …" – Die Widmung führt zum Vorbesitzer, HeBIScocktail 3/2008) Auch dieses Vorhaben wurde positiv aufgenommen und soll möglichst bald umgesetzt werden.


(mod)
Normdaten
Bericht über die Sitzung der Arbeitsgruppe Gemeinsame Normdatei und Gemeinsames Normdatenformat

Als Ergebnis einer Anfrage der Aleph-Verbünde zu den Planungen bezüglich der Entwicklung eines Gemeinsamen Normdatenformats und der Zusammenführung der Normdateien (PND, GKD und SWD) zu einer Normdatei kam es zu einem Treffen mit der Arbeitsstelle für Standardisierung am 16.Mai 2008.

Ziel der Zusammenkunft war, einen von Pica- und Aleph-Verbünden gemeinsam abgestimmten Umstieg bei den Normdaten mit entsprechenden Zeitplänen vorzubereiten.


Als Ergebnisse wurden festgehalten:

"Die inhaltliche Vorbereitung für die Zusammenführung der drei Normdateien soll in der Expertengruppe Normdaten bzw. deren Arbeitsgruppen erfolgen. Die dabei erforderlichen Kennzeichnungen und Bereinigungen sollen in den drei bestehenden Normdateien ausgeführt werden. Es wird von Fall zu Fall entschieden werden, ob eine Auslieferung auf die Verbundebene sinnvoll ist. Formaterweiterungen in MAB sollen vermieden werden.

Die Einführung des GND-Formats und der Gemeinsamen Normdatei wird an den Zeitplan des Gesamtumstiegs auf MARC 21 angepasst. Die Zusammenführung der getrennten Normdateien wird auf überregionaler Ebene von der Deutschen Nationalbibliothek durchgeführt und erfolgt zu einem klar definierten Stichtag. Die Auslieferung der GND erfolgt im Format MARC Authority.

Da die Aleph-Verbünde den Formatumstieg aus technischen Gründen nicht zeitgleich vollziehen können, werden die zu diesem Zeitpunkt noch nicht umgestiegenen Aleph-Verbünde für eine Übergangszeit weiterhin die Auslieferung der drei Normdateien im Format MAB2 benötigen. Die dabei eintretenden Friktionen und Informationsverluste werden in Kauf genommen."


Die zeitliche Planung sieht derzeit vor, bis Ende 2009 die Vorgaben für eine Gemeinsame Normdatei und ein gemeinsames Normdatenformat zu entwickeln. Im Laufe des Jahres 2010 soll von DNB eine Testumgebung bereitgestellt werden. Zu Beginn des Jahres 2011 erfolgt die Einführung der GND in der DNB, den Pica-Verbünden und dem ersten Aleph-Verbund. Die GND wird im MARC 21 Authority ausgeliefert.


(mod)

Fortbildung und Veranstaltungen

Bibliothekartag 2008
Resumée und Impressionen

Der 97. Deutsche Bibliothekartag fand vom 03. - 06. Juni in Mannheim statt. 3100 Experten aus dem In- und Ausland trafen sich im c:con Congress Center Rosengarten zu Informationsaustausch und Fortbildung.


"Wissen bewegen - Bibliotheken in der Informationsgesellschaft"

lautete das diesjährige Motto der gemeinsamen Veranstaltung des Berufsverbands Information Bibliothek e.V. (BIB) und des Vereins Deutscher Bibliothekare e.v. (VDB).

Im Rahmen der diesjährigen Schwerpunktthemen

  • Wo stehen die Bibliotheken heute?
  • Wo stehen wir in 10 Jahren?
  • Where do we stand internationally?

wurden Vorträge und Workshops mit einem breiten Themenspektrum und ein ausgefeiltes Rahmenprogramm angeboten.


HeBIS auf dem Bibibliothekartag

Der HeBIS-Verbund war mit einem Stand im Rahmen der PICA-Partner-Verbünde ebenfalls auf dem Bibliothekartag vertreten. Etliche Besucher nahmen an den Präsentationen zu BibDir und dem HeBIS-Portal teil, nutzten die Gelegenheit zum allgemeinen Informationsaustausch oder gingen zu den gut besuchten Vorträgen.

HeBIS zieht erneut eine positive Bilanz aus dem Kongreßbesuch. Der gute Kontakt zu den Teilnehmern und das Interesse an den Entwicklungen und Planungen im Verbund zeigen, daß der Bibliothekartag mittlerweile ein etablierter Bestandteil in der Zusammenarbeit der Verbundpartner ist.

HeBIS dankt allen TeilnehmerInnen für das entgegengebrachte Interesse!



Die beiden HeBIS-Vorträge

  • Berndt Dugall, UB Frankfurt, Main:
    OCLC - Struktur und globale Dienstleistungen: Mögliche Rückwirkungen auf deutsche Verbundsysteme
  • Sylvia Weber, HeBIS-Konsortium und Kristine Hillenkötter, Göttingen:
    Von der Idee bis zum ersten Klick: Nationallizenzen für laufende Zeitschriften

sind, wie auch die anderen auf dem Bibliothekartag gehaltenen Vorträge als Abstract oder Volltext auf dem Repository-Server des BIB zugänglich.

Aufzählungszeichen blauer PfeilBIB-Repository, Online-Dokumenten-Server des BIB mit den Vorträgen des Mannheimer Bibliothekartages (lfd. Aktualisierung)

Für weitere Informationen über aktuelle HeBIS-Projekte:

Aufzählungszeichen blauer Pfeil HeBIScocktail, Sonderausgabe Bibliothekartag




Impressionen vom Bibliothekartag 2008

   
 Congress Center Rosengarten Mannheim
 HeBIS-Team am Stand
   
 K.Junkes-Kirchen u. I.Burmester am HeBIS-Stand
 Mannheim, Wasserturm u. Friedrichsplatz
   
 HeBIS-Team, M.Lerp (UB Marburg)
 M.Stark (Bibl.St.Georgen Ffm), U.Reh
 
 
 Kolleginnen aus der StB Mainz
 R.Diedrichs (GBV), B.Dugall
   
H. Schneider, M. Lerp (UB Marburg), HeBIS-Team
Festabend im Mannheimer Schloß

T. Kindt E-Mail an AutorIn
HeBIS VZ

Handbuch-Änderungen

Neue/aktualisierte Kapitel:

Katalogisierungshandbuch, Ansetzungssachtitel

Katalogisierungshandbuch, Zahlen, Symbole, Diakritika

Systemhandbuch, Lokaldaten

Protokolle

Protokoll 3. Treffen der AG Provenienzerschließung, 7. März 2008

Protokoll 29. Sitzung AG Katalogisierung, 17. April 2008

Protokoll 28. Sitzung AG Technik, 17. Januar 2008

Protokoll 14. Sitzung AG Ortsausleihe, 16. Mai 2008

Protokoll 15. Sitzung AG Fernleihe, 21. Mai 2008

Protokoll 24. Sitzung AG Elektronische Medien, 5. März 2008

Der Aperitif

Darmstädter Glockenspiel
"Das ewige Gebimmel"

Über eine ungewöhnliche „Bibliotheks“-Tätigkeit


Auch das kann zum bibliothekarischen Alltag gehören: In der Stellenausschreibung für die Leitung der Musikabteilung an der ULB (damals noch HLHB) Darmstadt las ich im März 2001 unter den Aufgaben „Betreuung des Darmstädter Glockenspiels“. Es war mir schleierhaft, was sich dahinter wohl verbergen würde, aber ich war auch sehr gespannt.

Das Glockenspiel im ältesten Teil des Darmstädter Schlosses, worin sich bekanntlich auch die ULB Darmstadt befindet, gehört zur Stadt wie das Kulturdenkmal Mathildenhöhe oder solch typische Merkwürdigkeiten wie Datterich und Heinerfest, sprich: es wird von der lokalen Bevölkerung als unverzichtbarer Bestandteil ihrer Identität als „Dammstädter“ angesehen. (Abgesehen davon, dass es auch bei uns in der ULB immer wieder Gesprächsthema ist, z.B. ob man das Lied erkennt oder zu lange dieselben Lieder hören muss – kurz: mir wird in der Rolle der Betreuerin so schnell nicht langweilig.)

Den originalen Vorgänger der jetzt erklingenden Nachkriegs-Replik ließ 1671 Landgraf Ludwig VI. errichten – sozusagen als Entschädigung für die Zerstörungen und Entbehrungen des 30jährigen Krieges, als Geschenk an seine Residenz zum Wiederaufbau.

Vorbild waren niederländische Glockenspiele, namentlich das der Oude Kerk in Amsterdam; die Niederlande gelten als die Heimat der „Carillons“, das sind spielbare Glockenspiele mit mindestens 23 Glocken, die über einen Spieltisch mechanisch bedient und in neuerer Zeit auch elektronisch betrieben werden können.

Ludwig VI. verfügte das halbstündige Abspielen festgelegter, damals dem Kirchenjahr folgender Lieder. Ein Prinzip, das in Darmstadt bis heute gilt mit dem einzigen Unterschied, dass nun zur halben Stunde jeweils ein der Jahreszeit angemessenes weltliches Lied gespielt wird. Es gibt pro Monat zzgl. der hohen kirchlichen Feste jeweils 4 Liedkombinationen (Jahrgänge), die immer noch auf den Kompositionen der „Glockendirektoren“ des 18. und 19. Jh. beruhen. Die Wichtigkeit dieses Postens bemisst sich u.a. daran, dass er direkt dem Hofkapellmeister unterstellt war; das Glockenspiel war auch noch lange nach seinem Begründer ein wichtiges Hofinstrument.

Diese Bedeutung hat es auch in seiner demokratisierten Variante seit der Nachkriegszeit nicht verloren: als Darmstadt nach dem verheerenden Bombenangriff 1944 in Schutt und Asche lag, war auch der Glockenturm zerstört worden, doch die Darmstädter ruhten nicht, bis mit den Mitteln einer großangelegten Spendensammlung 1951 ein neues Glockenspiel mit zunächst 21 Glocken errichtet werden konnte. Weitere 9 Glocken kamen bis heute noch dazu.

Grundlegend neu war die Antriebstechnik: war das Abspielen der Lieder bislang von einer Spieltrommel gesteuert worden (vergleichbar einer überdimensionalen Spieluhr), angetrieben vom Uhrwerk, mit dem die Glocken stets gekoppelt waren, so wurde nun eine automatische Steuerung eingerichtet, bei der eine Walze mit gelochten Papierstreifen elektrisch in Gang gesetzt wurde. Weiterhin konnte natürlich von Hand gespielt werden.

Eine weitere, bahnbrechende Neuerung wurde um 1980 auf Anregung eines elektrotechnischen Instituts der TU in Gestalt einer Computersteuerung installiert. Diese Technik steht auch mir bis heute für die „Fütterung“ des Instrumentes mit seinem monatlich wechselnden Liedprogramm zur Verfügung. Denn die Verwaltung des Glockenspiels ist seit 1956 im Zuständigkeitsbereich der Bibliothek, seit den 80er Jahren genaugenommen des Leiters der Musikabteilung. So aufregend, wie Sie nun vielleicht denken, ist es aber gar nicht, tue ich doch nichts weiter als zu Beginn jedes Monats den Glockenturm des Darmstädter Schlosses zu besteigen, um aufgrund der vorgegebenen Möglichkeiten des Computerprogramms die Liedkombination zu wechseln.

Die noch bis vor ca. 10 Jahren übliche Praxis, zur Adventszeit regelmäßige Konzerte im Schlosshof mit dem von Hand gespielten Glockenspiel durch wechselnde Darmstädter Kirchenmusiker zu veranstalten, ist leider eingeschlafen, wofür ich jedoch nichts kann; ich lauere seitdem sozusagen auf eine Gelegenheit, dies wiederzubeleben. Organisten sollten die Spieler schon sein, ähnelt doch der Spieltisch am ehesten dem einer Orgel. Allerdings hat sich kürzlich ein Glockenspielspezialist aus Würzburg bei mir gemeldet, der neben seinen Fähigkeiten als Spieler („Glockenist“ – es heißt wirklich so und ist v.a. in den Niederlanden und Belgien eine hochgeachtete künstlerische Tätigkeit) und Fachkenntnissen in der automatischen Steuerung sogar eine musikwissenschaftliche Doktorarbeit über das Darmstädter Glockenspiel schreiben will.

Wie man sieht, ist unser betagtes Glockenspiel also alles andere als ein Auslaufmodell.


Besichtigungen (auch) für Kollegen übrigens jederzeit gerne mit kurzfristiger Terminvereinbarung: 06151 165807

oder: uhlemann@ulb.tu-darmstadt.de


Silvia Uhlemann E-Mail an AutorIn
ULB Darmstadt

Impressum

HeBIScocktail 3/2008 (Juli 2008)

HeBIScocktail erscheint vierteljährlich als Hypertext (mit Druckausgabe) unter http://www.hebis.de/hebiscocktail/

Neue Ausgaben werden über Pica-List angekündigt.

Herausgeber: Hessisches BibliotheksInformationsSystem, Verbundzentrale, Frankfurt am Main

Redaktion: Monika Denker (mod), Tanja Kindt (tak), Heike Nienerza (hen)
Weitere Autoren: Herbert Adam (hea), Rita Albrecht (ria), Angelika Hinrichs (anh), Nadine Körfer (kör), Jule Mildner (miju), Günter Pietzonka (güp), Elmar Reith (elr), Maren Schwingel-Bechtold (mas)

E-Mail-Adresse der Redaktion: hebiscocktail@ub.uni-frankfurt.de

Beiträge und Leserzuschriften sind sehr willkommen!

Hinweise für Autoren

HeBIScocktail 4/2008 erscheint Oktober 2008.

Redaktionsschluss: September 2008.