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Ausgabe: 1-2002

Herausforderung elektronische Ressourcen

Meet the challenge

Anm. d. Red.: Die neuen Möglichkeiten des elektronischen Publizierens bieten Autoren, Verlagen und Lesern viele Vorteile. Sie stellen alle Beteiligten aber auch vor neue Aufgaben und Herausforderungen. In vielen Bereichen wie Retrieval, Rechteverwaltung, Archivierung und Sicherung der Authentizität der Dokumente gibt es noch ungelöste Probleme, und es gibt zahlreiche Projekte, in denen gangbare und dauerhafte Lösungen erprobt und erarbeitet werden.

Zwei dieser Projekte, an denen als Projektpartner auch Hochschulbibliotheken aus dem HeBIS-Verbund teilnehmen, werden, in den folgenden beiden Beiträgen vorgestellt. Dem Projekt CARMEN AP 4, in dem die Verwaltung von URNs (Uniform Resource Names) für digitale Dokumente erprobt werden soll, kommt dabei ganz besondere Bedeutung zu. URNs dienen als sog. Persitstent Identifier, ähnlich der ISBN für Bücher. Als solche sollen sie u.a. einen eindeutigen und dauerhaften Zugriff auf digitale Dokumente ermöglichen und damit ein Problem lösen, mit dem sicher jeder schon leidvolle Bekanntschaft gemacht hat. Wer hat sich schließlich nicht schon einmal darüber geärgert, dass elektronische Ressourcen plötzlich unauffindbar waren, weil sich die URL geändert hatte?

Noch ein kleiner Hinweis in "eigener Sache": URNs muessen ab sofort auch bei der Katalogisierung von Online-Dissertationen in der HeBIS-Datenbank berücksichtigt werden. Siehe dazu "Neu: URNs für Online-Dissertationen" in der Rubrik "Neues von den Datenbanken".

 

Projekt CARMEN AP 4: Persistent Identifier für digitale Publikationen

Um den Nachteil des instabilen Zugriffs auf Online-Dokumente im Internet zu kompensieren und eine dauerhafte Wiederauffindbarkeit zu gewährleisten, führte Die Deutsche Bibliothek zum 1. September 2001 im Rahmen des CARMEN-Projekts (unter dem Arbeitspaket 4) "Persistent Identifier" für digitale Inhalte ein, zunächst nur für Online-Dissertationen. DDB übernimmt auch die zentrale Verwaltung dieser PIs. Die Stadt- und Universitätsbibliothek / Senckenbergische Bibliothek Frankfurt am Main beteiligt sich neben mehreren weiteren Universitätsbibliotheken bundesweit als Projektpartner.

Die Aufgabe der Projektteilnehmer:
Vergabe und lokale Verwaltung der Persistent Identifier in der Projektphase für elektronische Dissertationen.

Das Ziel:
Schaffung einer Bibliotheks-Infrastruktur für die Vergabe und lokale Verwaltung von PIs in Verbindung mit dokumentbezogenen Metadaten für alle Arten elektronischer Publikationen im Dauerbetrieb über die Projektphase hinaus.

 

Wozu dienen Persistent Identifier?

Im wissenschaftlichen Bereich gewinnen Online-Publikationen immer mehr an Bedeutung. Für eine effiziente Nutzung sind leistungsstarke Retrievalsysteme erforderlich. Zur Identifikation von Online-Dokumenten wird derzeit der zugehörige "Uniform Resource Locator" (URL) zitiert. URLs sind als Standortangabe im Internet jedoch oft instabil, z.B. bei Serverwechseln, die eine Standortangabe verändern. Die Online-Dokumente sind dann nicht mehr auffindbar. Persistent Identifier schaffen hier Abhilfe. Jeder Online-Publikation wird ein solcher zugeteilt und verbleibt dauerhaft beim Dokument. Ein Resolving-Prozess (s. PI-Vergabe, -Verwaltung und -Auflösung) garantiert über den PI die automatische Zuordnung eines Dokumentes zu einer veränderten URL. Somit ist der dauerhafte und eindeutige Zugriff und auch die wissenschaftliche Referenzierbarkeit der Online-Quelle sicher gestellt.

Darüber hinaus lassen sich mit PIs die Rechte an elektronischen Publikationen organisieren und verwalten.


Wie sieht nun der Persistent Identifier URN im Einzelnen aus (Syntax)?

Ein URN besteht aus hierarchisch aufgebauten Komponenten:

  • der Auflösungsroutine (URN),
  • dem Namensraum (Namespace Identifier, NID),
  • einem Teilbereich aus dem Namespace (Subnamespace oder Sub-Prefix, SNID, wiederholbar für weitere Hierarchieebenen)
  • einem nummerischen oder alpha-nummerischen String (Namespace Specific String, NISS)
  • einer Prüfziffer

Ein URN hat also folgende Struktur: URN:NID:<SNID1>:<SNID2>...-<NISS><Prüfziffer>

Beispiel aus der HeBIS-Verbunddatenbank:
urn:nbn:de:hebis:30-0000000014
(30= Sigel der Vergabe-Bibliothek, 4=Prüfziffer)

 

PI-Vergabe, -Verwaltung und -Auflösung

Das Vergabeprinzip basiert auf der dezentralen Erzeugung von PIs durch die teilnehmenden Projekt-Bibliotheken im Rahmen eines von Der Deutschen Bibliothek zur Verfügung gestellten Subnamespaces sowie der zentralisierten Registrierung und Verwaltung der PIs durch DDB. Die Meldung der vergebenen URNs an DDB erfolgt zusammen mit den Metadaten der Online-Dokumente. Hierzu nutzt die Stadt- und Universitätsbibliothek / Senckenbergische Bibliothek Frankfurt am Main das von DDB im Netz bereit gestellte "Anmeldeformular für Hochschulschriften" unter http://www.ddb.de/professionell/anmeldeformulare/hochschulschrift.htm, da die URN-Vergabe bisher auf Online-Dissertationen beschränkt ist. Die Deutsche Bibliothek archiviert diese Dissertationen und nimmt sie zusammen mit den URNs in ihren Katalog auf.

Über Änderungsmeldungen als Web-Seiten und -Formulare lässt sich DDB von den Projektbibliotheken einen Überblick über einzelne wie auch Gruppen-URL-Adressenänderungen geben und setzt über programmierte Skripte einen Auflösungsmechanismus in Gang, der die geänderte URL der nach wie vor gültigen URN zuordnet (Resolving). Ein nachgeschaltetes Linkcheckverfahren prüft regelmäßig die Erreichbarkeit von URLs und wirft Fehlermeldungen aus, wenn die Erreichbarkeit nicht (mehr) gewährleistet ist. Die teilnehmenden Projektbibliotheken müssen dann für das/die entsprechende(n) Dokument(e) eine Nachmeldung der neuen, derzeit gültigen URL vornehmen. Durch die Änderungsmeldungen der Bibliotheken und das Linkcheckverfahren Der Deutschen Bibliothek ist gewährleistet, dass keine URL-Adressenänderung unbemerkt bleibt. Die Langzeitverfügbarkeit und Referenzierbarkeit der elektronischen Ressource ist somit gewährleistet. Der Endnutzer soll durch die Eingabe der URN in die Adresszeile des Browsers direkt zum Dokument geführt werden. Dies geschieht über eine Persistent-URL (PURL), die den Resolving-Prozess in Gang setzt und der URN vorangestellt sein muss, also z.B.

http://nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=nbn:de:hebis:30-0000000014

Die erste Hälfte dieses Strings bildet die PURL, die ein Skript startet, das den Befehl ausführt, die URN (= zweite Hälfte des Strings) aus der Datenbank Der Deutschen Bibliothek herauszusuchen, mit der derzeit gültigen URL des Dokuments zu verknüpfen und dann die gesamte Dissertation im Browser darzustellen.

Der Benutzer kann auch ein Web-Formular aufrufen:

http://nbn-resolving.de/Resolving.html

Dort gibt er die URN in ein Datenfeld ein und erhält als Ausgabe die Umleitung direkt zum Dokument und darüber hinaus noch eine Liste aller URLs, die zum Dokument gehören.

Derzeitiger Projektstand an StUB / SeB Frankfurt

Nach einigen grundsätzlichen Überlegungen über die Art der Generierung der URN wurde beschlossen, sie für die Stadt- und Universitätsbibliothek / Senckenbergische Bibliothek Frankfurt am Main über den PICA-Signaturen-Generator zu gewährleisten.

  • Vorteile: einfache Handhabung über Makros, gleichzeitige Herstellung und Verwaltung der NBNs in der Katalogdatenbank und damit grundsätzliche Abfrage-Möglichkeiten.
  • Nachteil: die Prüfziffer muss in einem gesonderten Arbeitsgang erzeugt werden
    (s. http://nbn-resolving.de/nbnpruefziffer.php)

Die ersten Arbeiten mit URN wurden DDB bereits gemeldet. Der Resolving-Prozess funktioniert jedoch erst nach Einspielung der Dissertation in die Kataloge Der Deutschen Bibliothek.


Was ist noch zu tun?

 

  • Es ist zu klären, inwieweit es möglich ist, die NBN-Strings und die Prüfziffern automatisiert zu generieren und zusammen zu führen, günstigerweise gleich bei der Erzeugung des Dokuments (BDV).
  • Die Anzeige der URNs im OPAC ist noch umzusetzen und mit einer Link-Möglichkeit direkt zum Dokument zu versehen (BDV). Dies soll im lokalen OPAC Frankfurt jedoch erst mit Einführung des OPAC4 in Angriff genommen werden. Im Verbund-OPAC sollen URN-Anzeige und URN-Verlinkung ebenfalls eingerichtet werden, aber auch nur für den neuen Verbund-OPAC4.
  • Einrichtung einer Routine für Änderungsmeldungen zu URL-Adressänderungen an DDB.
  • Der Workflow Elektronische Dissertationen im Hause muss dahin gehend geändert werden, dass PromovendInnen ihre Dissertation zunächst vor Fertigstellung des Druckwerks oder der elektronischen Datenträger über ein Web-Formular in der Hochschulschriftenstelle der Stadt
  • und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main anmelden. Grund: Die URNs sollen gemäß internationaler Praktik auf dem Titelblatt des Druckwerks und auf der Titelseite der elektronischen Version erscheinen (Referenzierung). Die DoktorandInnen füllen also ein Web-Antragsformular auf Zuteilung einer URN aus, geben weitere Daten, wie z.B. Abstract, Schlagwörter oder persönliche Daten an und beantragen damit die Zuteilung einer URN für ihre Arbeit. Die URN wird daraufhin in der Bibliothek generiert und den PromovendInnen mitgeteilt, damit diese URN in ihre Vorlagen (gedruckt und elektronisch) übernehmen können. Erst dann können die Arbeiten in der Bibliothek abgeliefert werden.


Vorteile der Persistent Identifier-Vergabe - kurz zusammengefasst

  • dauerhafte Erreichbarkeit von elektronischen Publikationen
  • Referenzierbarkeit der elektronischen Publikationen
  • eindeutige Identifikation eines elektronischen Dokuments
  • einheitliche Nummernstruktur
  • die wissenschaftliche Arbeit wird durch international einheitliche Regelungen unterstützt


Projekt META-LIB, Teilprojekt METAPERS

Das Projekt dient der Erfassung von zusätzlichen, mit Autoreneinverständnis gelieferten personenbezogenen Metadaten bei Online-Dissertationen und deren Umsetzung in die Personennamendatei (PND) bei Der Deutschen Bibliothek.

Die Aufgabe der Projektteilnehmer:
Erfassung und Weitermeldung der personenbezogenen Metadaten an die Deutsche Bibliothek.

Die Ziele:

  • Nachnutzung der vom Verfasser selbst autorisierten Daten
  • konsequente Individualisierung der Personennamen-Datensätze
  • die Autoren an der Aktualisierung ihrer Daten interessieren und beteiligen
  • Web-basierte Eingabe in die PND
  • Präsentation der PND in einem Web-Layout
  • Verknüpfung unterschiedlicher Metadatensätze (Titeldaten und Normdaten)
  • Darstellung in einem "zeitgemäßen" sicheren Datenformat (XML/RDF)
  • Personenrecherche über Metadaten-Suchmaschinen
  • Integrierter Geschäftsgang für Netzpublikationen: Workflow von der Angabe der Personen-Metadaten durch die Autoren über eine vermittelnde Institution (Universitätsbibliothek, Verlag) bis zur PND in Der Deutschen Bibliothek


Wozu werden personenbezogene Metadaten benötigt?

In der Online-Umgebung gewinnen Personen-Daten zur Selbstdarstellung der Autoren, zur Sicherstellung von Rechten u.a. zunehmend an Bedeutung. In der Personennamendatei (PND), die als nationale Normdatei an Der Deutschen Bibliothek geführt wird, sind die Namen der Autoren aller deutschen Publikationen, die seit 1945 erschienen sind, enthalten. Sie bietet damit insbesondere für das elektronische Publizieren ein Instrument, eindeutige Zuordnungen zwischen Personen und Publikationen herzustellen. Die Online-Hochschulschriften tragen dazu bei, dass sich der Anteil der individualisierten Namens-Datensätze innerhalb der PND als ein Ergebnis des Projektes METAPERS erhöhen wird.

Die Deutsche Bibliothek möchte die Personennamendatei als Tool für das elektronische Publizieren verfügbar machen und bietet daher seit 2. April 2001 einen Geschäftsgang zur Anmeldung von Metadaten für Personen an. Die gemeldeten Personendaten werden in die PND umgesetzt und im Rahmen der nationalbibliographischen Erschließung redaktionell bearbeitet.

Für das Meldeverfahren stellt Die Deutsche Bibliothek ein "Anmeldeformular für Personen" zur Verfügung, in das die Metadaten zum Autor der Online-Hochschulschrift eingetragen werden können. Es kann vom bereits bekannten DDB-Anmeldeformular für Online-Hochschulschriften aus unter http://www.ddb.de/professionell/anmeldeformulare/hochschulschrift.htm aufgerufen werden oder unabhängig davon unter http://www.ddb.de/professionell/anmeldeformulare/metapers.htm

Die Angaben zur Person müssen mit dem Einverständnis des Autors auf rein freiwilliger Basis erfolgen. Gleichzeitig ist das Einverständnis zur Aufnahme der Daten in die PND und zur Veröffentlichung über das Internet einzuholen. Die Beteiligung ist bisher recht rege, mehr als 50 % der PromovendInnen mit Online-Dissertationen liefern freiwillig die entsprechenden Daten. Von Vorteil ist hier eindeutig die erhöhte Publizität, die mit der Veröffentlichung erzielt wird.

Die Daten zur Person stehen für den Zugriff über Metadaten-Suchmaschinen wie z.B. TheO (http://www.iwi-iuk.org/dienste/TheO/) zur Verfügung. Es ist vorgesehen, dass die entsprechenden Metadaten später automatisch aus dem Katalog abgeleitet werden.

Das Modell des Personen-Metadaten-Sets von METAPERS wird in die Dublin Core-Entwicklung eingebracht, mit dem Ziel, ein internationales Metadaten-Set für Personen zu entwickeln.


Derzeitiger Projektstand

Frankfurt:
Die Promotionsbüros der Universität Frankfurt am Main wurden vor Projektbeginn mit entsprechenden Informationsblättern zur Weiterleitung an die DoktorandInnen versorgt. Das Projekt läuft seit April 2001 im Routinebetrieb. Die freiwilligen Personen-Daten werden bei Abgabe in der Bibliothek für die Meldung an DDB im Rahmen des Anmeldeformulars für Online-Hochschulschriften aufbereitet.

DDB:
Die bislang gemeldeten Personen-Metadaten sind bereits in die PND umgesetzt worden. Für einen Teil davon wurden auch schon Personen-Webseiten erstellt.

Der Zugriff auf die Personen-Webseiten ist über den DDB-OPAC möglich. Über die Recherche zur Online-Dissertation gelangt man über den Archivserver der DDB zur Frontpage der Online-Dissertation. Dort ist vom Autorennamen ein Link zur Personen-Webseite gesetzt, falls eine solche existiert.

Beispiel:
Frontpage der Online-Dissertation:
http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=962107492

Personen-Webseite:
http://deposit.ddb.de/personen/123013259.htm

In Zukunft soll man auch über die PND auf die Personen-Webseite zugreifen können. Dort wird in Kürze im jeweiligen PND-ILTIS-Datensatz im Feld 484 die URL der Personen-Webseite stehen.


Vorteile der PND-Datenerfassung bei Online-Dissertationen

  • Selbstgewählte und weitere Namensformen der Autoren gelangen in die PND.
  • Eine korrekte Titelzuordnung wird erleichtert.
  • Die PND ist als Hilfsmittel zur Nutzung durch Autoren und Verlage vorgesehen.
  • Die PND soll als Grundlage für Titel
  • und Autorenmeldungen dienen.
Stefan Zell
Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt, Abt. Medienbearbeitung und Abt. Elektronische Dienste

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