HeBIScocktail
Ausgabe: 2014-4
Editorial

Liebe Kolleginnen und Kollegen,


der Anfang des Oktobers stand im Zeichen der Frankfurter Buchmesse, sicher haben viele von Ihnen die Gelegenheit genutzt, sind eingetaucht in die Welt der Bücher und Verlage und haben die Werke des Gastlandes Finnland entdeckt.

Dass sich die Buchbranche auch ganz anders entwickeln könnte, zeigt Andreas Eschbach in seiner Satire:  "Die Geschichte vom Goethepfennig": Vermeintlich segensreiche Eingriffe des Staates führen zu absurden Beschlüssen, immer mehr Kontrolle und letztlich zur völligen Unfreiheit sowohl der Leser als auch der Autoren.

Zum Glück sind die Zukunftsvisionen, mit denen wir uns in den Bibliotheken beschäftigen, nicht ganz so düster: Die Einführung von RDA geht voran (s. Artikel von B. Ganz und E. Reith) und der Bericht über das diesjährige von HeBIS organisierte VuFind-Anwendertreffen zeigt, wie durch Kooperation verschiedener Bibliotheken ein Open-Source-Produkt zu einer vielgenutzten Software mit Zukunftspotenzial und großer Anwender-und Entwickler-Community wachsen kann.

Weiterhin erfahren Sie in diesem HeBIScocktail  ...
  • wie es die Kollegen des Medienzentrums der Hochschule Darmstadt geschafft haben, ein modernes Lernzentrum mit Berücksichtigung heutiger Lernbedürfnisse (Gruppenarbeit, E-Learning) entstehen zu lassen...
  • was Sie verpasst haben, wenn Sie nicht an der HeBIS-Verbundkonferenz 2014 teilgenommen haben...
  • warum Bibliothekare häufiger von Reisefieber gepackt werden (Stichworte Lyon, Washington)...
und noch einiges mehr. Viel Spaß beim Lesen!


Ihr HeBIScocktail-Team

Aktuell

HeBIS: Personalia

HeBIS-Verbundzentrale: Personelle Veränderungen


In der HeBIS-IT unterstützen zwei neue Mitarbeiter die Teams: Claudia Grote (HDS-Team) und  Dieter Eichner (Hardware). Kea Cordlandwehr und Günter Pietzonka (beide Bibliothekarische Dienste) haben sich beruflich verändert. Neue Ansprechpartnerin im Bereich Fernleihe ist Tatjana Rabeneck. Imke Wolbers ist zuständig für E-Ressourcen und Metadaten.

(tak)

Gastbeitrag

Die Geschichte vom Goethe-Pfennig

Es war einer dieser Tage ... Peter Eisenhardt, schlecht verdienender Schriftsteller, kämpfte mit seinem erst halbfertigen Roman, als sein Agent anrief und nur Deprimierendes über die Verkaufszahlen seines letzten Buchs sagte. Von einem Gefühl der Vergeblichkeit übermannt, schaltete er den Computer aus und die Glotze ein.

Dort sagte ein Politiker gerade: „Man muss etwas für die Autoren tun!“ Autoren, fuhr er fort, steckten oft Jahre an Arbeit in ein Manuskript, ohne angemessene Entlohnung oder auch nur Veröffentlichung zu finden:

Ausbeutungsähnliche Verhältnisse seien das, und die Politik müsse hier Abhilfe schaffen. „Wissen wir, wie viele gute Romane deswegen ungeschrieben bleiben? Diese skandalöse Verschwendung kreativer Energie können gerade wir als Kulturnation uns nicht länger leisten. Alles klagt, es gehe mit Deutschland abwärts. Ich sage: Hier ist der Punkt, an dem wir ansetzen müssen!“

Die Gesprächsrunde pflichtete ihm bei, und wenige Tage später kündigte die Regierung eine entsprechende Gesetzesinitiative an. Wichtigste Neuregelung des geplanten „Autoren-Arbeitsplatz-Schutzgesetzes“, abgekürzt AuArSchG: Künftig mussten alle Bücher mit einer Mindestauflage von 20 000 Stück erscheinen. Obwohl Kleinverleger zu berücksichtigen baten, sie kämen nicht mal mit ihrem Gesamtprogramm auf solche Zahlen, passierte der Gesetzentwurf in erster Lesung.

Eisenhardts Agent war begeistert. Eisenhardt auch, als er den bereits nach AuArSchG abgeschlossenen Vertrag für sein nächstes Buch sah: Eine höhere Startauflage bedeutete natürlich auch einen höheren Vorschuss!

Ein mit Peter Eisenhardt befreundeter Autor allerdings, eben noch dicht vor seinem ersten Vertrag, bekam mit Bedauern erklärt, man könne aufgrund des neuen Gesetzes sein Buch nun doch nicht veröffentlichen; eine so hohe Auflage für einen Erstautor sei ein zu großes Risiko.

Überhaupt setzte, da das AuArSch-Gesetz die erhoffte Ausnahmeregelung für Kleinverlage doch nicht enthielt, unter diesen ein rasantes Sterben ein, was es für unveröffentlichte Autoren noch schwieriger machte, einen Verlag zu finden. Auf der nächsten Frankfurter Buchmesse blieb die Halle der Kleinverleger leer, und die Zahl der Buchneuerscheinungen war deutlich gesunken.

Doch die Politik blieb nicht untätig. Der Initiator des AuArSch-Gesetzes, inzwischen Wirtschaftsminister, machte sich für die Subventionierung des Kulturgutes Buch stark. Dank der Beihilfen stieg die Zahl der Neuerscheinungen wieder, ebenso die Zahl der Verlage. So konnte auch Eisenhardts aufstrebender Kollege endlich den Abschluss seines ersten Verlagsvertrages vermelden, lukrativ genug, um bei ihrem Lieblingsitaliener zu feiern.

Weil die Literatursubventionen den Etat des Wirtschaftsministeriums bald überforderten, beschloss die Regierung, einen AuArSch-Aufschlag in Höhe von maßvollen ein Prozent auf den Solidarbeitrag zur Einkommensteuer zu erheben. Eine Zeitung taufte die neue Abgabe den „Goethe-Pfennig“.

Einziger Wermutstropfen: Immer mehr Leute erklärten, sie hätten das Lesen aufgegeben, weil bloß noch Schrott auf den Markt käme. Daraufhin beschloss die Kultusministerkonferenz, Zuschüsse künftig vom literarischen Gehalt eines Werkes abhängig zu machen. Kommissionen wurden eingerichtet und Gutachterstellen geschaffen, auf denen übrigens Lektoren unterkamen, die im Zuge der Pleitewelle unter den Kleinverlagen arbeitslos geworden waren.

Die ersten literarischen Prüfungen sorgten für Unmut; Verleger und Autoren nannten die Gutachten ahnungslos, parteilich oder Schlimmeres. Eine bundesweite Autoren-Gewerkschaft gründete sich und setzte durch, dass auch Gewerkschaftsvertreter in den Prüfungsgremien saßen. Auf Anraten seines Agenten trat auch Peter Eisenhardt bei. „Wenn Sie kein Mitglied sind, haben Sie künftig keine Chance mehr“, erklärte er ihm.

Im Internet handelte man Hinweise auf die Vorlieben der Gutachter, um eigenen Manuskripten bessere Chancen zu verschaffen. Der Goethe-Pfennig war im Zuge der Reorganisation auf fünf Prozent angehoben worden.

Der Buchhandel klagte weiter über nachlassende Umsätze; die Belletristik sei schematisch geworden, wirklich Neues bekäme man kaum noch zu lesen. Ein Bericht des Bundesrechnungshofs offenbarte, dass trotz aller Maßnahmen die absoluten Verkaufszahlen der meisten Titel nicht nennenswert gestiegen waren. Stattdessen wurden mehr Bücher makuliert als je zuvor. Dies rief den Umweltminister auf den Plan: Es gehe nicht an, Bücher für den Reißwolf zu drucken. Die 3. Ergänzungsregelung zum AuArSch-Gesetz enthielt ein striktes Makulierverbot.

Unmittelbare Folge war, dass Eisenhardts neuer Roman trotz positiven Gutachtens nicht erscheinen konnte. „Die Lagerkosten“, erklärte der Agent. „Der Verlag muss vom vorigen Titel erst genug abverkaufen, ehe er einen neuen auflegen kann.“ „Und wovon soll ich so lange leben?“ fragte Eisenhardt.

Hier hatte die Politik zum Glück weise vorgesorgt: Das positive Gutachten erlaubte die Beantragung von Wartegeld. Auch das Makulierverbot änderte aber nichts an den stagnierenden Verkaufszahlen. Die neu geschaffene Bundesliteraturkommission kam zu der Einsicht, dass man das Lesen selbst fördern müsse. Aufwendige Werbeaktionen pflasterten die Republik mit Slogans wie „Lies mal wieder“ oder „Mehr Zeit für Bücher“. Bücher sollten zudem künftig von der Steuer absetzbar sein, mittels eines darin enthaltenen Gutscheins. Die hierfür notwendigen fälschungssicheren Hologramme machten die Produktion allerdings aufwendiger und eine Anhebung des Goethe-Pfennigs auf 17 Prozent unumgänglich.

Doch nach wie vor griffen Leser mehrheitlich lieber zu Romanen bekannter Bestsellerautoren, und so verschob sich das Erscheinen von Eisenhardts nächstem Buch um ein weiteres Jahr. Sein Freund, der hoffnungsvolle Nachwuchsautor, sah überhaupt keine Chancen mehr, nicht bei offiziellen Verlagen jedenfalls. Es gebe aber, vertraute er Eisenhardt an, inzwischen sogenannte graue Verleger, die Liebhaberausgaben in illegalen Kleinauflagen herstellten. Riskant! Die Polizei war auf diese Machenschaften längst aufmerksam geworden; sie hatte verdeckte Ermittler in die graue Szene eingeschleust, um deren Drahtzieher dingfest zu machen.

Trotz aller Anstrengungen schrumpfte der Buchmarkt, nahm die Zahl der Neuveröffentlichungen, der aktiven Autoren, Verlage und Buchhandlungen stetig ab. Es bedurfte eines Ökonomieprofessors namens Peter Stuß, um frischen Wind in die Sache zu bringen. „Solange einzelne Autoren die Leser in unverhältnismäßig großer Zahl an sich binden, ist keine Gerechtigkeit zu erreichen. Die Leser sind es, die Sie gerecht zuteilen müssen!“

Dieses Argument traf in der Regierung auf offene Ohren. Eine völlig überarbeitete Neufassung des AuArSch-Gesetzes wurde eilig durch die gesetzgebenden Gremien gepeitscht. Wichtigste Neuerung war eine gesetzlich vorgeschriebene Höchstauflage von 40 000 Exemplaren pro Buch. Da dies vorwiegend ausländische Bestsellerautoren traf, keine armen Leute also, galt die Reform als sozial ausgewogen.

Die Folge war, dass diese Bücher im Nu ausverkauft waren. Schon frühmorgens standen lange Schlangen vor den Buchhandlungen. „Wenn das kein Zeichen ist, dass die Menschen wieder gerne lesen!“ meinte ein Kultusminister zufrieden.

Es kam zu dramatischen Szenen. In Köln entbrannte zwischen zwei Männern ein heftiger Boxkampf um das letzte Exemplar des neuen John Irving. In München rangen zwei Frauen erbittert um einen Donna Leon, bis das Buch im Seitenkanal der Isar landete. Und bei einem Mord in Hamburg stellte sich heraus, dass der Täter es auf einen Henning Mankell im Besitz des Opfers abgesehen gehabt hatte.

Büchertauschringe unterliefen den Zweck des Gesetzes, die gerechte Verteilung von Lesern auf Autoren; illegale Nachdrucke aus dem Ausland fanden auf Schwarzmärkten reißenden Absatz, und mehr und mehr Menschen gingen dazu über, Bücher auszuleihen und einfach zu fotokopieren! Regierungsvertreter sprachen von einem Angriff auf die Kultur, der mit harten Mitteln beantwortet werden müsse. Unter Zustimmung aller Parteien wurde das Kopieren von Büchern mit hohen Strafen belegt, und die erste Großrazzia brachte ein Dutzend John-Grisham-Kopierer vor Gericht.

Doch nach wie vor wurde die gesetzliche Mindestauflage selten ausgeschöpft. Die nächste Stufe des Stuß-Konzeptes sah deswegen vor, dass künftig nur der noch einen Bestseller kaufen durfte, der den Kauf einer Anzahl weniger gefragter Bücher nachweisen konnte. Jeder Buchhandlungskunde bekam eine persönliche Chipkarte, die beim Kauf vorzulegen war. Anfangs warteten viele Kunden an den Kassen vergebens auf Verbindung zum zentralen Server und mussten trotz ausreichenden Punktekontos Bücher von Stephen King oder Ken Follett zurücklassen. Als das sogenannte Stuß-System endlich funktionierte, standen viele kleine Buchhandlungen vor dem Ruin.

Da traf es hart, dass in diesem Jahr die Frankfurter Buchmesse abgesagt wurde, und zwar endgültig. Das verstand niemand in Regierungskreisen: Widmete doch nirgendwo auf der Welt die Politik dem Buch so viel Aufmerksamkeit wie hierzulande! Ein Leitartikel fragte, ob es nicht ratsam wäre, der Staat zöge sich aus dem Verlagswesen zurück, beschränke sich auf die Sicherung des Urheber- und Vertragsrechts und ließe Autoren, Verleger, Buchhändler und Buchkäufer ansonsten nach eigenem Gutdünken handeln.

Bissige Kommentare nannten den Leitartikler einen Neoliberalen, der zurück zum Gesetz des Dschungels wolle. So könne die Lösung auf keinen Fall aussehen, beteuerten Vertreter aller Parteien. Abstriche an Stuß-IV, wie die nächste Reformrunde griffig genannt wurde, werde es nicht geben. Stuß-IV zielte auf den Missstand, dass immer mehr Leute Bücher nur der Punkte wegen kauften. Dies brächte die weniger bekannten Autoren um die angestrebte Wahrnehmung, erklärte der Vorsitzende der Literaturförderungskommission. In jeder Stadt werde ein Prüfungszentrum eingerichtet, wo man vor Gutschrift der Punkte nachweisen musste, dass man ein Buch tatsächlich gelesen hatte.

Der Innenminister kündigte eine bundesweite Polizeiaktion gegen Schwarzverleger an. „Es gibt Verträge mit Autoren, die völlig am AuArSch-Gesetz vorbeigehen – Autoren wie zum Beispiel Peter Eisenhardt ...“ Eisenhardt fuhr hoch, hörte ein Martinshorn. Nichts wie weg!

Erst in der belebten Innenstadt hielt er keuchend inne. Was war los? Keine Schlangen vor den Buchhandlungen? Keine Sperrgitter, Ausgabetheken, Wachleute? Niemand, der an der Kasse einen Ausweis vorlegte? Stattdessen allgemein zugängliche Buchregale – und der neue Harry Potter! Das unerschwinglichste Buch der Welt! Eine ganze Palette davon! Mit zitternden Händen trug Eisenhardt ein Exemplar zur Kasse: „Kann ich das kaufen? Einfach so?“ Die Kassiererin musterte ihn befremdet. „Wenn Sie genug Geld dabeihaben, sehe ich kein Problem.“

Er begriff, dass alles nur ein böser Traum gewesen war. In der Straßenbahn nach Hause las er sich fest, und bald kamen ihm ein paar Ideen für seinen eigenen Roman. Als er wieder am Computer saß, sagte er sich: „Ich werde jetzt einfach das beste Buch schreiben, das ich je geschrieben habe.“

Und er war so glücklich wie schon lange nicht mehr.




Andreas Eschbach

(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors)

Fotos: HeBIS
(Frankfurter Buchmesse 2014)


Weitere Informationen zum Autor:


Andreas Eschbach auf der Buchmesse 2014:






Andreas Eschbach

Themen

Bericht zum 3. VuFind-Anwendertreffen 24./25.09.14 in Frankfurt

Am 24. und 25. September wurde das 3. Deutsche VuFind-Anwendertreffen im IG-Hochhaus auf dem Campus Westend der Goethe-Universität veranstaltet.

Das Ereignis, das nach Leipzig und Hamburg-Harburg nun in Frankfurt stattfand, wurde in diesem Jahr vom HDS-Team der HeBIS-Verbundzentrale organisiert. Fast 70 Teilnehmer und Referenten aus ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich trafen sich zum Austausch rund um die Open-Source-Katalogsoftware VuFind. Angesprochen waren sowohl SoftwareentwicklerInnen und SystembibliothekarInnen mit VuFind-Erfahrung als auch VuFind-Neueinsteiger.

VuFind [1] ist eine weit verbreitete Open-Source-Katalogsoftware mit Social-Web-Funktionen, moderner Oberfläche und Suchunterstützung durch Suchmaschinentechnologie. Im Funktionsumfang befinden sich sowohl Unterstützung zur Präsentation des eigenen Bibliothekskatalogs, lokaler Repositorien und Discovery Services verschiedener Anbieter als auch die Möglichkeit der Einbindung aller Benutzerfunktionen des Lokalsystems. Im deutschsprachigen Raum wird VuFind von mehreren Verbünden und einer Nutzergemeinschaft als Service für Mitgliedsbibliotheken angeboten, außerdem gibt es zahlreiche individuelle Installationen an Einrichtungen unterschiedlicher Größe. Im HeBIS-Verbund wird VuFind im Rahmen des HDS [2] eingesetzt. Sechs Installationen sind bereits produktiv, sechs weitere werden folgen.

Das Programm des Anwendertreffens umfasste Präsentationen, Blitzvorträge und Diskussionsrunden. HeBIS sorgte für die Verpflegung vor Ort, außerdem gab es am ersten Tag ein gemeinsames Abendessen, bei dem der Austausch in gemütlicher Runde fortgesetzt werden konnte. Das Themenspektrum reichte von Erfahrungen rund um die Einführung von VuFind in einer Einrichtung über die benutzerfreundliche Gestaltung der Installation durch Komfortfunktionen, Integration von externen Datenquellen wie Normdaten, der stimmigen Darstellung von Facetten und der Anbindung von Lokalsystemen bis hin zum Bereich Indexierung mit Deduplizierung, Relevance Ranking und Kombination mehrerer Indizes, sei es an der Oberfläche oder auf Indexebene mit SolrCloud und SolrFusion. Darüber hinaus wurde die Einbindung von Discovery Services in mehreren Vorträgen behandelt.

Neben zahlreichen technischen Vorträgen und Diskussionen kristallisierten sich die Probleme und Prozesse rund um die Einführung von VuFind als produktives System als Schwerpunkt der diesjährigen Veranstaltung heraus. Daraus kann man schließen, dass VuFind endgültig den Kinderschuhen entwachsen ist und als Open-Source-Produkt mit breiter Entwickler- und Nutzercommunity ein ernstzunehmender Konkurrent für kommerzielle Angebote mit ähnlichem Funktionsumfang ist.

Insgesamt können wir auf eine gelungene Veranstaltung mit einem breiten Spektrum an Beiträgen, lebendigem Erfahrungsaustausch und reger Beteiligung sowohl von Softwareentwicklern als auch bibliothekarischem Fachpersonal zurückblicken. Auch die Zukunft der Veranstaltung ist gesichert - das nächste Treffen wird voraussichtlich im Südwesten stattfinden und in Kooperation zwischen dem SWB und der UB Freiburg ausgerichtet werden. Unser Dank geht an alle, die mit Vorträgen, Diskussionsbeiträgen, Unterstützung bei der Organisation etc. zum guten Gelingen beigetragen haben.

Die Folien der Präsentationen sind im Programm des 3. Deutschen VuFind-Anwendertreffens auf der HeBIS-Website [3] zu finden.



Das HDS-Team (Claudia Grote, Heike Nienerza, Uwe Reh, Bettina Sunckel)






1. http://www.vufind.org
2.http://www.hebis.de/de/1ueber_uns/projekte/portal2.php
3.http://www.hebis.de/de/1ueber_uns/projekte/portal2/vufind-treffen-2014_programm.php




B. Sunckel E-Mail an AutorIn
HeBIS-Verbundzentrale
CJK-Praxisregeln der Verbünde aktualisiert

Im August 2014 ist eine grundlegend überarbeitete Fassung der von der AG Kooperative Verbundanwendungen herausgegebenen "Praxisregeln zur CJK-Erfassung" erschienen, die eine wichtige Arbeitshilfe für alle darstellen, die Medien in chinesischer, japanischer oder koreanischer Sprache/Schrift katalogisieren.

Die Neufassung war insbesondere für die Einführung nichtlateinischer Informationselemente in der Gemeinsamen Normdatei (GND) notwendig geworden, für die Absprachen in Details in verschiedenen Workshops und Expertenrungen getroffen wurden. Gleichzeitig wurden jedoch auch grundlegende Veränderungen bei den angewandten Regeln für die lateinische Umschrift in der Neufassung realisiert, die zuvor vom Standardisierungsausschuss beschlossen worden waren:

  • Grundlage für die Umschrift des Japanischen ist die neu erschienene DIN 32708. Sie wird allerdings nicht für die Wortbildung in der Umschrift verwendet.
  • Grundlage für die Umschrift des Koreanischen ist die "Revidierte Romanisierung 2000" unter Anwendung einer darin vorgesehenen Ausnahmeregel für den wissenschaftlichen Gebrauch.

Die neue Praxishilfe ist auf der Website der AG der Verbundsysteme online verfügbar unter http://bit.ly/CJKPRAXIS. Die neue DIN 32708 kann beim Beuth-Verlag bezogen werden (s. a. Bericht in dieser Ausgabe). Eine deutsche Fassung der Revidierten Romanisierung 2000 ist online verfügbar unter http://german.visitkorea.or.kr/ger/CU/CU_GE_5_4_3.jsp.

Die Praxisregeln wurden unmittelbar nach ihrer Veröffentlichung auch für den HeBIS-Verbund als verbindlich übernommen.

Rita Albrecht E-Mail an AutorIn
HeBIS-Verbundzentrale
Der Erste Weltkrieg aus hessischer Sicht

Literaturnachweise zum Ersten Weltkrieg in der Hessischen Bibliographie


Zum aktuellen Gedenken an den Beginn des Ersten Weltkriegs präsentiert die Hessische Bibliographie in ihrem OPAC unter der Überschrift Der Erste Weltkrieg aus hessischer Sicht‘ zwei Titellisten mit Literaturquellen, die die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf Hessen beleuchten.

Nachgewiesen sind sowohl Berichte zum Krieg aus lokalpolitischer Sicht und zum Alltags- und Kulturleben in Hessen als auch Schilderungen persönlicher Kriegserlebnisse sowie Veröffentlichungen zum Gedenken an die im Krieg Gefallenen.

Von der Redaktion der Hessischen Bibliographie wurde zu diesem historischen Anlass ein neuer Flyer herausgegeben.

Aufzählungszeichen blauer Pfeil Download  Flyer der Hessischen Bibliographie (pdf)



Fotos: A.Hartmann:
„Die Stadt Bad Vilbel ihren gefallenen Söhnen“
Ehrenmal für die Gefallenen 1914/1918in Bad Vilbel
(Denkmal von Paul Seiler, 1934)



Andrea Hartmann E-Mail an AutorIn
HeBIS, Hessische Bibliographie
Medienzentrum der Hochschule Darmstadt: Bauliche und organisatorische Änderungen

Pünktlich zum Beginn des Wintersemesters steht den rund 14.000 Studierenden der Hochschule Darmstadt ein modern ausgestattetes Lernzentrum am zentralen Hochschulcampus in Darmstadt zur Verfügung.

Möglich wurde der Bau des Lernzentrums durch den Auszug des Patentinformationszentrums der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt aus dem Gebäude D10 in der Schöfferstraße 8. So ergab sich die Chance, die Etage mittels Durchbruch und einem Übergang zur Bibliothek zu einer fast 2.000 Quadratmeter großen Fläche zu öffnen. Mit der Fertigstellung des Lernzentrums wird die Bibliothek noch stärker zu einem Lernort werden und die Studierenden in ihren ganz unterschiedlichen Lernbedürfnissen bestmöglich unterstützen.


 














Einige der 12 neuen Einzelarbeitsräume

Foto: S.Streib

 


Zukünftig stehen den Studierenden ca. 120 Arbeitsplätze unterschiedlicher Art in den neu gestalteten Räumen zur Verfügung. Neben 60 Einzelarbeitsplätzen, von denen zwölf mit PC ausgestattet sind, wird es auch einen speziell für Sehbehinderte eingerichteten Arbeitsplatz geben. Studierende können sich aber auch in einen der zwölf Einzelarbeitsräume zurückzuziehen. Sieben Gruppenarbeitsräume mit je rund 27 Quadratmeter Grundfläche bieten Raum für bis zu acht Personen und verfügen über Whiteboard und andere Präsentationsmöglichkeiten.

Zudem wird ein Schulungsraum mit 40 Plätzen und PCs, Beamer und Leinwand für Schulungen eingerichtet. In den Räumen des Lernzentrums wird künftig außerdem ein Produktionsraum für den Bereich E-Learning zu finden sein, ausgestattet mit einem Arbeitsplatz für Filmschnitt. Für die nötigen Lernpausen gibt es einen eigenen kleinen Lounge-Bereich.


 
  
Arbeitsplätze und Gruppenarbeitsräume wechseln sich ab.
Tische auf Rollen ermöglichen im mittleren Bereich eine flexible
Gestaltung der Arbeitsflächen
  
 Foto: S.Streib
  


Das neue Lernzentrum, als Teil der Zentralbibliothek, wird vom Medienzentrum der Hochschule Darmstadt betreut. Das Medienzentrum wurde im vergangenen Wintersemester als neue Organisationseinheit der Hochschule im Ressort des Vizepräsidenten für Forschung und wissenschaftliche Infrastruktur gegründet. In ihm geht die bisherige Bibliothek der Hochschule Darmstadt auf. Hintergrund ist, dass die Bibliothek mit ihrem Lernzentrum und der Bereich E-Learning stärker miteinander verknüpft und die Schnittstellen zu anderen Abteilungen optimiert werden sollen. Neuer Leiter des Medienzentrums ist Simon Streib, der im vergangenen Herbst vom Kommunikations- und Informationszentrum (kiz) der Universität Ulm nach Darmstadt wechselte.


Simon Streib E-Mail an AutorIn
Medienzentrum Hochschule Darmstadt
International
Bücher und Menschen am Capitol Hill - ein Besuch in der Library of Congress

Die Teilnahme an der Jahrestagung von ISO TC 46 (s. Bericht in dieser Ausgabe) führte mich im Mai 2014 nach Washington, DC. Der Zufall wollte es, dass in meiner persönlichen Sitzungsagenda für die ISO-Tagungswoche ein Tag frei von Verpflichtungen blieb. Diesen wollte ich zu einem Besuch in der Library of Congress nutzen, um mir ein Bild von den Geschäftsgängen und Abläufen machen zu können, insbesondere auf dem Feld der Katalogisierung. Ich kannte die LoC bisher hauptsächlich aus den Anfangsjahren meiner bibliothekarischen Laufbahn in Form der großen, schweren Bände, die ihre Bestände verzeichneten und damals eine wichtige Quelle für bibliographische Nachweise, z.B. beim Signieren von Fernleihbestellungen, darstellten. Mein Besuch fand also durchaus mit einer fast ehrfürchtigen Grundhaltung vor der berühmten und bedeutenden Institution des internationalen Bibliothekswesens statt.

Ich wurde sehr freundlich von Susan Morris, Special Assistant des Leiters des Acquisitions and Bibliographic Access Directorate begrüßt und durch einen sehr interessanten Tag begleitet. Susan versorgte mich mit Unmengen von Informationen, führte mich an die verschiedenen Geschäftsgangstationen quer durch das Madison-Gebäude und vermittelte mir Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen zu verschiedenen speziellen Fragen, die ich hatte.

Überall wurde ich sehr offen empfangen und ich war erstaunt, wie bereitwillig man mir Auskünfte gab, die das eigene Haus und die eigene Arbeit durchaus auch mit kritischer Distanz würdigten.


ALLGEMEINES


Das Acquisitions and Bibliographic Access Directorate befindet sich zusammen mit anderen Verwaltungsabteilungen im James Madison Memorial Building, einem nüchternen, riesigen Gebäudekomplex, der 1981 als letzter der drei Bibliotheksbauten am Capitol Hill in Washington bezogen wurde. Die Aufgabe des Direktorats besteht in der Beschaffung und Erschließung von Materialien aus aller Welt für die Sammlungen der Bibliothek. Das Direktorat gehört zu den Library Services; organisiert ist es in neun Divisions, die wiederum in insgesamt 41 Sections untergliedert sind, wobei die einzelnen Divisions offenbar relativ unabhängig voneinander arbeiten. I Zur leichteren Beschaffung von Materialien aus bestimmten Regionen/Ländern unterhält die LoC sechs Overseas Offices in Neu Delhi, Kairo, Rio de Janeiro, Jakarta, Nairobi und Islamabad.

Im gesamten Gebäude wie auch in den Geschäftsgängen der Library of Congress zeigt sich die latente Angst vor Attentaten, die hauptsächlich aus den Anschlägen des 11. September 2001 (u.a. auf das Pentagon in Washington) und den kurz darauf verschickten Briefen mit dem Anthrax-Erreger (u.a. an zwei Senatoren in Washington) resultieren. So wird heute noch jeder eingehende Brief und jede eingehende Lieferung zunächst eingehend und teilweise mehrfach auf bedrohliche Inhalte überprüft, ehe die Weiterleitung an den zuständigen Empfänger im Haus erfolgt. Jeder Mitarbeiter und jeder Besucher muss sich beim Betreten des Gebäudes einer Sicherheitskontrolle unterziehen.

Das Gesamtbudget der LoC betrug im Fiscal Year 2013 rund 590 Mio. US-Dollar, rund 21 Mio. davon standen als Erwerbungsmittel für den Medienkauf zur Verfügung II. Es wurden 2,6 Mio. Medieneinheiten erworben, rund 1 Mio. davon durch Kauf, die restlichen 1,6 Mio. durch andere Zugangsarten, beispielsweise aus dem Prozess des Eintragens des Copyrights, für den zwei Freiexemplare an die Bibliothek abgeliefert werden müssen. Das zuständige Copyright Office gehört nicht zur Abteilung Library Services, wenn auch die Erschließung der Freiexemplare mit in die Zuständigkeit des Direktorats Acquisitions and Bibliographic Access gehört. Beim gezielten Zukauf nichtenglischsprachiger Literatur nehmen chinesischsprachige Publikationen den ersten Rang ein, gefolgt von deutschen. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass die Informationsversorgung des Kongresses immer noch eine Kernaufgabe der LoC ist und die Vereinigten Staaten ein großes wirtschaftliches Interesse an den beiden Ländern haben.

In der LoC arbeiten aktuell rund 420 Katalogisierer (vor 20 Jahren: über 800). Es gibt kein einheitliches Erfassungs- und Nachweisinstrument; für Monographien wird das Katalogisierungsmodul des lokalen Bibliothekssystems zur Primärerfassung verwendet, für fortlaufende Sammelwerke hingegen WorldCat. Für elektronische Ressourcen gibt es ein durch Mehrfach-Backups gesichertes Repository, die Erschließung erfolgt in einer eigenen Datenbank, die nicht mit den übrigen Daten in einer gemeinsamen Benutzeroberfläche vereinigt wird.

Die EDV-Infrastruktur der Bibliothek ist sehr heterogen und besteht aus vielen, nicht miteinander verbundenen Programmen, die meist einen ganz bestimmten Aspekt des Geschäftsgangs unterstützen (z.B. Bindeverwaltung) und in vielen Fällen selbst entwickelt oder beauftragt wurden. Voyager (Exlibris) ist das lokale Bibliothekssystem mit Erwerbung, Katalogisierung und Ausleihe; alle Module werden eingesetzt. Voyager wurde 1999 in der LoC eingeführt, konkrete Ablösungsüberlegungen gibt es derzeit nicht. Es wurde aber eine Task Force eingesetzt, die sich mit systemtechnischen Zukunftsfragen wie auch dem Einsatz von Cloudsystemen beschäftigen soll. Regelmäßig werden Release-Updates des Voyager-Systems übernommen; diese bedeuten jeweils eine einwöchige komplette Schließung des Systems.

PROGRAM FOR COOPERATIVE CATALOGUING (PCC)


Das PCC ist ein internationaler Zusammenschluss von über 800 Bibliotheken mit gemeinsamen Katalogisierungsvorgaben für eine Harmonisierung und zur leichteren Nachnutzung von Daten. Es gibt unter dem PCC-Dach jeweils Programme für Formal- (BIBCO, CONSER) und Sacherschließung (SACO) sowie für Normdaten (NACO). Die meisten Bibliotheken sind aktiv am NACO-Programm beteiligt, die wenigsten an BIBCO, das gemeinsame Vorgaben für die Katalogisierung monographischen Materials verschiedener Medientypen umfasst. III
Die LoC ist einerseits ein reguläres Mitglied dieser Gemeinschaft und deren demokratischen Prozessen unterworfen, stellt aber andererseits hauptamtliches Personal für Koordinierungsaufgaben („Secretary“) zur Verfügung.

KATALOGISIERUNG VON MONOGRAPHIEN


Monographien werden im Voyager-System katalogisiert. Die Katalogisierung erfolgt in verschiedenen Departments, getrennt nach Zugangsart (Kauf oder Copyright/Legal deposit) und nach Regionen/Sprachen. Katalogisierer mit entsprechenden Sprachkenntnissen – oft Muttersprachler -stehen für nichtenglischsprachige Literatur zur Verfügung. Bei der Katalogisierung wird auf eine möglicherweise bereits vorhandene CIP-Aufnahme aufgebaut oder aber eine Suche im WorldCat vorgenommen. Wegen der Langwierigkeit der Copyright-Prozeduren existieren oft bereits Katalogisate anderer Bibliotheken für amerikanische Publikationen, sodass auch in der LoC für ca. 23 Prozent aller Katalogisierungsfälle (inkl. Zeitschriften) auf Vorleistungen zurückgegriffen werden kann. Ein so gefundener Titel wird ins Voyager-System geladen und nach Bedarf modifiziert sowie mit Lokaldaten versehen. Solche Übernahmen werden hauptsächlich von sogenannten Library technicians durchgeführt, angelerntem und damit deutlich kostengünstigerem Personal. Die Aufnahme wird auch daraufhin überprüft, ob Arbeiten an Normdaten auszuführen sind; diese werden dann nach einer Zwischenspeicherung, die das System optional vorsieht, von ausgebildeten Bibliothekaren erledigt. Sacherschließungsdaten werden bei dieser Katalogisierungsvariante zwar ebenfalls im Rahmen der Möglichkeiten des Personals geprüft, in der Regel aber übernommen.

Muss ein Titel neu erfasst werden, umfasst dies die bibliographische Beschreibung und die Sacherschließung durch die Dewey Decimal Classification und die Vergabe von Library of Congress Subject Headings durch einen Bibliothekar, der beides erledigt. Diese Variante der kompletten Erschließung aus einer Hand wurde erst vor einigen Jahren eingeführt und hat zu großen Diskussionen innerhalb der LoC geführt. Insgesamt sei die Katalogisierung dadurch aber deutlich effizienter geworden.

In WorldCat vorhandene Datensätze in anderen Katalogisierungssprachen als englisch werden nicht direkt nachgenutzt und auch nicht kopiert. Feste Elemente der bibliographischen Beschreibung werden stattdessen mit Cut and paste in ein neues Katalogisat eingefügt, um Schreibarbeit zu sparen. Manche Katalogisierer der LoC vertreten jedoch die Ansicht, dass in solchen Fällen die eigene Neueingabe schneller ist als das umständliche Kopierprocedere.

Die Library of Congress ist zwar eine Magazinbibliothek, stellt in ihren Magazinen aber nach DDC auf. IV  Deshalb ist es von großer Wichtigkeit, den Hauptinhalt einer Publikation und alle weiteren behandelten Aspekte sorgfältig zu bestimmen und danach entsprechend die (Haupt)Notation zu vergeben. Dazu werden das Inhaltsverzeichnis, das Vorwort, Klappen- und Rückentexte etc. durchgesehen und ggf. geprüft, welche Werke der Autor außerdem verfasst hat. Dementsprechend dauert die Sacherschließung bis zu einer Stunde. Der durchschnittliche Aufwand für Formal- und Sacherschließung wird von der LoC mit insgesamt 90 Minuten pro Titel beziffert.

Alle monographischen Neukatalogisate werden täglich nachts aus dem Voyager-System exportiert und zur Abholung durch OCLC auf einem FTP-Server bereitgestellt. OCLC zahlt für die Bereitstellung der Daten eine Gebühr an die LoC, die bezogen auf einen Datensatz nach Aussage der Bibliothek aber nur wenige Cent beträgt. Die Daten werden ohne Lokaldaten, nur mit einem Besitzkennzeichen versehen, in den WorldCat eingespielt. Welche Prozesse bei dieser Einspielung greifen, ob alle eingespielten Records der LoC automatisch per Definition zu Masterrecords werden und ggf. bereits vorhandene Katalogisate in derselben Katalogisierungssprache überschreiben, ist in der LoC nicht bekannt. Unbekannt ist außerdem, warum OCLC die Lokaldaten nicht übernimmt.


KATALOGISIERUNG VON ZEITSCHRIFTEN


Die Katalogisierung von Zeitschriften erfolgt primär im WorldCat und nach den CONSER-Richtlinien. Für die Katalogisierung im WorldCat entrichtet LoC eine Gebühr an OCLC. Zunächst wird beim Katalogisieren in WorldCat nach bereits existierenden Aufnahmen gesucht. Existiert ein vollständig dem CONSER-Standard entsprechendes Katalogisat, wird ein Besitzkennzeichen für die LoC angebracht. Nicht dem CONSER-Standard entsprechende Katalogisate werden aufgearbeitet und ebenfalls mit dem Besitzkennzeichen versehen. Täglich über Nacht werden die CONSER-Katalogisate von OCLC bereit gestellt und ins Voyager-System der LoC importiert. Anschließend werden alle (!) Katalogisate dort erneut aufgerufen und die Exemplardaten ergänzt.


ERFAHRUNGEN MIT UND BEWERTUNG VON RDA


Monographien- wie Zeitschriftenkatalogisierer berichteten von mir auf ihre Erfahrungen mit dem neuen Regelwerk Ressource Description and Access (RDA) angesprochen gleichermaßen von Skepsis wie auch von großen Erwartungen, die mit RDA verbunden waren. Insbesondere nach dem als aufwendig bezeichneten Training und dem Vermitteln des neuen Grundkonzeptes der Functional Requirements for Bibliographic Records (FRBR) sei im Alltag jedoch schnell Ernüchterung eingekehrt, als man feststellte, dass die neuen Katalogisate nach RDA wegen der von MARC21 vorgegebenen Beschränkungen nicht viel anders aussahen als die nach dem alten Regelwerk AACR2 erstellten. Jetzt setzt man große Erwartungen in BIBFRAME als Ersatz für MARC21, offenbar auch als Erfassungsformat. Als wichtiges Desiderat wurde von einigen Katalogisierern die Möglichkeit von Verlinkungen zwischen Datensätzen bezeichnet; bei Zeitschriften wurden konkret Titel-Titel-Verknüpfungen als wünschenswert genannt.

PERSÖNLICHES FAZIT


Der altbekannte Spruch "Die kochen auch nur mit Wasser" fasst vielleicht am besten die spontane Bewertung meines Besuches und meiner Erkenntnisse zusammen. Tatsächlich präsentierte sich die altehrwürdige Kongressbibliothek als ein riesiges und damit äußerst schwerfälliges organisatorisches Gebilde. Neuerungen und Innovationen – das war auch immer wieder während meiner Gespräche spürbar – sind hier nur schwer durchzusetzen und zu realisieren. Lange Wege durch das riesige Gebäude produzieren eine Überorganisation des Durchlaufs durch die Stationen, was sich z.B. in zahlreichen Sortiervorgängen und speziellen Transportmitteln für verschiedene Zwecke manifestiert. Die EDV-Versorgung mit ihren zahlreichen voneinander separierten und teilweise hausgemachten Systemen fördert nicht gerade die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit und wirkt wenig modern und effizient. Man stelle sich nur einmal vor, im HeBIS-Verbund würde wegen eines Releasewechsels das Zentralsystem oder ein Lokalsystem mehrere Tage geschlossen – völlig undenkbar! Natürlich ist eine Nationalbibliothek wie die LoC mit ihren besonderen Aufgaben nicht direkt mit einem deutschen Bibliotheksverbund oder einer Hochschulbibliothek vergleichbar. Trotzdem glaube ich, dass wir mit unserem gesamten deutschen Bibliothekswesen im internationalen Vergleich mehr als gut dastehen, da wir uns in den letzten 15 bis 20 Jahren ganz besonders auf Innovationen und Maßnahmen zur Effizienzsteigerung fokussiert haben. Und das ist für mich eine überaus positive Erkenntnis aus meinem Kurzbesuch in der Library of Congress.


DAS JEFFERSON BUILDING UND EIN HOLOCAUST-ÜBERLEBENDER


Zum Abschluss meines Besuches hatte Susan für mich einen Besuch des Jefferson Buildings arrangiert, dem historischen ehemaligen Hauptgebäude. Das Gebäude wurde im Stil der Renaissance errichtet und 1897 eröffnet – ein prachtvoller Bau, der mit edlen Materialien, darunter Tonnen von Marmor, ausgestattet wurde. Für diesen Besuch wurde ich von Kurt Maier, einem Senior Cataloger des German and Slavic Department, in Empfang genommen und durch das unterirdische Tunnelsystem, das alle drei Gebäude am Capitol Hill miteinander verbindet, in den historischen Bau geleitet. Kurt sprach ein lupenreines Deutsch ohne jeden Akzent, was mich sehr verblüffte, umso mehr, als er mir erzählte, er lebe seit 1940 in den USA.

Während er mir den großen Lesesaal mit seiner imposanten Kuppel von der Besuchertribüne aus, die Statue Beethovens in der riesigen Eingangshalle und einige Preziosen der Bibliothek in den musealen Ausstellungen zeigte V, erzählte Kurt mir auch ein bisschen über sich selbst  VI: Er wuchs in einer badischen Kleinstadt auf, aus der er 1938 mit seiner jüdischen Familie deportiert wurde; 1940 durfte die Familie nach den USA ausreisen. Nach dem Krieg kehrte er immer wieder nach Deutschland zurück, zuerst zur Ableistung seines Wehrdienstes in der U.S. Army, später zum Studium. Seit einigen Jahren kommt er mit Hilfe von Sponsoren regelmäßig für einige Wochen nach Deutschland, um jüngeren Menschen von seiner Kindheit im Dritten Reich zu erzählen. VII Auch für 2014 sei wieder eine solche Reise geplant, obwohl dies mit zunehmendem Alter doch immer anstrengender werde. Ach ja – Kurt ist 1930 geboren, war also zum Zeitpunkt unserer Begegnung 84 Jahre alt. Er ist immer noch voll berufstätig, kompensiert dadurch ein bisschen den Tod seiner Frau und hat noch ein Ziel: bis zu seinem 100. Geburtstag will er unbedingt noch als Katalogisierer in der Library of Congress tätig sein. Eine in jeder Hinsicht beeindruckende und nachhaltige Begegnung für mich!





Auch wenn im Text an einigen Stellen nur die männliche Bezeichnung erwähnt wird, sind selbstverständlich Frauen und Männer gleichermaßen damit gemeint.

I Ein Organigramm der Library of Congress ist online abrufbar unter
http://www.loc.gov/portals/static/about/documents/lcorgchart.pdf [Zugriff: 18.10.2014]
Eine Übersicht über das Direktorat Acquisitions and Bibliographic Access ist abrufbar unter http://www.loc.gov/aba/about/ [Zugriff: 19.10.2014]

II Annual Report, FY 2013. Online verfügbar:
http://www.loc.gov/portals/static/about/reports-and-budgets/documents/annual-reports/fy2013.pdf [Zugriff: 18.10.2014]

III FY2013 PCC Membership and Growth. Online verfügbar:
http://www.loc.gov/aba/pcc/stats/PCCMembershipGrowth.pdf [Zugriff: 18.10.2014]

IV Wegen des großen Platzbedarfs dieser Aufstellungsmethode wird derzeit in der LoC über eine Änderung der Praxis hin zu einem Numerus-currens-System beraten.

V Eine virtuelle Führung kann man mit dem Webcast "Inside the Library with Kurt Maier" machen (http://www.loc.gov/rr/program/journey/video/lctour.ram, Realplayer erforderlich). Ein Transkript der Tour ist ebenfalls verfügbar.

VI Vgl. hierzu den Wikipedia-Eintrag http://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Salomon_Maier [Zugriff: 18.10.2014]

VII Seine Kindheitserinnerungen hat Kurt Maier auch in einem Buch verarbeitet: Maier, Kurt Salomon: Unerwünscht : Kindheits- und Jugenderinnerungen eines jüdischen Kippenheimers. Ubstadt-Weiher [u.a.] : Verl. Regionalkultur, 2011. ISBN 978-3-89735-623-8




Bildnachweis:
Alle Fotos: R.Albrecht
Nr. 1: Der berühmte große Lesesaal der Library of Congress - studieren und forschen unter einer riesigen Kuppel
Nr. 2: In Bronze gegossen: Albert Einstein mit seiner Relativitätstheorie
Nr. 3: "What is past is prologue": Statue vor dem Gebäude der National Archives and Records Administration, wo u.a. die amerikanische Unabhängigkeitserklärung und Verfassung aufbewahrt werden
Nr. 4: Das Kapitol
Nr. 5: Das Weiße Haus
Nr. 6: Lincoln Memorial

Rita Albrecht E-Mail an AutorIn
HeBIS-VZ
International
CIB auf dem IFLA-Kongress 2014, Lyon

Die diesjährige IFLA Konferenz fand vom 16. 22.8.2014 in Lyon, Frankreich unter dem Motto: "Libraries, Citizens, Societies: Confluence for Knowledge" statt. Fast 4000 Teilnehmer waren angereist.

Dies war ein willkommener Anlass, das Projekt „Cloudbasierte Infrastruktur für Bibliotheksdaten“ (CIB) mit einem Poster vorzustellen.1





Das Projekt, das im September 2013 begann und eine Dauer von drei Jahren hat, wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Projektpartner sind der Bayerische Bibliotheksverbund (BVB), der Kooperative Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg (KOBV) sowie das Hessische Bibliotheks- und Informationssystem (HeBIS). Ziele des Projektes sind, „Neu-Strukturierungsprozesse der Verbundlandschaft voranzutreiben und die Voraussetzungen für den Umstieg auf cloudbasierte Katalogisierungssysteme zu schaffen.“2


Diese sollen die bisherigen, verbundweiten Bibliothekssysteme sukzessive ablösen und damit das Arbeiten in international ausgerichteten Systemen ermöglichen.

Am Montag und Dienstag standen alle Referenten während der Mittagszeit zwei Stunden an ihren Postern für Fragen zur Verfügung. Dabei ergaben sich viele interessante Gespräche über Cloud-Computing im Allgemeinen und insbesondere über Cloudbasierte Bibliothekssysteme, wie sie mit dem CIB-Projekt angestrebt werden. Vor allem Bibliothekare aus den USA und den nordeuropäischen Ländern, die hautpsächlich über das Thema diskutierten, haben mit Cloud-Lösungen gute Erfahrungen gemacht.

Bereits am Sonntag hatte eine zweistündige Session zum Thema „Cloud services for libraries  - safety, security and flexibility -  Information Technology Section“ stattgefunden. Im Rahmen dieser Session hatte Frau Rusch, Geschäftsführende Leiterin des KOBV, mit ihrem Vortrag „Cloud-based infrastructure for library data - How to build a Cross-System Dataspace for international environments“ das CIB-Projekt vorgestellt 3. Der Vortrag war bei den Teilnehmern sehr gut angekommen, viele nutzten am Montag und Dienstag die Poster-Präsentation für Diskussionen und um weitergehende Fragen zum Projekt zu stellen. Praxisvorträge über den Einsatz von Cloud-Computing des National Library Boards in Singapur, der Universität of Sao Paulo in Brasilien und der National Library and Archives Organization in Teheran, Iran rundeten die Session ab.4

Prof. Petra Düren von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg, stellte in ihrem Vortrag dar, wie den Herausforderungen des Cloud-Computing mit den Werkzeugen des Change Managements begegnet werden kann. Schließlich müssen sich Mitarbeiter auf neue Bibliothekssysteme einstellen. Dieser Vortrag wurde zusammen mit Rob Ross, Leiter des Implementation Programms, OCLC, Dublin (Ohio, USA) gehalten, der WorldShare Management Services als Beispiel für das integrierte, „cloud-based library management system“ von OCLC vorstellte.

Während der gesamten Konferenzwoche waren weitere zahlreiche Vorträge besucht worden. Einen guten Einstieg bot die „Newcomer Session“: Mit Berichten und Empfehlungen von IFLA-Funktionären wurden alle Teilnehmer, die das erste Mal bei der Konferenz dabei waren, auf den Kongress eingestimmt. Das wichtigste sei, von anderen zu lernen und neue Kontakte zu knüpfen. In gewisser Weise würden sich übrigens viele auf der Konferenz als Neulinge fühlen, denn vieles ändere sich jährlich. So seien der Tagungsort und auch die Teilnehmer stets verschieden.

Ganz besonders wurde die Bedeutung der Simultan-Dolmetscher hervorgehoben: Als Freiwillige übersetzten sie viele Vorträge in die sieben Arbeitssprachen der IFLA. Überhaupt spielten die über 300 Freiwilligen eine wichtige Rolle: Als Ansprechpartner bei der Registrierung sowie bei der Beantwortung aller aufkommenden Fragen, noch dazu in diversen Sprachen, waren sie stets eine zuverlässige und kompetente Hilfe.

In einem sehr interessanten Vortrag wurde das Projekt "1001 libraries to see before you die“ 5 vorgestellt. Ziel ist es, gelungene Beispiele für Öffentliche Bibliotheksbauten weltweit aufzuzeigen. Während der Session wurde von der „Danish Agency for Culture, Kopenhagen“ der Preis für die beste öffentliche Bibliothek des Jahres 2014 vergeben. Unter den vier Bewerbungen öffentlicher Bibliotheken aus Großbritannien, Australien, den Niederlanden und Dänemark wurde als Gewinnerin die öffentliche Bibliothek Craigieburn Library, Hume City, Victoria, Australien gekürt. Aufgrund ihrer modernen Architektur und dem flexiblen, offenen Raumkonzept ist sie ein Ort des Lernens sowie ein Ort der Begegnung und Interaktion -  so die Begründung der Jury.

Der Kongress ermöglichte es, auch Vorträge zu Themen zu besuchen, mit denen man sich im Berufsalltag überhaupt nicht beschäftigt. Sehr interessant waren Vorträge, die unter dem Überbegriff „Bibliotheken in Afrika“ zusammengefasst werden können:
  • Martin Kesselman (Rutgers Univ. New Brunswick, USA): "Embedding Information Literacy into the Agriculture Curriculum in Liberia: A Model Approach for Developing Countries"
  • Thembani Malapela, Fabrizio Celli, Imma Subirats, Johannes Keizer (FAO of United Nations, Rome, Italy): "Role of AGRIS in providing global agricultural information to boost productivity and food security"
  • Sumayya Ahmed (Univ. of North Carolina at Chapel Hill, USA): "The crisis of reading in Morocco and recent pro-reading initiative."

Die Referenten betonten, dass Bibliotheken in Afrika vor ganz anderen Herausforderungen stehen als dies z.B. in Europa der Fall ist. Wie soll man Leseförderung in Marokko betreiben, wenn es in diesem Land verpönt ist, in der Öffentlichkeit Bücher oder auch nur die Tageszeitung zu lesen? Wie können Bibliothekare Farmer mit Strategien gegen Dürren und Missernten unterstützen, wenn ein Teil der Farmer Analphabeten sind?


Vergleichbar mit der Kongressparty auf dem Bibliothekartag gab es einen Cultural Evening. Der Abend stellte eine gelungene Abwechslung zum Kongressgeschehen dar. Ein Highlight war das „leuchtende Buch“: die Partygäste konnten sich mit einem aufgeklappten Buch und leuchtenden Buchseiten fotografieren lassen. Die Fotos wurden direkt auf einer großen Leinwand über der Tanzfläche gezeigt.

Auf der Abschlussveranstaltung am Donnerstag wurde für die Teilnahme am Kongress im nächsten Jahr in Kapstadt geworben. Der Kongress wird unter dem Motto: „Dynamic Libraries: Access, Development and Transformation“ stattfinden. Ebenso wurde die Gewinnerin des Poster Award bekannt gegeben: Judy Brooker gewann mit ihrem Poster: „ALIA (Australian Library and Information Association): Future of the Profession.“ 6

Damit ging der sehr interessante Kongress zu Ende. Dank gilt an dieser Stelle der Kommission Bibliothek und Information International, die mit einem Reisekostenstipendium die Kongressteilnahme förderte.


Ariane Streicher
HeBIS-Verbundzentrale

Fotos: A.Streicher




1. http://www.projekt-cib.de/wordpress/wp-content/uploads/2014/08/IFLA_CIBCloud_Poster.pdf

2. S.a. weitere allgemeine Informationen zum CIB-Projekt:
http://www.projekt-cib.de/wordpress/

3. http://www.projekt-cib.de/wordpress/wp-content/uploads/2014/08/11-08-2014_IFLA-Praesentation.pdf

4. Viele Vorträge, die auf der Konferenz gehalten wurden, sind online bei den jeweiligen Programmpunkten abzurufen:
http://conference.ifla.org/past-wlic/2014/ifla80/programme-and-proceedings-full-printable.html

5. www.1001libraries.wordpress.com

6. http://conference.ifla.org/files/assets/wlic/2014/images/poster-session-winner-16.jpg




Ariane Streicher E-Mail an AutorIn
HeBIS-Verbundzentrale
Konferenz
Impressionen der 1. HeBIS Verbundkonferenz

Literaturhaus Frankfurt am Main Literaturhaus Frankfurt am Main
Teilnehmer Lauschendes Publikum
Dr. Heiner Schnelling während der Begrüßungsrede Fragestunde
Rita Albrecht während ihres Vortrages Mauriitz van der Graaf während seines Vortrages
Mauriitz van der Graaf während seines Vortrages Mittagspause
Im Restaurante Goldmund Im Restaurante Goldmund
Kaffee und Kuchen Kuchenplatte
Während der Vorstellung der Facharbeitsgruppen Während der Vorstellung der Facharbeitsgruppen
Dr. Eva Christina Glaser während ihres Vortrages Dank an die Organisatoren

(miju)
Konferenz
Rückblick auf eine erfogreiche 1. Verbundkonferenz

Am 23. September 2014 fand im Literaturhaus Frankfurt die 1. HeBIS-Verbundkonferenz statt. Über 130 Besucher fanden sich im stilvollen Ambiente des Literaturhauses ein und verfolgten das Program mit den Berichten des HeBIS-Verbundes sowie ausgewählten Vorträgen zu verschiedenen Themen des Information Management.


Der Tag begann mit der Begrüßung durch Dr. Heiner Schnelling und den Berichten des Verbundvorstandes sowie der Verbundzentrale. Einen umfassenden Überblick, wie sich der  HeBIS-Verbund seit der Neukonstitution im Herbst 2013 entwickelt hatte, lieferte Dr. Heiner Schnelling. Dabei beleuchtete er nicht nur die Arbeit des Verbundvorstandes, sondern setzte sich unter anderem auch kritisch mit den Perspektiven des HeBIS-Verbundes auseinander.

Dr. Uwe Risch vertiefte in seinem Bericht die Leistungen der HeBIS-Verbundzentrale und gab einen Einblick in die verschiedenen Arbeitsfelder. Die vier Teilbereiche (Repositorien und Infrastruktur, Vermittlungs- und Recherchelösungen, Metadaten und Standardisierung: Querschnittsaufgabe, Öffentlichkeitsarbeit und Aus- und Weiterbildung) veranschaulichte er mit Beispielen sowie aussagekräftigen Zahlen und Statistiken. Dazu wies er gesondert auf die neuen Dienste aus Drittmittelfinanzierungen hin, die zukünftig eine größere Rolle spielen sollen.

Es folgte ein dem Tagesprogramm erst kürzlich zugefügter Programmpunkt: Eine Kurz-Darstellungen der Arbeit in den HeBIS-Facharbeitsgruppen durch die jeweiligen Vorsitzenden.


Rita Albrecht gab in „Das RDA-Projekt - wo stehen wir?“ einen Überblick in die Abläufe der Einführung des neuen Regelwerkes Resource Description and Access (RDA). Anhand des festgelegten Zeitplans zur bundesweiten Einführung von RDA berichtete sie über die bisher erreichten Meilensteine und die noch vor uns liegenden Aufgaben. Hierzu ging sie auf die einzelnen Teilprojekte der AG RDA ein, veranschaulichte den Stand der Dinge und wies auf das RDA-Toolkit als maßgebliches Arbeitsinstrument für die zukünftige Katalogisierung in RDA hin. Auch auf die Aufgaben der HeBIS AG RDA ging Rita Albrecht im Zuge des Vortrags ein und gab einen Ausblick auf das nächste große Thema, die RDA-Schulungen.


Der Beitrag von Maurits van der Graaf wurde vorgezogen und begann gleich nach der Mittagspause. Er berichtete über die Ergebnisse einer Studie zur Weiterentwicklung des Katalogisierungssystems SUDOC (Système universitaire de documentation) in Frankreich; ein Verbundkatalog, der durch ABES (Agence bibliographique de l'enseignement supérieur) verwaltet wird.

Der Vortrag umfasste die Analyse des SUDOC-Netzwerkes, die Hervorhebung von sechs grundlegenden Veränderungen in der Katalogisierung anhand einiger Beispielbibliotheken, die Konsequenzen dieser Änderungen und die daraus folgenden Ideen für ein neues SODUC-System. Letzteres beinhaltete Überlegungen in Richtung des CIB-Projektes oder LIBRIS XL, einem schwedischen Verbundkatalog, basierend auf Linked Open Data.


Über das CIB-Projekt (Cloudbasierte Infrastruktur für Biblitheksdaten) informierte Dr. Uwe Risch im Anschluss.

CIB ist ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziertes Gemeinschaftsprojekt der Verbünde HeBIS, BVB und KOBV. Es zielt auf eine Reform der Katalogisierung und von Lokalsystemfunktionen und deren Verlagerung in internationale Plattformen. In seinem Bericht erläuterte Dr. Uwe Risch die Kernelemente des Projektes und zeigte im Rahmen dieser den aktuellen Stand auf. Dabei verdeutlichte er auch Schwierigkeiten, wie den Konflikt mit der Sicherheit empfindlicher Daten und der Synchronisation verschiedener Plattformen in der "Cloud".


Zum Abschluss erklärte Dr. Eva Christina Glaser in „Teachable moments – Discovery Systeme und Informationskompetenz“ das Prinzip von Teachable moments - eine überraschende Gelegenheit etwas zu lernen, die nur schwer gezielt herbeigeführt werden kann - als Grundprinzip wie Discovery Systeme Lern- und Informationsprozesse sowohl der Benutzer als auch des Bibliothekspersonals verändern. Über einen Exkurs zur Entwicklung der Bibliothekskataloge und deren Nutzer führte sie zu einer neuen Definition des Begriffs 'Informationskompetenz' als ‚Informationskultur‘. Als Fazit zog Dr. Eva Christina Glaser den Rückschluss, dass der Fokus der Schulungen für ein Discovery System nicht mehr auf der Suche, sondern auf den Ergebnissen liegen sollte, um sich bietende teachable moments optimal ausnutzen zu können.


Die Materialien und Vorträge zur Verbundkonferenz sowie weitere Informationen finden Sie auf unseren Webseiten.


weitere Informationen, Fotos und Präsentationen:




Dr. Heiner Schnelling
Dr. Heiner Schnelling,
HeBIS-Verbundleitung
Bericht des Verbundvorstandes
Dr. Uwe Risch
Dr. Uwe Risch,
HeBIS-Verbundzentrale
Bericht der HeBIS-Verbundzentrale / CIB - Passagen einer Reform
Rita Albrecht
Rita Albrecht,
HeBIS-Verbundzentrale
Das RDA-Projekt - wo stehen wir?
Maurits van der Graaf
Maurits van der Graaf,
Pleiade
Drives of change in shared cataloguing: results from a study for the deverlopement of the French cataloguing system SUDOC
Dr. Eva Christina Glaser
Dr. Eva Christina Glaser,
UB Gießen
Teachable moments - Discovery Systeme und Informationskompetenz


Jule Mildner E-Mail an AutorIn
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Normung
Normungsexperten des ISO TC 46 trafen sich in Washington

Blick in die Penarsitzung des TC 46, Foto: R.Albrecht
Blick in die Penarsitzung des TC 46,
Foto: R.Albrecht



Das Technical Committee 46 von ISO (Information and documentation) hat mit Gaëlle Béquet (Direktorin des ISSN International Centre ) einen neuen Chair berufen. Ihre Vorgängerin, Francois Pellé, hat sich in den Ruhestand verabschiedet.

Das ISO TC 46 hat sich vom 5. bis 9. Mai 2014 zu seiner jährlichen Tagung in Washington, DC getroffen. Gastgeber war die amerikanische Normungsinstitution ANSI, Tagungslokalität die Library of Congress.

Die überwiegende Zahl der Subcommittees und Arbeitsgruppen hielten im Rahmen der Jahrestagung eigene Sitzungen ab. Den Abschluss der Sitzungswoche bildete am Freitag die traditionelle Plenarversammlung, bei der alle Gruppen den Stand ihrer Projekte präsentierten.

Die Delegation des DIN unter Führung der Vorsitzenden des Normenausschuss Bibliotheks- und Dokumentationswesen, Rita Albrecht, vertrat die deutschen Interessen in verschiedenen Arbeitsgremien. Eine besondere Rolle kommt Deutschland im wiederbelebten SC 10 - Requirements for document storage and conditions for preservation zu, wo es den Vorsitzenden stellt (Sebastian Barteleit, Bundesarchiv) und das internationale Sekretariat durch die Geschäftsstelle des NABD betreut wird. Ein wichtiges Projekt des SC ist die Entwicklung einer internationalen Norm für die Massenentsäuerung, an der nicht zuletzt die Anbieter solcher Verfahren ein großes Interesse haben.

Im SC 8 - Quality - Statistics and performance evaluation liegt der Fokus derzeit auf Archiven und Museen; für beide Bereiche werden internationale Statistikvorgaben entwickelt. Während man bei der Museumsstatistik schon weit fortgeschritten ist und in Washington weitere Ergebnisse erzielen konnte, steht das Projekt einer internationalen Archivstatistik noch ganz am Anfang; hier bildete die Sitzung in Washington den Kick-off für den weiteren Arbeitsprozess.

Ein wichtiges und ebenfalls noch junges Projekt ist die abermalige Revision der ISO 2108 zur ISBN im SC 9 - Identification and description. Hier war Deutschland mit je einer Vertreterin aus dem Bibliothekswesen und dem Börsenverein des deutschen Buchhandels ebenfalls aktiv in die Beratungen eingebunden.

Im SC 4 – Technical interoperability wurde unter deutscher Beteiligung eine neue Norm für die Fernleihe entwickelt (ISO 18626), die im Juli 2014 veröffentlicht wurde. Sie basiert im Unterschied zu ihren beiden Vorgängerinnen ISO 10160 und ISO 10161 auf modernen Webtechnologien und wurde bewusst schlanker gehalten. Beide älteren Normen bleiben aber weiter in Kraft, um den darauf basierenden existierenden Systemen Rechnung zu tragen. In einer kürzlich durchgeführten Revision wurden deshalb einige seit längerem bekannte Fehler bereinigt und neue Fassungen veröffentlicht.

Das SC 4 hat außerdem gemeinsam mit dem SC 2 des TC 37 (Terminology and other language and content resources) ein Projekt zur Neuordnung der in den 6 Teilen von ISO 639 definierten Sprachcodes begonnen. Für dieses Projekt wurde eine eigene gemeinsame Arbeitsgruppe (JWG) installiert, die in Washington erstmals getagt hat.

Die derzeit gültige Norm besteht aus sechs Teilen, für deren Pflege vier unterschiedliche Registrierungsagenturen zuständig sind; die Prozesse und Entscheidungen für Neuaufnahmen, Änderungen und Löschungen sind nicht transparent und dauern offenbar teilweise sehr lange. Zudem gibt es inhaltliche Kritik von der linguistischen Fachwelt, vor allem an der Auswahl und Vollständigkeit der aufgenommenen Sprachen. Die IT-Branche wiederum kritisiert die Streichung und den Wegfall von einzelnen Kodierungen, was Programme und Anwendungen vor massive Probleme stellt. Die JWG hat sich im Rahmen ihrer Sitzung in Washington auf Arbeitsansätze verständigt, für die Aufwand und Wirkungen untersucht werden sollen.

Aktiv sind deutsche Vertreter auch in der WG 3 – Conversion of written languages, in der internationale Umschriftnormen bearbeitet werden. Die Gruppe hat sich in Washington erneut ausführlich mit dem vorliegenden Entwurf für eine Neufassung der ISO 7098 (Romanization of Chinese) beschäftigt. Kontrovers diskutiert wurde weiterhin die von China in den Revisionsprozess eingebrachte Verpflichtung zur Wortbildung bei Namen und Geografika. Deutschland möchte diese Verpflichtung nicht generell eingehen, sondern nur bei Normdatensätzen. Insbesondere bei automatischer Transliteration soll es nach der deutschen Auffassung und etablierten Praxis erlaubt sein, silbenweise mit Blanks zwischen den Silben zu schreiben. Man verständigte sich in der Gruppe darauf, einen entsprechenden Passus zur automatischen Transliteration in den Entwurfstext einzufügen, um eine möglichst breite Zustimmung zur revidierten ISO 7098 zu erreichen. Leider folgt der inzwischen vorgelegte geänderte Text nicht der von Deutschland eingebrachten Intention; wie es weiter geht, ist derzeit offen.



Rita Albrecht E-Mail an AutorIn
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RDA
IFLA Satellite Meeting : RDA status and perspectives


Im Vorfeld des 80. IFLA World Library and Information Congress in Lyon fand am 13.08.2014 das IFLA Satellite Meeting 2014 zum Thema „RDA Resource Description and Access status and perspectives“ statt. Dies ist eines von mehreren Satellite Meetings zu verschiedenen Themen, die an verschiedenen Orten abgehalten wurden.

Veranstaltungsort war der Vortragsraum der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main. Der Tag wurde moderiert von Hanne Hørl Hansen (Bibliographic Consultant des Danish Bibliographic Centre Ltd.) und Miriam Säfström (Metadata coordinator der National Library of Sweden). Beide gehören dem Standing Committee der Cataloguing Section der IFLA an.

Frau Dr. Niggemann, Generaldirektorin der DNB, Herr Stanislas Mrozek, Consul général adjoint, Consultat général de France à Francfort, und Frau Hanne Hørl Hansen, Vorsitzende der IFLA Cataloguing section, sprachen einleitende Worte.

Das Programm  unterteilte sich in drei Themenbereiche.
 

Session 1 - RDA Status


Zum ersten Themenbereich gab es drei Vorträge:
Chris Oliver (Canadian Committee on Cataloguing; JSC [Joint Steering Committee]) berichtete zum Thema 'RDA and internationally recognized principles, models, and standards' und stellte in ihrem Vortrag dar, wie RDA internationale Standards wie FRBR, FRAD und ISBD einbezieht. Beteiligt sind JSC (Joint Steering Committee mit ihren Working Groups) und die ISBN-Review-Group. Für die Zukunft wird auch die Synchronisation und die Kompatibilität mit Modellen anderer Einrichtungen (Archive/Museen) angestrebt.

Im Vortrag 'RDA-Status' stellte Gordon Dunsire (Vorsitzender des JSC) die beteiligten Institutionen und ihre Aufgaben vor und zeigte die Abhängigkeiten der verschiedenen Einrichtungen zum JSC (EURIG, ISBD …). Er gab einen Überblick über die Länder, die RDA anwenden. Kein Land übernimmt RDA komplett. Gründe sind u.a. nationale Infrastrukturen, unterschiedliche Standards der Katalogisierungsausbildung, „Lücken“ im Regelwerk RDA.

Im letzten Beitrag zum 1. Themenkomplex berichtete Verena Schaffner (OBV; Vorsitzende EURIG Executive Committee) über EURIG and its activities.
EURIG (European RDA Interest Group) entstand 2010 als Interessenvertretung der europäischen RDA-Anwender bzw. zukünftiger Anwender. Mitglieder sind Nationalbibliotheke-n, Bibliotheksverbände etc., zzt. 34 Mitglieder aus 20 Ländern. Es gibt jährliche Treffen und Arbeitsgruppen zu speziellen Themen. Ergebnisse fließen in Discussion Papers und Proposals ein.

  EURIG-Webseite

Session 2 - RDA Implementation
or considerations to implement RDA


Im Themenbereich der 'session 2' konnte man in fünf Vorträgen einen guten Überblick über die Aktivitäten in verschiedenen Ländern erhalten.

Den Beginn machte Thurstan Young (RDA-Projektleiter der British Library) mit 'RDA application and development: British Library perspectives'. Das Projekt startete 2008, die Katalogisierung nach RDA in 2013. Ein Umstieg auf RDA bot sich an, da dadurch viel Fremddatennutzung (Copy-Cataloguing) möglich war. Gearbeitet wird mit Aleph ILS und Primo. Die notwendigen Anpassungen von MARC zu Aleph waren recht umfangreich.

Sehr interessant waren Details zur Einführung des neuen Regelwerks, wie Schulungsaufwand und Anzahl der „Schulenden“. Der Schulungsaufwand für Katalogisierer belief sich auf jeweils ca. 3 Wochen. Andere Gruppen (wie z.B. Erwerber) erhielten nur eine Grundschulung (ohne Toolkit-Zugang/-Nutzung). In der Einführungsphase wurde die verzögerte Bearbeitungszeit von ca. 20.000 zu katalogisierenden Titeln in Kauf genommen. Nach vollständiger RDA-Einführung wird die Anzahl der täglich erfassten Titel wieder annähernd auf dem Ausgangslevel erwartet. Allerdings ist die Anzahl der Authority Records (Normdaten) mit RDA stark angestiegen. Aufgrund des starken Anstiegs des Zeit- und Arbeitsaufwandes für die Katalogisierung hat man sich auf eine Beschränkung auf „rule-of-three“ (= max. 3 beteiligte Personen / Körperschaften) geeinigt.

Renate Behrens (Deutsche Nationalbibliothek) gab einen Überblick über den Stand der RDA in Deutschland: 'Managing the change preparing the future: RDA in the German-speaking library community'.

  Seite der DNB zu RDA

Daniel van Spanje (OCLC) und Lian Winterman (Koninklijke Bibliotheek, Den Haag) illustrierten mit 'The Dutch implementation' die RDA-Einführung in den Niederlanden. Die Einführung der RDA war in den Niederlanden geleitet vom Wunsch nach Internationalisierung und der Notwendigkeit eines neuen Regelwerks. Zur Anpassung an holländische Bedürfnisse wurde ein „dutch-profile“ entworfen. Für die Praktiker gibt es eine Konkordanz des bisherigen Regelwerks zu RDA. Interessant war die Aussage, dass man sich auf die Arbeitssprache Englisch geeinigt hat, um Sinnverfälschungen durch eine Übersetzung zu vermeiden und vor allem keinen Zeitverzug zwischen Regelwerksanpassungen im englischen Original und einer Übersetzung zu haben. So wurde nur das Glossar, die Definitionen und bestimmte Workflows auf Holländisch übersetzt. Die Einführung in die praktische Arbeit erfolgte fließend. Projektstart war 2013, eine Policy für RDA-Aufnahmen wurde im Nov. 2013 erstellt, im Oktober 2014 folgen die Normdaten. Danach wird die Einführung der RDA in den Niederlanden abgeschlossen sein.

Francoise Leresche (Bibliothèque Nationale de France) gab mit ihrem Vortrag 'The French perspective on RDA' einen Überblick über die Überlegungen zu RDA aus französischer Sicht. Bisher gibt es keinen Bezug zu AACR, die französische Regeln basieren auf ICR. MARC21 wird in Frankreich nicht genutzt, Verlinkungen zu Werken (z.B. der Musik) schon länger praktiziert. Die Notwendigkeit zu einer Änderung wird daher nicht gesehen.

Da die französische Bibliotheksgemeinschaft keine Rückschritte wollte, wurde RDA zuvor eingehend analysiert. Die Ergebnisse aus französischer Sicht waren nicht zufriedenstellend: die Kosten der Übernahme erscheinen zu hoch, der Arbeitsaufwand zur Anpassung von Fremddaten an französische Katalogpraxis zu groß. Französisches Interesse besteht hauptsächlich an FRBR. Da die FRBRisierung jedoch nicht weit genug vorangeschritten ist, wird kein Grund zur Eile gesehen. Die französischen Regeln sollen an bestimmten Stellen zu RDA angepasst werden. BNF bevorzugt Interoperabilität der Systeme im Gegensatz zur Einführung neuer Katalogregeln. Eine Einführung der RDA wird zurzeit nicht als notwendig erachtet. Der Wunsch zur Internationalisierung ist natürlich vorhanden. Daher arbeitet Frankreich seit 2012 in EURIG mit.

Ossama Mahmoud (Bibliotheca Alexandrina) gab mit 'RDA in the Arab Region: Challenges and proposed solutions' einen sehr interessanten Einblick in die Katalogisierungspraxis der arabischen Länder und deren Überlegungen zu RDA. In arabischen wissenschaftlichen Bibliotheken ist AACR verbreitet. Am neuen Regelwerk interessiert besonders der Werkgedanke, da in der arabischen Welt Manuskripte mit Bearbeitungen in der wissenschaftlichen Arbeit sehr verbreitet sind.
Voraussetzung für eine breite Einführung von RDA ist eine Übersetzung ins Arabische und ausreichendes Training der Bibliothekare. Die meisten arabischen Länder benötigen dabei finanzielle Unterstützung (wie alle anderen Dritte-Welt-Länder). Von 22 arabischen und nordafrikanischen wissenschaftlichen Bibliotheken arbeiten bereits 4 nach RDA. Der Arab Union Catalogue (AUC) entschied sich 2013 für eine Katalogisierung nach RDA.


Session 3 - RDA and formats


Nach einer Mittagspause, die man in der Kantine der DNB verbringen konnte, startete 'Session 3':
Brigitte Wiechmann und Sarah Hartmann (beide Deutsche Nationalbibliothek) gaben mit 'RDA and authority files: Impact on GND' einen Überblick über die Geschichte der GND, den Inhalt der Datenbank und den aktuellen Stand der Einführung der RDA in der GND mit den notwendigen Anpassungen. Geplant ist u.a. die Erfassung der Verlagsdaten unter Nutzung der Daten des Börsenvereins als Normdatensätze für eine spätere Verlinkung.

Informationen zur GND

Sally McCallum (LoC): RDA and BIBFRAME
BIBFRAME soll MARC für mehr Flexibilität ablösen. Mehr Verlinkungen und ein besserer Umgang mit Nicht-Buch-Materialien sollen damit möglich werden. Ziel ist eine Verbesserung in Datentausch, Speicherung und semantischer Technologie.

  http://www.loc.gov/bibframe/

Gordon Dunsire (Vorsitzender des Joint Steering Committee) brillierte mit seinem zweiten Vortrag 'RDA and linked data applications: Registries, namespaces, maps, and profiles. What tools are available when creating RDA desciptions for the Semantic Web'. Er stellte die Webseite www.rdaregistry.info vor und erläuterte die Darstellung der Elemente und Beziehungen der RDA in Linked Data oder dem Semantic Web.


Session 4 RDA - the future: future strategy future scenarios


James Hennelly (ALA Publishing) berichtete mit Translations and RDA Toolkit über den Stand der Übersetzungen von RDA. Zurzeit sind Übersetzungen in Französisch und Deutsch ins Toolkit integriert, in Arbeit sind Italienisch und Finnisch. Mandarin wird übersetzt, aber nicht ins Toolkit integriert, da die Zeichendarstellung noch unzureichend ist.

ALA und Facet Publishing favorisiert jeweils 1 Übersetzung pro Sprache. Es werden neben der vollständigen Übersetzung weitere Modelle angeboten, z.B. nur die Übersetzung einzelner Teile des Toolkit (wie in den Niederlanden) oder nur Übersetzungen von Schulungen. Sehr wichtig ist, dass Updates der Übersetzung zeitnah erfolgen. Angestrebt sind zwar kürzere Abstände nach einem Update, eine zeitgleiche Veröffentlichung von Updates in Englisch und den Übersetzungen ist in naher Zukunft jedoch nicht geplant.

Simon Edwards (CILIP; JSC-Mitglied) zeigte mit RDA the future: Future strategy, future governance die Zukunftsziele auf. RDA soll ein echtes internationales Standardformat werden und anpassbar auf die jeweiligen speziellen oder nationalen Bedürfnisse sein. Die RDA-Verwaltungsstruktur soll verbessert werden. Zurzeit gibt es dazu ein „discussion-paper“. Antworten und Vorschläge aus der bibliothekarischen Fachwelt sind erwünscht (Deadline ist 31.1.2015).

Die Veranstaltung umspannte den Bogen rund um das neue Regelwerk RDA. 152 Teilnehmer aus 29 Ländern nahmen teil, die Konferenzsprache war Englisch. Der Tag war sehr informativ und der „Blick über den Tellerrand“ sehr gewinnbringend. In den Pausen hatte ich Gelegenheit zu vielen Gesprächen mit Kollegen, u.a. mit Hørl Hansen vom Danish Bibliographic Centre, das ich 2012 im Rahmen meines ERASMUS Staff Program besuchen konnte. Hier werden alle Dänischen Medien innerhalb von vier Wochen erfasst und verzeichnet. Ein weiteres interessantes Gespräch konnte ich mit einer Teilnehmerin aus Kalkutta führen, die genau wie im Beitrag zur Arabischen Region dargestellt die Kostenfrage und Vielsprachigkeit in ihrem Land als Hürde für eine RDA-Einführung sieht.

Der Weg zu einem international praktizierten Regelwerk ist also noch weit, zumindest die bibliothekarische Community arbeitet jedoch intensiv daran. Die nächsten Jahre bleiben sicher sehr spannend.

   Präsentationen der Vorträge



Barbara Ganz (UB Mainz) mit Unterstützung von Frau Dagmar Preuschoff-Böhmer (Hochschule Rhein-Main Wiesbaden/Rüsselsheim)



Barbara Ganz E-Mail an AutorIn
UB Mainz
RDA
Initialschulungen GND-Normdatensätze

Ab dem 15. Oktober beginnt mit der Erfassung von GND-Normdatensätzen nach RDA nun auch für die HeBIS-KatalogisiererInnen der erste Schritt in die neue Regelwerks-Welt. In Vorbereitung dazu wurden im September sechs eintägige Initialschulungen durch ein Team der VZ in den Lokalsystemen vor Ort durchgeführt. Damit konnten ca. 120 Personen mit Präsentationen und Übungen in die neuen Regeln eingeführt werden.

Weitere Schulungen wurden dann von den lokalen Schulungsteams übernommen. Für KatalogisiererInnen in nichtlateinischen Schriften fand außerdem ein Ergänzungs-Workshop statt.

Grundlage für die Schulungen bildeten neben dem RDA-Toolkit die von der AG RDA / Unterarbeitsgruppe GND erstellten Anwendungsregeln und Erläuterungen, die Erfassungshilfen sowie die vorbereiteten Präsentationen, die teilweise für die HeBIS-Schulungen angepasst wurden.

Alle Unterlagen stehen auf den HeBIS-Webseiten
(http://www.hebis.de/de/1ueber_uns/projekte/gnd.php) zur Verfügung.

Zur Vertiefung sind weiterhin Übungen auf der Selbstlernplattform „moodle“ bereitgestellt worden.


Monika Denker, Elmar Reith

HeBIS-Verbundzentrale: Bibliothekarische Dienste
Foto: E.Reith



Elmar Reith E-Mail an AutorIn
HeBIS-Verbundzentrale

Mitteilungen

Literaturhinweis
HeBIS Discovery System, in: Bibliotheksdienst

Bettina Sunckel, Uwe Reh und Heike Nienerza:

Das HeBIS Discovery System:
Kooperative Entwicklung einer neuen Rechercheoberfläche für HeBIS-Bibliotheken


In: Bibliotheksdienst, 2014, Band 48, Heft 10, Seiten 784–794


(sun)

Märchenquiz
Übergabe des 1. Preises an die Gewinnerin

Wir gratulieren Martina Kuth, der Gewinnerin des 1. Preises unseres Märchen-Quiz! Sie ist Bibliothekarin in einer großen Anwaltskanzlei in Frankfurt am Main und konnte ihren Gewinn, ein "Frankfurter Grüne Soße"-Pflanzset, persönlich entgegen nehmen.



Übergabe des Preieses: links Kea Cordlandwehr, rechts Martina Kuth.

Während des Bibliothekartags 2014 in Bremen konnten Besucher des HeBIS-Standes an unserem Märchenquiz teilnehmen. Viele Besucher beantworten die Fragen rund um Märchen und gaben ihre Lösung ab. Die Gewinner wurden noch auf dem Bibliothekartag am HeBIS-Stand gezogen und anschließend per E-Mail über ihre Gewinne informiert.


Weitere Informationen:

(miju)
Neu in der Datenbank
Metadaten-Import

Import von Metadaten - Ergänzungen und Aktualisierungen

Konsortial- und Bibliothekslizenzen

  • APA-PsycBooks (70 Titel) ZDB-27-PSB -
    für UB Marburg OECD eBooks (1204 Titel)
  • ZDB-13-SOC - LZI V306


Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Imke Wolbers, Tel.: (069) 798 39 204


(wol)

Normung
Neu erschienen: DIN 32708

Der Arbeitsausschuss Transliteration und Transkription im DIN-Normenausschuss Bibliotheks- und Dokumentationswesen hat die Norm DIN 32708 – Information und Dokumentation – Umschrift des Japanischen veröffentlicht.

Die Norm regelt die Umschrift der beiden japanischen Kana-Silbenschriften (Hiragana und Katakana) in ihrer modernen Orthographie und Aussprache. Sie setzt die Kenntnis der korrekten (Kana-)Lesung sinojapanischer Schriftzeichen (Kanji) in ihrem jeweiligen Zusammenhang voraus.

Die Umschriftvorgaben basieren auf dem modifizierten Hepburn-System. Dieses ist aufgrund seiner internationalen Verbreitung, besonders in der Wissenschaft, den Medien, dem öffentlichen Leben und im Bibliothekswesen (so u. a. in den ALA-LC Romanization Tables Japanese vorgeschrieben) wie auch aufgrund ihrer größeren Nähe zur tatsächlichen Aussprache der in ISO 3602 zugrunde gelegten japanischen kunreishiki-Umschrift vorzuziehen.

Das Herz der Norm bildet eine Umschrifttabelle. Ergänzt wird diese durch zahlreiche Erläuterungen und Detailregelungen sowie durch Vorgaben für die Zusammen- und Getrenntschreibung. Die Norm kann als Druckausgabe oder e-Book beim Beuth-Verlag, Berlin bezogen werden.


(ria)

Fortbildungen/ Veranstaltungen

HessFort

Neues Kursprogramm für bibliothekarische Fortbildung

Die neuen Kurse im Rahmen der bibliothekarischen Fortbildung Ende 2014 / Anfang 2015 in Hessen stehen fest.


Die Themengebiete der Veranstaltungen sind breit gefächert und reichen von "Everyday English in the Library" über FRBR bis Projektmanagement. Letzte Plätze für Kurzentschlossene bieten wir in unserem Kurs "Vorträge visualisieren und präsentieren. Wie Sie Ihre Zuhörer begeistern können" am 23. Oktober 2014.

Weitere Veranstaltungen für das Jahr 2015 sind in Planung.


Eine Übersicht über die angebotenen Kurse finden Sie im Kursprogramm, anmelden können Sie sich über das HessFort-Anmeldeformular.

Bitte Informieren Sie sich vorab auch über die Teilnahmebedingungen.



Silhouette von Computerbildschirmen
(miju)

Impressum

HeBIScocktail 4/2014 (Oktober 2014)


HeBIScocktail erscheint vierteljährlich als Hypertext (mit Druckausgabe) unter http://www.hebis.de/hebiscocktail/.

Neue Ausgaben werden über HeBISnews und Pica-List angekündigt.


Herausgeber: Hessisches BibliotheksInformationsSystem, Verbundzentrale,
Bockenheimer Landstr. 134-138,
60325 Frankfurt am Main


Redaktion: Tanja Kindt (tak), Jule Mildner (miju)

E-Mail-Adresse der Redaktion: cocktail@hebis.de

Beiträge und Leserzuschriften sind sehr willkommen!

Bitte beachten Sie unsere Hinweise für Autoren


HeBIScocktail 1/2015 erscheint im Januar 2015.

Redaktionsschluss: Ende Dezember 2014.

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