HeBIScocktail
Ausgabe: 2018-1
Editorial zur letzten Ausgabe des HeBIScocktail

Liebe Leserinnen und Leser,

 

im Jahr 2000 hat Sie eine wohlgelaunte Kollegin (Gisela Bröckerhoff) im Editorial des ersten HeBIS Cocktails begrüßt:

„hier ist sie nun, frisch gemixt und vollgepackt mit hochprozentigen Informationen: die erste Ausgabe des "HeBIScocktail"- ein Name übrigens, den wir u.a. gewählt haben, weil alle HeBIS-Server der Abteilung B(ibliotheks)D(aten)V(erarbeitung) des HRZ Frankfurt nach Cocktails benannt sind!“

Seitdem sind nunmehr 17 Jahre vergangen. Die Abteilung BDV des HRZ Frankfurt ist längst in der „HeBIS Verbundzentrale“ aufgegangen und auch die Benennung der Server nach Cocktails ist anderen, weniger interpretationsanfälligen Konventionen gewichen.

Auch für den "HeBIScocktail" als „Forum für alle Verbundteilnehmer“ (Editorial 1/2000) wird es Zeit für eine Veränderung - im Alter von 17 Jahren ein logischer Schritt.

Begonnen wurde mit dieser Umgestaltung des „Forums“ bereits.

Mit HeBIS KID ist „Kommunikation, Information, Dokumentation“ schon seit einiger Zeit in einem gänzlich neuen Format und in bislang im Verbund nicht verfügbaren Formen möglich. Die intensive Nutzung des „KID“ spricht für sich.

Nun steht eine Rundumerneuerung der HeBIS Webseiten an. Hier laufen die ersten Vorbereitungen, die bis Ende des Jahres abgeschlossen werden sollen.

Für die öffentlichen Dinge des Verbundes, für „Neues“ und „Nützliches“ und für alles, über das in einem Verbund regelmäßig berichtet werden muss, entstehen in diesem Zusammenhang neue und zeitgemäßere Formen. Regelmäßige „News“ und aktuellere Informationen aus den Projekten werden Teil des neuen Webauftritts. Ein gedruckter Jahresbericht der Verbundzentrale wird der Aktualität des Tagesgeschäftes eine Grundlage geben.

Der „Cocktail“ verabschiedet sich mit der vorliegenden Ausgabe von Ihnen. Ein großes Dankeschön geht an Leserschaft und – nicht zuletzt – an die Cocktail-Redaktion.

 

Uwe Risch

 

 

Liebe Leserinnen und Leser,

die HeBIScocktail-Redaktion bedankt sich für die langjährige, gute Zusammenarbeit mit den vielen Menschen, die uns mit Beiträgen für den HeBIScocktail unterstützt haben.

Wir freuen uns darauf, auch in Zukunft im Rahmen der Kommunikation innerhalb des Verbundes für Berichterstattung und Meldungen im 'neuen Gewand' für Sie zur Verfügung zu stehen.

 

Ihre HeBIScocktail-Redaktion

Themen

DEAL und die Auswirkungen auf die Lizenzen des HeBIS-Konsortiums

 

Unmittelbar nach dem Jahreswechsel haben die Verhandlungen der Projektgruppe DEAL im Auftrag der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen eine große mediale Aufmerksamkeit erhalten, und seit den Kündigungen der Elsevier College Collection zum 31.12.2016 sowie der Elsevier „Freedom-Collection“ zum 31.12.2017 seitens des HeBIS-Konsortiums gewinnt das Thema auch an den betroffenen hessischen Hochschulen an Brisanz.

 

Verhandlungen der Projektgruppe DEAL


Bibliotheken zahlen weltweit jährlich steigende Summen an Wissenschaftsverlage, um wissenschaftliche Zeitschriften für Forschende und Studierende zugänglich zu machen. Im Jahr 2015 wurden von der Max Planck-Gesellschaft Zahlen für den globalen Zeitschriftenmarkt erhoben. Die Studie¹ zeigt, dass für ca. zwei Millionen Artikel aus wissenschaftlichen Zeitschriften weltweit 7,6 Milliarden Euro Subskriptionskosten pro Jahr aufgewendet werden, also ca. 3.800,- Euro pro Artikel. Dagegen betragen die Onlinepublikationsgebühren (APC = Article Processing Charge) zur Veröffentlichung eines Artikels durchschnittlich ca. 2.000,- Euro. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass genügend Geld im System vorhanden sei, um Open Access flächendeckend einzuführen und damit weltweit freien Zugang zu Forschungsergebnissen zu ermöglichen.

Im Jahr 2014 hat die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen, vertreten durch die Hochschulrektorenkonferenz, die Projektgruppe DEAL konstituiert, um bundesweite Lizenzverträge für das gesamte Portfolio elektronischer Zeitschriften großer Wissenschaftsverlage abzuschließen. Mit einer Open-Acces-Komponente  sollte auch die Transformation von einem subskriptionsbasierten zu einem publikationsbasierten Lizenzmodell gefördert werden.

Für die Verhandlungen mit den drei großen Wissenschaftsverlagen Elsevier, Wiley und Springer Nature hat sich die DEAL-Gruppe folgende Ziele gesetzt:

  • Teilnehmende  Einrichtungen erlangen dauerhaften Volltextzugriff auf das gesamte Titel-Portfolio (E-Journals) der drei Verlage.
  • Alle Publikationen von Autorinnen und Autoren aus deutschen Einrichtungen werden automatisch Open Access geschaltet (CC-BY, inkl. Peer Review).
  • Die Berechnung orientiert sich am Publikationsaufkommen der Einrichtungen.


Die Verhandlungen mit dem Marktführer Elsevier starteten 2016, ohne dass es zu einer Annäherung kam. Um den Druck auf Elsevier zu erhöhen, wurden die deutschen wissenschaftlichen Einrichtungen in einem Rundschreiben der Hochschulrektorenkonferenz aufgerufen, ihre Verträge mit Elsevier zu kündigen und keine bilateralen Verhandlungen aufzunehmen. Diesem Aufruf sind inzwischen ca. 200 Einrichtungen gefolgt.

Die Verhandlungen mit Springer Nature und Wiley begannen 2017. Bis zum Jahresende konnte aufgrund der Komplexität kein Abschluss erzielt werden. Für Einrichtungen, deren Verträge 2017 endeten, wurde in Übergangsvereinbarungen geregelt, dass die Verträge zu den bisherigen Konditionen (Leistungsumfang, Preisvolumen) verlängert werden und damit der Zugang zu den bisher lizenzierten E-Journals ohne Einschränkungen bestehen bleibt.


Eckpunkte der Übergangsvereinbarungen

Springer Nature

  • Alle zur DEAL-Teilnahme berechtigten Einrichtungen erhalten nach Unterzeichnung eines Amendments Zugriff auf alle Springer- und Adis-Zeitschriften für die Jahrgänge 1997 – 2018.
  • Nach Abschluss des DEAL Vertrages erfolgt eine unmittelbare Freischaltung aller ab diesem Zeitpunkt erscheinenden Artikel von Erstautoren aus DEAL-Einrichtungen im Open Access (CC-BY).
  • Es werden 2018 keine zusätzlichen Kosten entstehen.
  • Laufende Abonnements dürfen nicht abbestellt werden.


Nature- und Palgrave
-Titel sind von dieser Regelung noch ausgenommen. Die Bedingungen des Ende 2017 auslaufenden GASCO-Nature-Vertrags werden für die teilnehmenden Einrichtungen für 2018 fortgeführt.

Wiley:

  • Die Gesamtgebühr 2018 steht noch nicht fest. Die geleisteten Zahlungen für 2018 werden als Abschlagszahlung auf die Gesamtgebühr 2018 angerechnet.
  • Die Freischaltung der Artikel von Erstautoren im Open Access (CC-BY) in  2018 ist noch Gegenstand der weiteren Verhandlungen.
  • Laufende Abonnements dürfen nicht abbestellt werden.

 

Weitere Informationen zum Projekt DEAL finden Sie unter:

https://www.projekt-deal.de/

Hier lohnt auch ein Blick in den Pressespiegel, in dem zahlreiche Artikel in internationalen Medien das Interesse an den Verhandlungen und das Staunen über die Solidarität der wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland dokumentieren.



Situation in Hessen:


Für das HeBIS-Konsortium gehören Elsevier, Springer und Wiley zu den Verhandlungspartnern der ersten Stunde. Der erste Lizenzvertrag wurde mit der Springer-Verlag GmbH am 3. März 1999 geschlossen, es folgten Lizenzvereinbarungen mit Elsevier am 1. Februar 2000 und mit Wiley am 21. November  2002.

 

Außerdem hat die UB Frankfurt/Main die Nationallizenzen 'Elsevier Journal Backfiles on ScienceDirect 1907 – 2002', die 'Wiley InterScience Backfile Collections 1832-2005' sowie die DFG-geförderte Allianzlizenz 'Elsevier Cell Press Journals, 2015 – 2017' verhandelt.

 

Die Lizenzkosten der ersten Konsortialverträge mit den drei großen Anbietern orientierten sich zunächst am historischen Umsatz für Printabonnements der angeschlossenen Hochschulbibliotheken und zielten auf die Bereitstellung eines gemeinsamen "Cross Access". Das bedeutet, jede teilnehmende Bibliothek erhielt Zugriff auf sämtliche, innerhalb des Konsortiums abonnierten Titel. Erklärtes Ziel des HeBIS-Konsortiums war es, nicht nur die Universitätsbibliotheken, sondern auch die Bibliotheken der Hochschulen für angewandte Wissenschaften in die Verträge einzubinden und somit auch hier zu einer erheblichen Steigerung der zur Verfügung stehenden elektronischen Publikationen beizutragen.

 

In einem nächsten Schritt wurden Zeitschriften in die Lizenzverträge einbezogen, für die bislang noch kein Abonnement innerhalb des Konsortiums existierte, der sogenannte "Additional Access". Nach intensiven Verhandlungen wurden Ende 2015 mit allen drei Verlagen Mehrjahresverträge für 2016 – 2018 nach dem Datenbankmodell abgeschlossen, die den Abgleich umfangreicher Bestandslisten (weitgehend) obsolet machten.

Für diese drei Verträge wurden in 2017 fast 7,8 Millionen Euro (inkl. der 19% Umsatzsteuer) aufgewendet, davon konnten über eine halbe Million Euro aus zentralen Mitteln des Landes Hessens bezuschusst werden.


Teilnehmer

 

Springer, 2016 - 2018

 

Wiley, 2016 - 2018

 

Elsevier, 2016 - 2017

 

Titel laufend: 1943

 

Titel laufend : 1490

 

Titel laufend : 1901

 

EHB Darmstadt, ab 2017

HSB Darmstadt

ULB Darmstadt

HSB Darmstadt

ULB Darmstadt

UB Frankfurt/Main

UB Darmstadt

FUAS Frankfurt

HLB Fulda

FUAS Frankfurt

UB Frankfurt/Main

UB Gießen

UB Frankfurt/Main

HLB Fulda

UB Kassel

HLB Fulda

HSB Geisenheim

UB Mainz

HSB Geisenheim

THB Mittelhessen

UB Marburg

THB Mittelhessen

UB Gießen

 

UB Gießen

UB Kassel

 

UB Kassel

UB Mainz

 

UB Marburg

UB Marburg

 

HLB RheinMain

HSB Fresenius

 

HSB Fresenius

 

 



Die HLB Fulda hat sich am Vertrag der Universitätsbibliotheken mit Elsevier beteiligt. Die verbleibenden Hochschulbibliotheken lizenzierten zwei ‚Elsevier College Collections‘, die aus Kostengründen aber keine Archivrechte beinhalteten.



Kündigung der Elsevier College Collection und der Freedom Collection


Zeitgleich mit den laufenden Verlängerungsverhandlungen für die ‚Elsevier College Collection‘ kam in 2016 der Aufruf der Hochschulrektorenkonferenz, Elsevier-Verträge zu kündigen bzw. nicht zu verlängern. Nach einem Abstimmungsprozess folgte die Kündigung der 'Elsevier College Collections' mit Wirkung zum 31.12.2016.

Folgende Hochschulen waren betroffen:

  • Hochschule Darmstadt
  • Frankfurt University of Applied Sciences
  • Hochschule Geisenheim University
  • Technische Hochschule Mittelhessen
  • Hochschule Fresenius


Nachdem für die Hochschulen zu Beginn des Jahres 2017 die Zugänge zu den Elsevier-Zeitschriften für ca. drei Wochen unterbrochen waren, wurden diese Anfang Februar 2017 von Elsevier wiederhergestellt und seitdem aufrechterhalten. Diese Entscheidung des Anbieters, die Zugänge aller Einrichtungen, die gekündigt hatten, weiterhin freizuschalten, rief Verwirrung und Spekulationen über die Beweggründe hervor.

Nachdem die Gespräche mit Elsevier auch in der zweiten Jahreshälfte 2017 keine Annäherung brachten, wurde der Aufruf zur Kündigung von Elsevierverträgen seitens der Hochschulrektorenkonferenz noch einmal wiederholt.

Die Konferenz der hessischen Universitätspräsidien hatte bereits am 21.4.2017 in einer Presseerklärung mit der Kündigung des Konsortialvertrages gedroht,  sollten keine nennenswerten Verhandlungserfolge erzielt werden. Im September fiel dann die endgültige Entscheidung und der HeBIS-Konsortialvertrag für die Elsevier Freedom Collection wurde mit Wirkung zum 31.12.2017 gekündigt.

Mit der Kündigung des Vertrages erhalten die Archivrechte für die Erscheinungsjahre 1995 bis 2017 ganz erhebliche Bedeutung. Für den Lizenzvertrag 2016 – 2017 konnte jede Einrichtung Titel in der Höhe ihres Umsatzes aus der Elsevier Freedom Collection auswählen. Diese Listen wurden Elsevier übermittelt.

Für alle Einrichtungen, die ihre Elsevier-Verträge gekündigt haben, hat die Projektgruppe DEAL eine geschlossene E-Mailgruppe für Institutionen eingerichtet. Ziel ist die zeitnahe Information über den Stand der Verhandlungen und ein direkter Erfahrungsaustausch.

Elsevier hat in einer Mail vom 28.12.2017 angekündigt, vorerst auf die Sperrung nicht lizenzierter Inhalte zu verzichten. Über die DEAL-Mailingliste wurde empfohlen, gegen die Freischaltung der lizenzrechtlich nicht abgedeckten Inhalte gegenüber  Elsevier Widerspruch einzulegen, da befürchtet wurde, dass durch deren Nutzung die Freischaltung als Angebot für den Abschluss eines neuen Vertrages zu den bisherigen Konditionen missverstanden werden könnte. „Notfallversorgungskonzepte“ für entfallene Elsevier-Zeitschriften sind bereits auf den Homepages einiger Bibliotheken zu finden oder noch in Vorbereitung, da die weitere Entwicklung abgewartet wird.

Ob und wie schnell die Eliminierung der Anzeige von freigeschalteten, aber lizenzrechtlich nicht abgesicherten Inhalten in der EZB und in den lokalen OPACs durchgeführt wird, kann jede Einrichtung für sich entscheiden.

Für die Allianzlizenz ‚Elsevier Cell Press Journals‘ war nach 2017 keine weitere DFG-Förderung mehr möglich. In Abstimmung mit der DEAL-Gruppe hat die UB Frankfurt auf die Aufnahme von bilateralen Verhandlungen verzichtet.  Damit konnten auch diese hochpreisigen Premium-Titel von Elsevier in die DEAL-Verhandlungen einbezogen werden.

 

Springer Nature und Wiley


Die Lizenzverträge des HeBIS-Konsortiums mit Springer Nature (Vertragspartner ist  noch Springer) und Wiley haben bis 2018 ihre Gültigkeit. Mit Springer Nature werden wir ein Amendment unterzeichnen, damit wir auch von der Freischaltung der Titel gemäß der Übergangsvereinbarung profitieren. Dazu ist bereits die zentrale Verzeichnung durch das Konsortium Baden-Württemberg in Vorbereitung.

Nun erwarten wir mit großer Spannung die Ergebnisse der Verhandlungen und Informationen über die Abrechnungsmodalitäten. Sobald erste Zahlen vorliegen wird sich abzeichnen, wie sich die Kosten auf Basis der Publikationen der Einrichtungen in Relation zu ihren bisherigen Subskriptionskosten entwickeln.  

 

 

¹Schimmer, R., Geschuhn, K. K., & Vogler, A. (2015). Disrupting the subscription journals’ business model for the necessary large-scale transformation to open access. doi:10.17617/1.3.  
http://hdl.handle.net/11858/00-001M-0000-0026-C274-7

 

Renate Wahlig E-Mail an AutorIn
HebIS-Konsortium
Deutsche Historische Bibliografie - Präsentation, Partner und Perspektiven

 

Workshop im Rahmen des Fachinformationsdienstes Geschichtswissenschaft,
25. – 26. Oktober 2017, München, Institut für Zeitgeschichte

 

Die „Jahresberichte für deutsche Geschichte“ sind ausgelaufen, die „Historische Bibliographie“ wurde eingestellt – aus diesem Grund gibt es gegenwärtig keine epochenübergreifende geschichtswissenschaftliche Fachbibliografie, die über aktuelle Veröffentlichungen zur deutschen Geschichte informieren würde. Um diesem Mangel abzuhelfen, arbeitet der „Fachinformationsdienst Geschichtswissenschaft“ derzeit daran, ein neues Rechercheinstrument zu etablieren, das als „Deutsche Historische Bibliografie“ (DHB) die entstandene Lücke in der geschichtswissenschaftlichen Informationsversorgung schließen soll.
Als Gründungseinrichtungen sind das Institut für Zeitgeschichte München – Berlin, die Bayerische Staatsbibliothek, die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften und das Deutsche Museum an diesem Projekt beteiligt.

 

So stand es in der Ankündigung des Workshops Deutsche Historische Bibliografie. Präsentation, Partner und Perspektiven im Rahmen des Fachinformationsdiensts Geschichtswissenschaft, der aus dem In- und Ausland zahlreiche Vertreter von Fachbibliographien (darunter mehrerer Landesbibliographien), Portalen und benachbarten Projekten folgten. Schließlich ist auch ausdrücklich gewünscht, weitere Partner mit ins Boot zu holen. Sowohl was die bisherige Praxis als auch künftige Vernetzung angeht, standen die Verfahren von Datengewinnung und vor allem –erschließung zur Diskussion.

Gleich der erste Referent kam allerdings mit Prof. Dr. Andreas Fahrmeir (Historiker an der Goethe-Universität Frankfurt) nicht aus dem Lager der Datensammler, sondern aus der Forschung, also von Seiten der Nutzer. Das ist nur logisch, stellen sich doch viele Bibliographen trotz Umfragen, Klickzahlen u.ä. immer wieder die wichtige Frage nach den Wünschen des Publikums. Fahrmeir setzte dabei ähnliche Prioritäten wie sie vor einigen Jahren Prof. Otto Volk (Marburg) bei einer Tagung der AG Regionalbibliographie gesetzt hatte:

  • Suche nach normierten Schlagworten
  • Suche nach frei wählbaren Zeitintervallen des Berichtszeitraums
  • Gute Mischung aus Monographien (möglichst angereichert durch Scans von Inhaltsverzeichnissen), Zeitschrifenaufsätzen und v.a. den oft unterschlagenen unselbständigen Beiträgen aus Tagungsbänden


Als „Benchmark“ nannte Andreas Fahrmeir die (kostenpflichtige) „Bibliography of British and Irish History“, die all diese Kriterien erfülle, und beklagte zugleich den mangelnden Zugang zu ihr in deutschen Bibliotheken (in Hessen wird sie nur an der UB Marburg und der Bibliothek des MPI für Rechtsgeschichte Frankfurt angeboten).

Alternativen zu Bibliographien seien für Wissenschaftler, so Prof. Fahrmeir, zum einen 'data mining', das zwar überraschende Funde generieren, es aber an Präzision beim retrieval mit normierten Begriffen nicht aufnehmen könne. Auch Bibliothekskataloge der neueren Generation bieten ja die Recherche nach Aufsätzen an. Deren Auswahl- und Rankingkriterien seien aber undurchsichtig und zum Teil auch an den kommerziellen Interessen der Kataloganbieter orientiert

Im Anschluss berichteten mit Katrin Getschmann (Uni Tübingen), Gregor Horstkemper (Bayerische Staatsbibliothek München) und Daniel Schlögl (Institut für Zeitgeschichte) drei direkt an der Neukonstitutierung der Deutschen Historischen Bibliografie im Rahmen des FID Geschichtswissenschaften beteiligte Kollegen. Sie wiesen zunächst darauf hin, dass es mit dem Katalog auf den Seiten von Historicum.net bereits eine öffentlich zugängliche Beta-Version gibt, in die aber noch bei weitem nicht alle Daten aus den „Jahresberichten“ migriert sind. Der Personalbestand des Projekts wurde drastisch reduziert, so dass es dringend auf Kooperationen angewiesen ist. Solche bestehen unter anderem bereits mit dem an der UB Tübingen angesiedelten „Index Theologicus“ des FID Theologie.

 

Dessen Vertreter Timotheus Chang-Whae Kim skizzierte mit einem eigenen Beitrag anschließend die Möglichkeiten des Bibliografietools Zotkat (Zotero). Damit lassen sich Daten aus anderen Systemen selektieren und mittels eines zusätzlichen Skripts auch in die WinIBW zur weiteren Bearbeitung exportieren. Zudem wird hier seit Jahren zur Formalerschließung von Zeitschrifteninhaltsverzeichnissen – seit langem ja auch ein Thema  der Hessischen Bibliographie - erfolgreich eine Software angewandt.
(Näheres in einem ausführlichen Bericht zu Produktionsverfahren bei der Bibliographieerstellung aus der UB Tübingen).

Werkstattberichte aus der Mediävistik/Mittelalterlichen Geschichte ließen weitere Perspektiven der Vernetzung zu. Arno Mentzel-Reuters (Monumenta Germanie Historica) wies besonders auf die Vorteile der direkten Sichtbarkeit von Katalogisaten bei Google-Recherchen hin, durch die bibliographische Daten einem viel größeren Personenkreis zugänglich gemacht werden können.


Für die deutschen Landesbibliographien schließlich –und hier wird es für unser Tagesgeschäft sicher besonders interessant – referierte Dr. Martin Munk von der SLUB Dresden über die Sächsische Bibliographie als Fallbeispiel. Dieses Fallbeispiel ist für Hessen besonders aufschlussreich, ist doch die Hessische Bibliographie strukturell innerhalb der breiten Typologie der Landesbibliographien mit dieser am engsten strukturell verwandt. Und so treffen auch die von Martin Munke beschriebenen Vernetzungsmöglichkeiten mit der DHB überwiegend auch auf Hessen zu: Man ist Teil eines Verbundes, der gute Fremddaten liefert sowie die Sacherschließung (RWSK, RVK) auf viele Schultern verteilt und nachnutzbar macht.


Zur automatischen Sacherschließung der DNB (in Funktion für die Reihen B und H seit 2017) gab zuletzt Elisabeth Mödden (DNB) einen Werkstattbericht. Über ein computerlinguistisches Verfahren, das aus dem vorhandenen Text der Titelaufnahme wie auch des Inhaltsverzeichnisses Terme extrahiert, disambiguiert und dann gewichtet, wird eine Liste von Schlagwörtern generiert und dann mit der GND abgeglichen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass das Verfahren die intellektuelle Verschlagwortung zwar sinnvoll ergänzen, aber nicht ersetzen kann.

 

Foto:
Institut für Zeitgeschichte, München
© Institut für Zeitgeschichte

Dr. Martin Mayer E-Mail an AutorIn
Hochschul- und Landesbibliothek RheinMain
„Zukunft, die bleibt“ : Landes- und Hochschulbibliotheken stellen sich vor

 

 


Broschüre der Landes- und Hochschulbibliotheken in Hessen:

 

"Zukunft,
die bleibt"

 

 


Eine neue Informationsbroschüre mit dem Titel "Zukunft, die bleibt" stellt auf 64 Seiten die hessischen Landes- und Hochschulbibliotheken vor.

Die Bibliotheken geben einen Einblick in ihr Selbstverständnis und ihre Zukunftspläne. Die Veröffentlichung widmet sich den Themenschwerpunkten: 

  • Landesbibliothekarische Aufgaben
  • Das kulturelle Erbe
  • Die Bibliotheken im Porträt
  • Vernetzung
  • Die Bibliotheken in Bildern

 

Im Kapitel Vernetzung stellt sich auf Seite 44/45 auch der HeBIS-Verbund mit seinen Aufgaben vor. Herausgeber ist die Konferenz der Direktorinnen und Direktoren der Hessischen Universitäts- und Hochschulbibliotheken unter Redaktion von Dr. Martin Mayer (Hochschul- und Landesbibliothek RheinMain, Wiesbaden).

Viel Spaß beim Lesen !

 

Download der Veröffentlichung unter:
https://kobra.bibliothek.uni-kassel.de/bitstream/urn:nbn:de:hebis:34-2018011554174/1/LandesUndHochschulbibliothekenInHessen.pdf

 

 

 

(ap)
Neues Verbundmitglied
Bibliothek des Fritz Bauer Instituts Frankfurt

Das 1995 gegründete Fritz Bauer Institut ist eine interdisziplinäre Forschungseinrichtung, die sich der Geschichte und Wirkung des Holocaust widmet. Das Institut trägt den Namen des ehemaligen hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer, des demokratischen Justizreformers und Initiators der Frankfurter Auschwitz-Prozesse.

 

Foto Fritz Bauer
Quelle: Fotograf: Siegried Träger
Fritz Bauer Institut, Frankfurt am Main

Die Fritz Bauer Institutsbibliothek dient der Forschung, der Lehre und dem Studium, der beruflichen und sonstigen Bildung vorzugsweise der Mitglieder und Angehörigen des Fritz Bauer Instituts und der Johann Wolfgang Goethe-Universität. Sie stellt die hierzu erforderliche Literatur und Literaturinformationen zur Verfügung.

Als wissenschaftliche Spezialbibliothek bedient sie mehrere Sammelschwerpunkte. Gesammelt werden insbesondere Forschungsliteratur und Dokumentensammlungen über den Holocaust sowie Zeugnisse von Überlebenden.

Auch Literatur zum Umgang mit der NS-Vergangenheit in Deutschland ist ein Schwerpunkt, ebenso die Thematik der justiziellen Aufarbeitung der NS-Verbrechen. Aus dem pädagogischen Bereich findet sich zudem der Schwerpunkt der Literatur und Materialien zur Erziehung nach Auschwitz.

 

Bücher im Regal

Der Bestand der Bibliothek wird als Präsenzbestand vorgehalten und umfasst aktuell etwa 13.000 Bände.

Die Freihandaufstellung und zahlreiche Arbeitsplätze ermöglichen es, direkt vor Ort zu arbeiten. Um die Nutzer bei Ihrer Recherche zu unterstützen, stehen zudem Materialien zur bibliothekseigenen und stark thematisch orientierten Systematik zur Verfügung.

 

Der Bestandsaufbau erfolgt sowohl über Käufe und Schenkungen als auch über circa 30 Schriftentausch-Partner im In- und Ausland. 2017 verzeichnete die Bibliothek circa 700 Neuzugänge.

 

Bibliothek des Fritz Bauer Instituts

 

Zur Verbesserung der Sichtbarkeit des Bibliotheksbestandes ist für 2018 sowohl die Migration der Allegro-Daten in PICA als auch die damit verbundene Bereitstellung des Bestandes über einen öffentlich zugänglichen Katalog geplant. Die Beratungs- und Recherchetätigkeiten nehmen einen wichtigen Platz innerhalb der Bibliotheksarbeit ein.

 

Arbeitsplätze

Von den Angeboten vor Ort sind vor allem die themenspezifische Beratung sowie die Einführungen in den Bestand bzw. dessen Nutzung besonders gefragt. Weiterhin werden unterschiedliche Rechercheanliegen und Beratungen via Telefon, E-Mail und Post bearbeitet.

Besonders häufig nutzen dabei Forschende, Studierende und interessierte Privatpersonen die Bibliothek und deren Angebote.

 

Die Institutsbibliothek ist zudem Mitglied in der ArbeitsGemeinschaft der GedenkstättenBibliotheken (AGGB) und beteiligt sich in diesem Rahmen an Kooperationen wie beispielsweise Schriftentausch und Tagungen.

 

Alle Fotos (außer Porträt Fritz Bauer):
Josefine Ruhe, Fritz Bauer Institut

Josefine Ruhe E-Mail an AutorIn
Fritz Bauer Institut, Bibliothek

Mitteilungen

Aktualisierungen im HeBIS-Handbuch

Neue Kapitel

Katalogisierungshandbuch:

 

Aktualisierte Kapitel

Katalogisierungshandbuch:

 

Systemhandbuch:

 

 

(miju)
Import von Metadaten - Ergänzungen und Aktualisierungen,
Stand: März 2018

Nationallizenz:

  • Korrekturlauf Empire Online ZDB-1-EMO
  • Korrekturlauf Early American Imprints. Series II ZDB-1-EAP
  • Cold War Intelligence ZDB-1-CWI

Konsortiallizenz:

  • WISO (V744-V748)
  • Beck Online Hochschulmodul (V77)

Bibliothekslizenz:

  • Cambridge Books Online ZDB-20-CBO
  • Die digitale SAP-Bibliothek ZDB-170-ETU
  • Routledge Historical Resources ZDB-7-RHR
  • Duncker & Humblot ZDB-54-DHP

  • Sondereinspielung Springer Archive
  • Herdt ZDB-149-HCB
  • UTB studi-e-books ZDB-41-UTB

Lizenzfreie Online-Ressourcen mit lzi 0:

  • Springer ZDB-2-SOB
  • JSTOR ZDB-39-JOA
  • de Gruyter ZDB-23-DGG
  • Nomos ZDB-18-NEA
  • Edward Elgar ZDB-77-EEC
  • Project Muse ZDB-6-UPC

Regelmäßige Lieferungen PDA:

  • Proquest, Academic Complete ZDB-30-PAD
  • Proquest, DDA Americanistik
  • Proquest, ebook central ZDB-30-PQE
  • De Gruyter ZDB-23-DGG
  • Oxford Scholarship Online ZDB-28-XXX
  • EBSCO Ebook Academic Collection ZDB-4-EBA
  • Wiley UBCM ZDB-35-WIC
  • Divibib Die Onleihe

 

 

 

 

Imke Wolbers E-Mail an AutorIn
HebIS-Verbundzentrale
Update der RVK-Normdaten im Zentralsystem

Im HeBIS-Zentralsystem (CBS) wurde das Update 2017/04 der RVK-Normdatei eingespielt. Damit stehen Ihnen die RVK-Normdatensätze aus dem neu eingeführten Notationsbereich „MT Gesundheitswissenschaften“ und das neu geschaffene Notationenkontingent PC 5800 - PC 5849 für Juristische Repetitorien zur Verfügung.

Des Weiteren wurden die Bereiche für „Didaktik in der Romanistik“ (ID/IM/IS) überarbeitet und weitere Anpassungen in verschiedenen Notationsbereichen vorgenommen.

 

Änderungen im Detail:

  • Ab sofort stehen Ihnen die RVK-Normdatensätze aus dem neu eingeführten Notationsbereich MT Gesundheitswissenschaften zur Verfügung.
  • Die Bereiche für Didaktik in der Romanistik (ID/IM/IS) wurden überarbeitet und erweitert (eine ausführliche Dokumentation finden Sie im Anhang). Bitte beachten Sie, dass dabei die RVK-Notation „ID 1564“ umgewidmet wurde. Bände, die aktuell unter dieser RVK-Notation aufgestellt sind, sollen auf die RVK-Notation „ID 1566“ umgestellt werden. Die Einträge in Kategorie 5090 werden noch maschinell von der Verbundzentrale bereinigt.
  • Für den Bereich Juristische Repetitorien wurde das Notationenkontingent PC 5800 - PC 5849 eingerichtet. Das neu geschaffene Kontingent bietet die Möglichkeit, auch Skripten anderer Repetitorien geschlossen aufzustellen, ohne dass für jedes zusätzliche Repetitorium die RVK ergänzt werden muss. Alle Bibliotheken können nach eigenem Ermessen entscheiden, wie sie unterschiedliche Signaturen für die einzelnen Titel und Ausgaben in den Skriptenreihen bilden. In Kategorie 5090 soll nur noch die Grundnotation „PC 5800“ verwendet werden, die bisherige Notation für „PC 5805“ entfällt und der entsprechende Normdatensatz wird gelöscht. Auch diese Einträge in Kategorie 5090 wurden von der Verbundzentrale maschinell bereinigt.
  • Der Bereich Sportpraxis / Muskel- und Konditionstraining; Circuittraining; Skigymnastik; Isometrisches Training wurde mit ZY 1550 - ZY 1559 stärker untergliedert. Bisher stand nur die RVK-Notationen „ZY 1550“ zur Verfügung.
  • Die RVK-Normdatensätze IQ 92597, GE 2800a und GE 2800b wurden gelöscht. Hierzu liegen keine näheren Informationen vor.

 

Ausführliche Informationen finden Sie im RVK-Rundbrief vom 4. Dezember 2017.

 

 

(miju)

Fortbildungen/ Veranstaltungen

Aktuelles Kursangebot der Geschäftsstelle für Aus- und Fortbildung

Aufzählungszeichen blauer PfeilRDA - Basics (Kursnr. 2018-05)
Datum: Mittwoch/Donnerstag 20.-21. Juni 2018
Ort: Goethe Universität Frankfurt am Main, Campus Westend
Aufzählungszeichen blauer PfeilWorkshop WinIBW3-Skripting: Titel- und Exemplardaten bearbeiten (Kursnr. 2018-06)
Datum: Dienstag, 11. September 2018
Ort: Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Bockenheim
Aufzählungszeichen blauer PfeilEnglisch: Schwerpunkt Recherche (Kursnr. 2018-08)
Datum: Mittwoch, der 17. Oktober 2018
Ort: Goethe Universität Frankfurt, Campus Bockenheim
Aufzählungszeichen blauer PfeilBücher reparieren (Kursnr. 2018-09)
Datum: Donnerstag, 16. August 2018
Ort: Goethe Universität Frankfurt, Campus Bockenheim
tak

Impressum

HeBIScocktail 1/2018

 

HeBIScocktail erscheint als Hypertext (mit Druckausgabe) unter http://www.hebis.de/hebiscocktail/.

 

Herausgeber: Hessisches BibliotheksInformationsSystem, Verbundzentrale, Frankfurt am Main

Redaktion: Tanja Kindt (tak), Jule Mildner (miju), Anika Pfützner (ap)

E-Mail-Adresse der Redaktion: cocktail@hebis.de

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